Sonntag 26. März 2017, 16:54

Interviews

„Strenge Regeln und Kontrolle der EU-Förderprogramme sind notwendig“

Die Firma ECC Ecocare mit Sitz im oberösterreichischen Rohrbach hat bereits vielen heimischen Unternehmen dabei geholfen, EU-Fördermittel in Tschechien und Rumänien zu lukrieren. Firmenchef Manfred Stallinger erläutert, wo sich die Hürden befinden und wie man diese überwindet.

Manfred Stallinger - Ecocare | Bild: Ecocare
Manfred Stallinger - Ecocare
Bild: Ecocare
Ihr Unternehmen hat sich auf die Beratung von heimischen Firmen spezialisiert, die in den neuen EU-Märkten in Osteuropa tätig werden wollen. Wie vielen Unternehmen konnten Sie bis dato helfen, EU-Fördermittel zu lukrieren?

Zirka 30 Tochterfirmen heimischer Unternehmen in den Zielmärkten Tschechien und Rumänien - wo wir in Ceske Budejovice und Cluj-Napoca operative Niederlassungen haben - konnten wir entscheidend bei der Beantragung und beim Lukrieren von Fördermitteln aus einzelnen, jeweils nationalen Programmen des EU-Strukturfonds begleiten. Dazu kommen mindestens ebenso viele österreichische Unternehmen bzw. Unternehmenszusammen- schlüsse, Körperschaften und Vereine bei EU-Fördermittelanträgen aus Interreg-, Regio, Leader und anderen Programmen in Österreich bzw. grenzüberschreitend.

In welchen Bereichen bestanden bei den einzelnen Projekten die größten Hindernisse und wie könnten diese beseitigt werden?

In der „Moderation“ zwischen allen Beteiligten, dass heißt,. es war und ist in jedem einzelnen Fall eine echte Herausforderung, die Erwartungshaltungen der nationalen Antrags-Einreichungsstelle (die umfangreichen Projektunterlagen sind prinzipiell in der jeweiligen Landessprache im Zielland einzubringen), der österreichischen Unternehmenszentrale, deren Mitarbeitern im Zielland und den unumstößlichen EU-Regularien aufeinander abzustimmen. Dabei kämpften unsere nationalen Mitarbeiter in Tschechien und Rumänien oft auch mit den sehr unterschiedlichen „human ressources“ der Antragssteller vor Ort. So galt es Technikern kaufmännische Gegebenheiten und Wissenschaftern bürokratische Vorgaben begreifbar zu machen - und das Ganze vor mitunter hemdsärmeligen“ Vorgaben von Eigentümern, die schließlich aus einem Nettozahlerland kommend, einen „Anspruch“ voraussetzten.

Mit welcher Art von Projekten haben heimische Firmen die besten Chancen, in den neuen Mitgliedsstaaten an EU-Fördermittel heranzukommen?

In Tschechien beispielsweise ganz konkret mit klassischen Innovations-Investitionen (z. B. Patent-Nutzungen; Zusammenarbeit mit und Umsetzung von Forschungseinrichtungen, Automatisierungen etc.). In Rumänien betreuen wir sehr erfolgreich Investition in die Produktionsumsetzung von EU-Normen (z. B. Sicherheitsgurte für Autobusse), aber auch Tourismus-Investitionen in nachhaltiger Regionalausformung (etwa Unterbringungsinvestitionen in ländlichen Gebieten in Kombination mit landwirtschaftlichen Sonderformen wie Spezialtierzüchtungen, Jagdprojekten, aber auch Weinbau)

Hätten Ihrer Ansicht noch mehr heimische Unternehmen die bestehenden Chancen im Osten nutzen können?

Ja, gerade in Zusammenhang mit fundierten Gesamtfinanzierungskonzeptionen waren und sind die Chancen sehr erfolgversprechend.

Warum sind manche Unternehmen beim Schritt in neue Märkte zögerlich?

Weil sehr häufig die Hauptvertrauenshürde „Managementressourcen“ und eigene, unternehmerische Erfahrungen im Zusammenhang mit nationalen Gegebenheiten bis hin zur Sprachbarriere besondere und durchaus angebrachte Vorsicht erfordern.

Ist die Kritik von Firmenseite berechtigt, dass die Abwicklung von EU-Förderprogrammen zu aufwändig und zu bürokratisch ist?

Grundsätzlich ja, wobei dies in den jeweiligen Zielmärkten dadurch verstärkt wurde, dass insbesondere auch den Beamten der nationalen Antragsstellen (inklusive den Entscheidungsgremien) einfach die entsprechende Erfahrung fehlte und Unsicherheiten durch besonderes Paragrafenreiten kompensiert wurden. Es hat sich hier gerade in den letzten zwei Jahren in Tschechien sehr viel verbessert. Dass aber insgesamt strenge Regeln und deren Einhaltung kontrolliert werden müssen, zeigt gerade in Rumänien eine latente Korruption.

Treten die Unternehmen in der Regel über Empfehlung der Wirtschaftskammer OÖ an Sie heran und verfügen Sie über Kooperationspartner in den jeweiligen EU-Staaten?

Der weitaus größte Teil von Neukontakten erfolgt über Empfehlungen bestehender Klienten, aber auch aus Kontakten aus meiner Vortrags- und Publikationstätigkeit bzw. aus Netzwerkpflege (dazu zählt auch das Fördernetzwerk EU+ der Wirtschaftskammer OÖ und des Landes OÖ). In den jeweiligen EU-Staaten verfügen wir über ausgezeichnete Kooperationsnetzwerkpartner. So bin ich persönlich seit 1990 ein Mal pro Woche in Südböhmen und besuche auch regelmäßig unser Büro in Klausenburg/Nordrumänien. Den wesentlichsten Erfolgsfaktor vor Ort bildet aber unser bestens qualifiziertes und erfahrenes Personal. Unsere Führungskräfte vor Ort sind seit Beginn weg ohne Unterbrechung bei uns.

Die aktuelle EU-Förderperiode läuft 2013 ab. Sind die EU-Fördertöpfe noch ausreichend dotiert?

Derzeit schon noch, deshalb ist gerade das laufende Jahr 2011 ideal für Antragstellungen. Im Herbst werden in den wichtigen Programmen im Bereich Innovationen entscheidende „Antrag-Termin-Fenster“ geöffnet, sodass jetzt der Beginn der Vorbereitungen dafür gerade rechtzeitig ist.

Welche Veränderungen erwarten Sie in der kommenden Förderperiode ab 2013 bzw. worauf müssen sich die heimischen Unternehmen einstellen?

Die Qualitätskriterien im Bereich Innovation werden weiter steigen, ebenso werden überbetriebliche Zusammenarbeit (z. B. Cluster) auch regionale, vor allem aber auch grenzüberschreitende Verknüpfungen gefordert und gefördert werden. Gerade hier empfehlen wir uns als Berater, die sich beim „Blick über den eigenen Kirchturm hinaus“ innovativ einbringen. Die EU-Politik und EU-Administration wird gemeinsam fixierte Schwerpunkte noch mehr ins Förderregelwerk einbinden: Mit dem wichtigen Schwerpunkt der kommenden Periode, dem Donauraum werden wir gute, neue Chancen vorfinden!



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