Samstag 25. Mai 2013, 05:18

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Schuldenkrise bringt Nobelticker nicht aus dem Takt

Die europäische Uhrenindustrie verzeichnete 2012 ein neues Rekordjahr. Nobelticker sind mittlerweile zunehmend auch als alternative Form der Kapitalanlage gefragt. Davon profitieren vor allem die Hersteller in der Schweiz und im deutschen Glashütte. Während die bislang starke Nachfrage aus China derzeit schwächelt, investieren die Europäer und Amerikaner verstärkt in Luxusuhren.

Schuldenkrise bringt Nobelticker nicht aus dem Takt
Schuldenkrise bringt Nobelticker nicht aus dem Takt
Bild: Kigoo Images/PIXELIO/©www.pixelio.de
Schuldenkrise in Südeuropa? Die trifft offenkundig nicht alle. Völlig überrascht, dafür um so glücklicher kehrte vor einigen Wochen ein deutscher Uhrenhändler von einer großen Publikumsmesse für historische Zeitmesser zurück. Vor allem seine Vintage-Uhren waren gefragt. „Im Gegensatz zu früher begannen die meisten Käufer erst gar nicht, um den Preis zu feilschen“, wundert sich der Händler. Stattdessen hörte er immer nur einen Satz: „Give me Rolex, give me Rolex!“. Und die meisten Käufer kamen nicht etwa aus China, sondern aus Italien.

Völlig unbeeindruckt von Euro-Krise und Rezessionsgefahren boomt die Uhrenbranche. Davon profitieren neue Zeitmesser ebenso wie die bei Sammlern begehrten Vintage-Modelle. Von Januar bis Ende November 2012 exportierten die Schweizer Hersteller Uhren in einem Gesamtwert von rund 16,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus gegenüber dem Vorjahr von 12,6 Prozent. Selbst die optimistischsten Analysten hatten lediglich mit einem Zuwachs von maximal neun Prozent gerechnet.

Nachfrage robuster als vermutet

Der Goldpreis stieg im Jahr 2012 nur mäßig, die Preise für Diamanten und hochwertige Bordeaux-Weine gaben in den vergangenen Monaten sogar deutlich nach. Doch die Preise für Nobeluhren steigen weiter. Was freilich nicht überraschen kann, schließlich ist die Nachfrage robuster als vielfach angenommen wurde. Tatsächlich gehörte die Uhrenindustrie im Jahr 2012 zu den erfolgreichsten Branchen in Europa. Dies kam in erster Linie natürlich den  großen Hersteller in der Schweiz sowie ihren rund 1000 dortigen Zulieferern zugute. Doch auch die Top-Marken im deutschen Glashütte (Sachsen) dürften mit der Entwicklung in den vergangenen Monaten vollauf zufrieden sein.

Sogar auf Österreich, das in Sachen zeitgenössischer Luxus-Zeitmesser ansonsten keine Rolle spielt, fiel ein wenig vom Uhrenglamour ab: Die kleine Manufaktur Habring² in Völkermarkt  erhielt als erster Hersteller außerhalb der Schweiz rechtzeitig vor der Viennatime im November den Grand Prix d’Horlogerie (GPHG), der in der Branche gleichsam als „Uhren-Oscar“ gilt. Damit knüpft die Kärntner Manufaktur an die große österreichische Uhrmachertradition an. Immerhin war es der aus der Steiermark stammende geniale Uhrmachermeister Joseph Thaddäus Winnerl, der den Vorläufer des heutigen Chronographen entwickelte.

Dass 2012 ein sehr gutes Jahr für die Uhrenindustrie werden könnte, hatte sich bereits im Frühjahr auf der weltweit führenden Messe Baselworld abgezeichnet. Immerhin gelten Nobelticker mittlerweile nicht nur als Zeitmesser, Schmuck und Statussymbol, sondern in zunehmendem Maße als alternative Form der Kapitalanlage. Doch die ungewisse wirtschaftliche Situation in China bremste die Euphorie der Branche zunächst etwas. In den vergangenen Jahren waren es vor allem die Chinesen, die den großen Luxusgüterkonzernen wie Richemont, Swatch Group und die französische LVMH-Gruppe sowie den unabhängigen Herstellern wie zum Beispiel Patek Philippe, Rolex und Audemars Piguet hervorragende Umsatzzahlen bescherten. Hongkong gilt mittlerweile als der größte Markt für Schweizer Uhren weltweit. Und seriösen Schätzungen zufolge, wird jede vierte Luxusuhr an einen chinesischen Kunden verkauft. Damit belegt das Reich der Mitte bei der Nachfrage nach Nobeltickern unangefochten Rang eins im internationalen Vergleich.

Europäer greifen verstärkt zu

Kein Wunder also, dass die Uhrenproduzenten die Konjunkturentwicklung in Asien mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgten. Zumal die Exporte in die Volksrepublik China im Oktober um zwölf Prozent einbrachen. Die Ausfuhren in die Sonderverwaltungszone Hongkong gingen im vergangenen November sogar um 13,5 Prozent zurück. Auch wenn die Exporte von Luxusuhren in die Volksrepublik China inzwischen wieder leicht gestiegen sind, schwächte sich die Nachfrage insgesamt doch etwas ab. Als Gründe werden das verlangsamte Wirtschaftswachstum sowie volle Warenlager bei den Händlern in Hongkong genannt.

Trotzdem kann die Branche mit gesundem Selbstbewusstsein ins neue Jahr starten, denn ungeachtet der Euro-Krise und der für 2013 prognostizierten Abschwächung des Wachstums entdecken immer mehr Europäer ihre Liebe zu Luxus-Armbanduhren aus der Schweiz. So stiegen die eidgenössischen Uhrenexporte nach Deutschland im November um rund 13 Prozent und nach Italien sogar um 20 Prozent.

Grund zur Freude bereitet den Herstellern derzeit aber vor allem der Markt in Großbritannien. Die Schweizer Uhrenexporte ins Königreich stiegen im November um rund 44 Prozent, während Frankreich – eigentlich ein Land mit hoher Luxus-Affinität – weniger Nobelticker einführte.

Unter dem Strich können die eidgenössischen Uhrenhersteller also mit einigem Optimismus ins neue Jahr schauen – unabhängig davon, wie lange die Wachstumsschwäche in China noch anhalten wird. Zumal die zunehmende Nachfrage aus Europa mit steigenden Exporten in die USA zusammentrifft.

Und wenn sich die gutbetuchte Klientel schon mal einen Luxus-Zeitmesser gönnt, darf es offenbar gern ein wenig teurer sein. Besonders stark gefragt waren im November nach Mitteilung des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie (FHS) Golduhren. Fast 62.000 solcher Edel-Stücke wurden ausgeführt.

 

Bild: Kigoo Images/PIXELIO/©www.pixelio.de


 




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