Samstag 29. November 2014, 03:12

Reportagen

Stift Hohenfurth: Vom verfallenden Baujuwel zum Besuchermagneten

Spenden von oberösterreichischen Firmen und Gönnern sowie Förderungen der EU ist es zu verdanken, dass aus dem verfallenen Zisterzienserkloster Hohenfurth in Südböhmen ein Besuchermagnet geworden ist, der 2013 einer von vier Schauplätzen einer grenzüberschreitenden Landesausstellung sein wird.

Zisterzienserkloster Hohenfurth in Südböhmen
Zisterzienserkloster Hohenfurth in Südböhmen
Bild: zamky-hrady.cz
„Die Renovierung des verwüsteten Klosters durch zwei frühere Konventsmitglieder im Jahr 1990 startete unter ärmlichsten Bedingungen“, erinnert sich Klaus Zerbs, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung des Zisterzienserstiftes Hohenfurth. 40 Jahre lang war das im Frühmittelalter gegründete Kloster, das mit dem Zawisch-Kreuz eines der weltweit wertvollsten kirchlichen Kunstschätze beherbergt, dem Verfall preisgegeben. Zudem gingen dem Stift im Zuge der Schließung durch die kommunistische Regierung der damaligen Tschechoslowakei sämtliche Einkommensquellen wie vor allem die 5000 Hektar landwirtschaftlicher Grund verloren.

Der Zufall wollte es, dass der neue Abt des Stiftes 2001 in der südböhmischen Kirche St. Toma, deren Renovierung Zerbs in den 90er Jahren federführend leitete, eine Messe zelebrierte. Bei dieser Gelegenheit fragte er den Oberösterreicher, ob sich auch ein Engagement beim Zisterzienserkloster vorstellen könne. „Ich bin damals gerade als Wirtschaftspolitiker bei der Wirtschaftskammer OÖ in Pension gegangen und habe überlegt, was ich tun kann. Dann habe ich beschlossen, gemeinsam mit dem Abt und dem Prior dieses Anliegen Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer vorzutragen. Der Landeshauptmann erkannte sofort, dass das Stift Hohenfurth neben dem Lipno-Stausee eine wichtige Ergänzung für den Tourismus im Mühlviertel darstellt und sagte uns seine Unterstützung zu“, erläutert Zerbs.

Potente Firmen als Basis für Verein

Ein Jahr später erfolgte die Gründung des Fördervereins mit Sitz in Puchenau bei Linz, dem mittlerweile 46 Mitglieder, davon 22 namhafte Firmen wie etwa die Energie AG OÖ und die Oberbank sowie 24 Personen aus insgesamt fünf Ländern angehören. Ab 2003 führte der Verein die von den Mönchen begonnene Renovierungstätigkeit weiter brachte bis dato mehr als 450.000 Euro – darunter 66.300 Euro Fördermittel der EU – für eine Vielzahl von Projekten auf. Der Großteil des Geldes floss in das neue Besucherzentrum und in die Gestaltung des großen Stiftshofes, was sich in steigenden Besucherzahlen niederschlug. So statten mittlerweile mehr als 30.000 Touristen pro Jahr dem Baujuwel aus dem 13. Jahrhundert und seinen vielen Sehenswürdigkeiten wie der Gemäldegalerie oder der historischen Bibliothek einen Besuch ab.

Schub durch Landesausstellung erwartet

Im kommenden Jahr könnten es an die 100.000 Besucher sein, ist doch das Stift Hohenfurth neben der Weltkulturerbe-Stadt Krumau auf tschechischer Seite und Bad Leonfelden sowie Freistadt auf oberösterreichischer Seite Schauplatz der grenzüberschreitenden Landesausstellung „Alte Spuren – neue Wege“. Auf die Besucher warten neben dem berühmten Zawisch-Kreuz unter anderem die Marienkapelle mit der „Hohenfurther Madonna“, der Lanna-Altar und eine Statuen- und Plastikengalerie.

Ein wichtiger Schritt im Zuge der Renovierung war die im heurigen Jahr erfolgte Eröffnung des stiftseigenen Wasserkraftwerkes. Mit dem Verkauf des erzeugten Stromes hat sich den mittlerweile sieben Mönchen in Hohenfurth eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen. Für Zerbs sind die Arbeiten aber noch längst nicht abgeschlossen. So fließen derzeit weitere knapp 96.000 Euro in diverse Projekte wie die Renovierung des Abteihofes. „Alle Projekte stehen zwar im Zusammenhang mit der Landesausstellung, sind aber nachhaltig“, so Zerbs.




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