Samstag 25. Mai 2013, 23:59

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Sparen macht arm! Was haben Sie gedacht?

Wer fleißig spart, unterstützt die Schuldenpolitik seiner Regierung, ohne davon persönlich zu profitieren. Schuld daran sind negative Sparzinsen - der berühmte Zinseszinseffekt existiert nur in den Phantasien älterer Mathematiklehrer oder kapitalismuskritischer Geschichten.

Sparen macht arm!
Sparen macht arm!
Bild: Thorben Wengert/pixelio.de
Was schlug man doch auf Banken ein: Sie würden mit den Anleihen brustschwacher Euroländer spekulieren, oder als einzige von Rettungsschirmen profitieren. Populismus anno 1873. In Wahrheit haben Europas Regierungen 40 Jahre lang unvorstellbare Schuldentürme aufgehäuft, um den Lebensstandard von 75% ihrer Bürger (und damit einer signifikanten Wahlmehrheit) künstlich anzuheben. In Ländern wie Österreich gibt es nur mehr etwa 1,9 Millionen Bürger, die mehr Geld ins Sozialsystem einbezahlen, als sie in Form von Leistungen beziehen. Bei 6,4 Millionen ist es umgekehrt. Somit erhält ein Outperformer vier andere.

Wahrheiten, die weh tun

In Wahrheit hatte der Beitritt europäischer Mittelmeerstaaten zum Euro eine sofortige Verbilligung ihrer Schuldendienste zur Folge – flugs wurde in 10 Jahren nachgeholt, wofür Westeuropa 40 Jahre brauchte. Griechische Pensionen verdreifachten sich in 15 Jahren, Eisenbahnschaffner, die in den 1980ern noch 250 Euro monatlich bekamen, gehen heute mit 65.000 Euro im Jahr nach Hause.

Europas Schuldentürme kamen erst ins Wanken, als Amerikas Schuldentürme auf jene Europas kippten. Sie waren per Mausklick von der (staatlichen) FED erschaffen, um den Lebensstandard ihrer Mittelschicht zu pushen.

In Wahrheit druckte Europas (staatliche) EZB heute per Mausklick bis zu 1.000 Milliarden Euro Buchgeld, um es zum symbolischen Leitzins von nur einem Prozent europäischen Kommerzbanken zu leihen, damit diese damit die Anleihen südeuropäischer Länder ankaufen. Damit verbilligt sich deren Schuldendienst wieder (nachdem der böse Markt deren Anleihezinsen auf Vor-Euro-Niveau verteuert hatte), und seinen Politiker steht auch in Zukunft wieder Potential für Wahlgeschenke zur Verfügung.

Wer bezahlt die Rechnung?

Ist es der vielbeschworene „Kleine Mann“? Oder die „schrumpfendemittelschicht“? Oder gar der Millionär? - Nein, es ist der Sparer. Er spart – und er verarmt dabei. Denn er kann die Inflation nicht schlagen. Sein Alter: Meistens über 40. Besonders anfällig fürs Sparen wird er, so er über 50 ist und seine Kinder „draußen“ sind. Ihm fehlt betriebswirtschaftliches Wissen (, was in Österreich fast alle trifft), er spart auf Kapitalsparbüchern und legt Anleihen solider Staaten ins Portfolio.

Denn er glaubt an den Zinseszinseffekt. Von diesem hat man ihm schon im Mathematikunterricht erzählt. Und der Religionslehrer hat mit dem Zinseszinseffekt bewiesen, dass Kapitalismus gar nicht funktionieren kann: Hätte man zu Zeiten Jesu nur einen einzigen Euro bei der Raiffeisenkasse Jerusalem deponiert, dann wäre dieser bei „nur“ 3% Zinsen jährlich heute auf die unvorstellbare Summe von 47,255.178,755.828,605.388,683.227 angewachsen.

Der Zinseszinseffekt ist eine Mär

Flugs und frei nimmt man da 3% Verzinsung an – doch hat es die in 2000 Jahren seit der Antike in nur einigen wenigen Ausnahmejahren gegeben. Von Christi Geburt an bis ins Mittelalter (um 1000) war das Wirtschaftswachstum negativ, es lag -0,01 Prozent (The World Economy, Angus Maddisson, OECD 2006). Die Verzinsung von Sparguthaben (so es sie überhaupt gegeben hätte), wäre bei Minus einem Prozent („-1%“) gelegen. Erst um 1500 begann zaghaftes Wachstum und selbst von 1000 bis ins Jahr 1820 war das Welt-BIP nur um 0,34% im Jahr gewachsen. Der Pächter des Arlberger „Hospizes“ bezahlte 1667 immerhin 36 Gulden pro Jahr. Genau so viel wie 1517 – 150 Jahre vorher. Nur in der kurzen Zeitspanne von 1820 bis heute waren es durchschnittlich 2,13% Wachstum im Jahr. Aber nur in wenigen Jahren übertrafen Sparbuchzinsen auch die Inflation. Reale Sparbuchzinsen (also Zinsertrag minus Inflation) gab es in Argentinien seit dem zweiten Weltkrieg etwa überhaupt in nur einem einzigen Jahr, und selbst in Großbritannien war dies nur in jedem zweiten Jahr der Fall gewesen (Presse, 23.3.2012).
Berücksichtigt man also realistische Wachstumszahlen, dann ergibt ein Euro, der im Jahre 30 n. Chr. für 0,03 Prozent Verzinsung auf ein Sparbuch eingezahlt wurde, nach gut 2000 Jahren einen Betrag von gut 400 Euro. Und den Betrag stemmt selbst die Raika Müllendorf.

Warum geben uns Banken oder Staaten nicht mehr Zinsen?

 Für 5.000 Euro auf 12 Monate gibt es bei ...Wer heute sein Geld aufs Sparbuch legt, wird mit Peanuts abgespeist (siehe unten). Und selbst für Anleihen bekommt man beträchtlich weniger als die Inflation. Die Raiffeisenkasse Altenmarkt bezahlt auf Sparguthaben von 5.000 Euro immerhin noch 1,3% Prozent - bei 3,6 % Inflation relativieren sich diese aber schnell. In Japan erhalten Sparer 0,05 Prozent im Jahr, wer Staatsanleihen hat, immerhin das doppelte …0,1 Prozent.
Warum gibt man uns nicht mehr? Gegenfrage: Was wäre Ihnen die vierte Leberkäsesemmel wert, wenn Sie schon drei (um jeweils 2 Euro) verspeist und somit keinen Hunger mehr hätten? Nur mehr einen Euro? Würden Sie sie für 10 Cent ankaufen? – Nein. Denn Sie sind satt.

Und so geht es auch den Banken. Sie schwimmen geradezu in Liquidität. Über 40 Jahre lang hatte man in Europa Geld gedruckt und als Sozialleistung unters Volk gebracht, über 20 Jahre taten dies die Amerikaner über die Privatverschulung. Alleine die Fed dürfte in den letzten Jahren 14.000 Milliarden Dollar Geld gedruckt haben, ähnlich viel haben auch Europas Staaten aufgenommen. Auf gut Deutsch: Die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten 10 Jahren mit Geld Geld zu verdienen, geht gegen Null. Wer auf Nummer Sicher geht, hat längst in Grund und Boden investiert. Und wer zu leben weiß, hat es verjuxt.

Die Erkenntnis Keynes, „In the long run we are all dead“ (Langfristig sind wir alle tot), erinnert an die schmerzliche Tatsache, dass wir am Ende einmal alles zurücklassen werden müssen. Nicht einmal das Auto können wir nach oben nehmen. Warum sich also die Zeit bis dahin nicht besonders süß gestalten – mit einem aufgelösten Sparbuch?

 

 


 




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