Streit um die Energiebesteuerung in Europa
Für die EU-Kommission ist es ein klarer Fall: Die Steuern auf Energie sollen künftig grüner, effizienter und gerechter werden. Für die EU-Kommission ist es ein klarer Fall: Die Steuern auf Energie sollen künftig grüner, effizienter und gerechter werden. „Bisher war die Besteuerung von Energie für die Mitgliedsstaaten nur ein Mittel, Einnahmen zu generieren“, betont EU-Steuerkommissar Algirdas Šemeta. „Ich glaube, dass die Besteuerung von Energie den Mitgliedsstaaten und der EU als Ganzes helfen könnte, die Energie- und Klimaschutzziele zu erreichen und gleichzeitig sicher stellen würde, dass der Binnenmarkt richtig funktioniert.“

Bild: Europ. Union
Mitgliedsstaaten meutern
Der lautstarke Protest aus den Mitgliedsstaaten könnte den Vorschlag komplett zu Fall bringen. Die Richtlinie muss von den Mitgliedsstaaten einstimmig angenommen werden, da bei Steuerthemen jedes Land ein Veto hat. Ein mögliches Szenario wäre auch, dass die Vorschläge im weiteren Brüsseler Gesetzgebungsverfahren noch erheblich verändert werden.
Bisher ist vorgesehen, dass die Mindeststeuer auf Energiequellen zwei Komponenten enthält. Einmal einen Anteil, der die CO2-Emissionen widerspiegelt und einen weiteren Anteil, der sich am Energieanteil orientiert. Biosprit, der bisher in den Mitgliedsstaaten teilweise noch sehr hoch besteuert wird, würde dann billiger. Diesel, dessen Energieanteil höher liegt als der von Benzin für Ottomotoren, würde sich unter Umständen verteuern. Die EU-Kommission argumentiert, dass die Energiebesteuerung durch die Änderungen sehr viel logischer würde.
Bild: Frank Zunker / aboutpixel.de
In Deutschland, wo die Automobilhersteller viel Geld in die Entwicklung von Diesel-Technologie investiert haben, ist die Branche entsetzt über die Aussicht, Diesel könnte teurer werden. Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie prognostiziert bereits, dass sich nicht nur der private Verkehr, sondern auch der Transport von Waren verteuern könnte.
Großbritannien, das bisher Benzin und Diesel schon sehr hoch besteuert (0,6795 Euro pro Liter), verbittet sich grundsätzlich jede Einmischung in Steuerangelegenheiten. Aus demselben Grund lehnt auch Irland den Brüsseler Vorschlag ab. Luxemburg besteuert Benzin und Diesel niedrig (0,4620 bzw. 0,3200 Euro pro Liter) und lockt dadurch bisher viele Autofahrer aus den benachbarten Staaten über die Grenze. Diesen Tanktourismus würde die Richtlinie beenden. Auch Frankreich zeigt sich gegenüber dem Vorschlag der Kommission skeptisch, weil es den Unmut der Lastwagenfahrer fürchtet.
Auf deutsches Betreiben hin, wurden die Fristen in dem Richtlinienentwurf schon gestreckt. Der deutsche Energiekommissar Günter Oettinger hatte sich dafür stark gemacht, die Frist für die vollständige Umsetzung der Richtlinie um drei Jahre auf das Jahr 2023 nach hinten zu schieben.
Widersprüchliche Ausnahmen
Umweltschützer haben den Vorschlag der EU-Kommission im Prinzip begrüßt, weil die Besteuerung der Energie in den vergangenen 20 Jahren real zurückgegangen ist. Ein Anstieg sei notwendig, um Verbrauchern einen Anreiz zu geben, auf öffentliche Verkehrsmittel und umweltfreundlichere Autos umzusteigen, betont etwa Jos Dings, Direktor der Umweltschutzgruppe Transport & Environment (T&E). Dings kritisierte allerdings, dass die Richtlinie zahlreiche Ausnahmen zuließe. So blieben Kerosin für die Luftfahrt und Brennstoff für Schiffe weiterhin unbesteuert. Die EU-Kommission hält an ihrem Verbot für eine Steuer in diesem Bereich fest.
Die vielen Ausnahmen in der Richtlinie liefern den Gegnern Munition, weil sie dem Anspruch widersprechen, die Energiebesteuerung logisch und fair zu machen. Neun osteuropäische EU-Mitglieder etwa sind von der Anpassung bei Diesel ausgenommen. „Das hat man gemacht, um sich deren Zustimmung zu erkaufen“, mutmaßt ein Lobbyist der Automobilbranche in Brüssel.
Silke Wettach / Brüssel


















Kommentar hinzufügen