Steuern und Streiks bremsen potenzielle Wachstumsbranche
Die Tourismusbranche hat das Potenzial, die Wirtschaft in den insolvenzgefährdeten Euro-Ländern zu beleben. Doch neue Steuern, Bürokratie und Streiks schrecken inzwischen mehr und mehr Urlauber ab. Die auf Druck von EU, EZB und IWF umgesetzten Sanierungsmaßnahmen erweisen sich nicht nur in diesem Sektor als kontraproduktiv.

Bild: pixelio.de
Tourismus als mittelfristige Chance
Dennoch: Wann immer über eine Art Marshallplan für die insolvenzbedrohten Euro-Länder Griechenland, Spanien und Portugal diskutiert wird, spielt der Ausbau des Tourismus eine wichtige Rolle. Das kann freilich kaum überraschen, denn vor allem in Griechenland und Portugal gibt es nur wenige alternative Branchen mit endogenem Wirtschaftspotenzial. Zudem ließe sich der Tourismussektor relativ kurzfristig und mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand ausbauen. Zwar würde dies die in Portugal und Griechenland ohnehin schon vorhandene Monostruktur weiter verstärken. So weist zum Beispiel Portugal eine deutlich geringere Staatsverschuldung auf als Griechenland. Das Hauptproblem des Landes ist nämlich die rückständige Industriestruktur. Tatsächlich hat die Volkswirtschaft außer Tourismus nicht viel zu bieten. Doch der Aufbau einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur wird viele Jahre erfordern und sehr teuer werden – bei ungewissem Erfolg. Das Tourismus-Geschäft indessen lässt sich schon kurz- bis mittelfristig beleben.
Allerdings sieht es derzeit nicht danach aus, als könnten die Regierungen diese Chance wirklich nutzen. Die Umsetzung der harten Maßnahmen zur Budgetsanierung und deren Folgen drohen die letzte Branche mit Wachstumspotenzial abzuwürgen. Griechenland spürt die Konsequenzen bereits: Zwischen Januar und November 2011 kamen 12,5 Prozent weniger deutsche Urlauber nach Hellas, berichtete jetzt die griechische Zentralbank in Athen. Die wachsende Zahl konsumfreudiger Urlauber aus Russland konnte diesen Rückgang zwar zum großen Teil ausgleichen, dennoch ist unverkennbar: Die Schuldenkrise hat auch die Tourismus-Branche eingeholt. Steuern und Streiks schrecken potenzielle Urlauber ab.
Griechisches Steuerchaos
In Griechenland brach bereits im vergangenen Herbst das Chaos aus, nachdem die Regierung die Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 13 auf 23 Prozent erhöht hatte. Allerdings wurde für bestimmte Lebensmittel der ermäßigte Steuersatz von 13 Prozent beibehalten. Dies führt zu dem paradoxen Zustand, dass für Mineralwasser ohne Kohlensäure nur 13 Prozent bezahlt werden muss, für ein Wasser mit Kohlensäure werden hingegen 23 Prozent fällig. Wer eine Blätterteigpastete mit Käsefüllung verzehren möchte, muss 23 Prozent berappen, die gleiche Pastete mit Pudding ist nur mit 13 Prozent belastet.
Auch in Spanien dreht man an der Steuerschraube: Nach der aus Sicht der Tourismusmanager positiven Saison 2011 kam die Regierung Kataloniens in Barcelona auf die Idee, eine Touristensteuer zwischen einem und drei Euro pro Besucher und Tag zu erheben. Der Reiseveranstalter Thomas Cook reagierte prompt und drohte, seinen Gästen künftig verstärkt alternative Reiseziele anzubieten. Es sei denn, die Hoteliers übernähmen diese Steuer. Im benachbarten Portugal schließlich wurde die Mehrwertsteuer für viele Waren und Dienstleistungen auf 23 Prozent erhöht.
Insolvenzwelle nach Euro-Austritt?
Neben steigenden Steuern belasten die Streiks das Image der Ferienländer in Südeuropa. In den vergangenen Tagen kam es gleich in Spanien, Portugal und Italien zu umfassenden Arbeitsniederlegungen mit erheblichen Störungen des öffentlichen Lebens. In den insolvenzgefährdeten Euro-Staaten regt sich immer heftigerer Widerstand gegen die rigiden Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen. Was als Sanierungsmaßnahme gedacht ist, könnte sich als Brandbeschleuniger erweisen. Die betroffenen Staaten befinden sich in einem klassischen Circulus vitiosus.
Sogar ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, gegen den sich führende Reiseveranstalter schon einmal absicherten, hätte ambivalente Folgen. Die absehbare massive Abwertung der wiedereingeführten Drachme würde zwar einerseits den Griechenland-Urlaub für Touristen aus der Euro-Zone billiger machen. Andererseits beglichen die Reisekonzerne die Rechnungen nicht mehr in Euro, sondern in der neuen schwachen Landeswährung. Außerdem ist davon auszugehen, dass viele Hotel-Neubauten mit Euro-Krediten finanziert wurden, was bei einer Rückkehr zur Drachme zu einer stark steigenden Schuldenlast mit akuter Insolvenzgefahr führen könnte. Alles in allem nicht eben sonnige Aussichten für die Branche.


















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