Mittwoch 26. Juli 2017, 10:57

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Sozialistisches Frankreich: Rette sich, wer kann!

Egal, wer nächster Präsident wird - ökonomisch bleibt der Kurs auf „Chaos“. Streiks und Arbeitslosigkeit steigen weiter, und selbst ein Mini-BIP-Wachstum muss mit Schulden-Orgien erkauft werden. Währenddessen hetzen die Pariser Eliten weiter gegen Reiche (Unternehmer).

Heute hat Frankreich alles das, was keiner will: Steuerrekord, Arbeitslosenrekord, Schuldenrekord.
Heute hat Frankreich alles das, was keiner will: Steuerrekord, Arbeitslosenrekord, Schuldenrekord.
Bild: © EU-Infothek

Bei der Bekämpfung des Kapitalismus stehen Frankreichs marxistische Unis (Soziologie, Politologie, Philosophie) an vorderster Front – bei technischen Innovationen eher hinten. Die Löhne in der „Grande Nation“ sind mini, die Lebenshaltungskosten hoch – die Schuldenberge explodieren.

Was in Mitteleuropa erst seit den 1970ern üblich ist – bürgerliche Professoren durch linke zu ersetzen, bzw. die Sozial- auf Kosten der Naturwissenschaften zu fördern – war in der Grande Nation schon 1920 Standard. Diese Eliten dominieren heute Schulen, Unis, Medien und Politik. Und selbst die kleinste politische Veränderung muss von den allmächtigen Gewerkschaften abgesegnet werden.

Abstieg zur „Petite Nation“

Frankreich war immer schon „speziell“. Tägliche Schimpftiraden über Bosse oder den (imaginär allgegenwärtigen) Neo-Liberalismus gehören zum guten Ton. Im Garten bei Baguette und Rotwein – wo man sich vom Bummelstreik erholt und vom Pensionsantritt mit 56 Jahren schwärmt. Ökonomisch begann der Sinkflug mit der 35-Stundenwoche ab dem Jahr 2000. Ohne Job waren:

2000:   8,6 Prozent
2005:   8,9 Prozent
2010:   9,3 Prozent
2015: 10,4 Prozent

Denn es waren nur die Wochenstunden gekürzt worden, nicht aber die Löhne. Damit explodierten die Arbeitskosten pro Stunde über Nacht um elf Prozent!  Hunderttausende wenig produktiver Stellen (etwa bei schlecht laufenden Kaffeehäusern, Tante-Emma-Läden oder Handwerkern) gingen lautlos über Nacht verloren. Industriebetriebe mit knapp kalkulierten Massenprodukten konnten nicht mehr profitabel produzieren – sie machten dicht oder flüchteten ins Ausland (die Autoindustrie etwa nach Marokko, Slowenien und Rumänien). Dagegen halfen weder Gewerkschafter-Spruchbänder „gegen Raubtier-Kapitalismus“ noch öffentlich bejubelte Manager-Entführungen.

Schulden-Fiasko

Die einzigen Jobs, die sich vermehrten (weil sie nicht abwandern konnten), waren die beim Staat. Die produzieren aber weder Wohlstand noch Steuern – sondern verbrauchen sie. Und sie ließen die Staatsausgaben explodieren. Weil man die hohen Steuern dafür aber nicht noch weiter erhöhen konnte, nahm man immer neue Schulden auf (ohne die alten abzustottern). Am BIP bemessen betrugen die Schulden:

2000: 58,7 Prozent
2005: 67,2 Prozent
2010: 81,7 Prozent
2016: 98,0 Prozent

Heute hat Frankreich alles das, was keiner will: Steuerrekord, Arbeitslosenrekord, Schuldenrekord – und die sozial aggressivste Stimmung, die sich ein Investor nur vorstellen kann.

Industrie? Abgehängt.

Die 35-Stunden-Woche hat Frankreichs Industrie ruiniert. Schuf sie vorher noch 22 Prozent des BIPs, sind es heute 18. Mit den Industriejobs ging die Mitte der Gesellschaft: Die Kluft zwischen Arm und Reich wuchs. Was ausgerechnet jene Sozio-, Öko- und Kirchen-NGOs aufheulen ließ, die die 35-Stunden-Woche einst durchgeboxt hatten.

Das Deutsche Institut der Wirtschaft schrieb zum abgehängten Frankreich: „Zwischen 2001 und 2010 gingen in Frankreich (...) fast alle Wirtschaftssektoren stark zurück (zum Beispiel EDV minus 46 %), während sie in Deutschland stark anstiegen (EDV plus 18 %).“

Dass ein ersehnter Produktivitätsfortschritt die Stundenabsenkung finanzieren würde, hatte sich nicht bewahrheitet. Die Bürger arbeiteten weniger in den Fabriken und Büros, und so wurde auch weniger produziert. Die Gewinne der Firmen sanken (damit auch deren Steuerleistungen). Um nicht in Konkurs zu gehen, sahen sich viele Firmen gezwungen, die Bänder schneller zu stellen und die Anforderungen zu erhöhen.

Im Endeffekt verschärfte die 35-Stunden-Woche Arbeitsdruck und -tempo und führte zu spektakulären Selbstmordserien (wie bei der France Télécom). Der Mob und seine Presse schoben es einem außer Rand und Band geratenen Kapitalismus in die Schuhe – dabei stammten die Übeltäter von der sozialistischen Gegenseite.

Zu Tode gestreikt

Frankreichs Ruf als Investitionsstandort ist so nachhaltig ruiniert, dass zukunftsfähige Firmen einen großen Bogen um das „Nicht-Arbeiter-Paradies“ machen. Nirgendwo wird heute weniger gearbeitet (1.604 Jahresstunden in Paris, 1.678 in Wien, 1.769 in Berlin, 1.847 in New York, 1.912 in Zürich) [1]. Nirgendwo wird mehr gestreikt: 150 Streiktage (pro 1.000 Mitarbeiter) in Frankreich (178 in der Industrie)! Aber nur 27 in Deutschland (minus 90 Prozent) und ganze zwei in Österreich (minus 99 %) [2].

Die Streik- (Un-) Kultur Frankreichs ruiniert das beste Geschäftsmodell. Unvorhersehbare Bummelstreiks an lauen Sommertagen oder zu Beginn der Arbeitswoche lassen große Kunden abspringen – und sind für die zweifelhafte Qualität vieler Produkte „Made in France“ verantwortlich.

Keine Luft zum Leben

Jeder vierte Franzose arbeitet heute beim Staat. Das kostet! Fast 63 Prozent Steuern mutet Frankreichs Sozialismus seinen Betrieben deshalb zu – in der gesamten EU ist das nur noch in Italien schlimmer. Und fordert die höchsten Lohnnebenkosten. Zum Bruttolohn von 100 Euro muss der französische Boss noch 47 Euro dazulegen, in Österreich sind es 37 Euro, in Deutschland aber nur 27 [3]. Wer kann es Betrieben (oder Leistungsträgern) verdenken, wenn sie gehen? 

Nein, am Niedergang Frankreichs hat niemand anders Schuld als die Franzosen selber. Sie wählen am liebsten sozialistische Parteien in den Élysée-Palast. Diese sollen ihnen ein angenehmes Leben garantieren: 20 Semester Soziologie auf einer staatlichen Fakultät, dann ein paar Jahre in irgendeiner Behörde herunterbiegen (bei 35 Wochenstunden, versteht sich) – und mit 56 in die unverdiente Frühpension.

Besserung ist nicht in Sicht. Die „Grande Nation“ ist bei vielen Zukunftsfragen klein. Kommt es erst ins Krachen, wird das für Deutschland teuer. Euro-Crash nicht ausgeschlossen, Euro-Anleihen (zur Finanzierung französischer Sozialausgaben – von Deutschland verbürgt) sind da nur der erste Schritt. Der schneller kommen wird, als viele hoffen.




[1] „Preis und Löhne – Edition 2015, UBS

[2] „Streiktage im Europa-Vergleich“, www.datawrapper.de, abgerufen am 28.4.2017

[3] Warum Arbeit in Frankreich mehr kostet als bei uns, FAZ, 12.5.2014

 




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