Samstag 25. Oktober 2014, 20:11

Banken & Finanzen

Strengere Regeln für Ratingagenturen in Europa

Die Einschätzung einer der großen Ratingagenturen hat enormen Einfluss auf die Höhe der Zinsen, die ein Staat für seine Schulden zahlen muss. Aber wie verlässlich sind diese Analysen? EU-Abgeordnete diskutierten strengere Regeln für den Umgang mit Ratingagenturen. Die Vorschläge des Parlaments sollen verhindern, dass sich Investoren zu stark auf Kreditbewertungen verlassen.

Strengere Regeln für Ratingagenturen in Europa
Strengere Regeln für Ratingagenturen in Europa
Bild: European Parliament
Wertet eine Ratingagentur die Kreditwürdigkeit eines Staates ab, wird es für dieses Land teurer neue Schulden aufzunehmen. Unter den höheren Kosten für neue Schulden leiden oft auch die staatlichen Dienstleistungen für die Bürger des Landes. Angesichts der Schuldenkrise in Europa scheinen bestehende Regeln nicht auszureichen. Nachdem neun Länder der Eurozone herabgestuft wurden, kam es gar zu Spekulationen über das Zerbrechen der Währungsunion.

RatingagenturenWas sollen die neuen Regeln ändern

Investoren sollen sich nicht mehr nur auf die Meinung externer Ratingagenturen verlassen. Unter den neuen Regeln müssten Kreditinstitute und Finanzinvestoren künftig auch selbst Risikoanalysen durchführen. Firmen, die Derivate oder andere komplexe Finanzprodukte erstellen, müssten in Zukunft Bewertungen von zwei unterschiedlichen Agenturen einholen. Aller vier Jahre müssten sie die konsultierten Ratingagenturen wechseln.

Die Bewertungen von Staatsschulden durch Agenturen sollten zudem häufiger und transparenter durchgeführt werden. Nur zu bestimmten Zeiten könnten dann neue Bewertungen veröffentlicht werden. Auch müssten Agenturen die grundlegenden Annahmen hinter einer Bewertung offenlegen. Direkte Empfehlungen für die Politik eines Landes dürften nicht mehr ausgesprochen werden.

Interessenkonflikte vermeiden

Mit dem Entwurf sollen auch Interessenkonflikte vermieden werden. So sollten Anteilseigner, die mehr als 10% einer Ratingagentur besitzen, nur mit maximal 10% an einer Firma beteiligt sein, die durch diese Ratingagenturen bewertet wird. Wer Anteile an zwei Ratingagenturen besitzt, darf jeweils nur zu maximal 5% beteiligt sein. Stellt eine Ratingagentur eine falsche Bewertung aus, dann sollte sie in Zukunft dafür haftbar gemacht werden können.

Werden die Regeln verabschiedet, würden sie für alle Ratingagenturen gelten, die in der EU arbeiten. Zur Abstimmung am Mittwoch steht ein Kompromiss, der von Parlament und Ministerrat ausgehandelt wurde.

 



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