Freitag 24. Mai 2013, 03:50

Energie & Ressourcen

Schiefergas: Volkswirtschaftlicher Sprengstoff

Peak Oil, Schiefergas und der Energiefahrplan 2050 aus Brüssel machen Stimmung, breite Unsicherheit als unerwünschte Nebenwirkung gibt es frei Haus und gratis dazu. Doch es kommt nicht von ungefähr, dass Schiefergas von Experten als volkswirtschaftlicher Humbug mit reichlich Nebenwirkungen bezeichnet wird.

Schiefergas: Volkswirtschaftlicher Sprengstoff
Schiefergas: Volkswirtschaftlicher Sprengstoff
Bild: jörg paul kaspari/flickr.com
Gas aber auch Öl aus tief liegendem Schiefergestein gelten speziell in den USA als die Hoffnungsträger von Politik und Petro-Industrie. Gas- und Ölbranche nehmen Millionenbeträge in die Hand, um an die kostbaren Rohstoffe ranzukommen. Der Shale-Boom hat vielerorts regelrechte Sandstürme ausgelöst, doch mittlerweile gehen deswegen auch die Wogen hoch: Die Nebenwirkungen sind, vom enormen Kostenfaktor einmal abgesehen, nicht von schlechten Eltern. Es wird gebohrt und gefrackt, gespült und gefördert: Die Natur leidet, die Umwelt wird belastet – wo, bitte, ist der Ersatzplanet?

Unkonventionelles Gas und seine Facetten

Gas ist nicht gleich Gas, und das gilt auch für Schiefergas. Experten unterscheiden zwischen Shale Gas d.h. dem klassischen Schiefergas und dessen Variationen. Bei Schiefergas handelt es sich um Gas, welches im Muttergestein sprich Tonschiefer gefangen ist und aufgrund der Gesteinsdichte nicht in eine Gasfalle entwichen ist. CBM sprich Grubengas lagert in den Gesteinsporen eines Kohleflözes. Tight Gas hängt in den Poren gering durchlässigen Gesteins mit überwiegend hoher Dichte. Die umstrittenen Fördertechniken sind einander vom Grundgedanken her recht ähnlich und werden weitläufig als Fracking bezeichnet, einer kostenintensiven, ziemlich brachialen Fördermethode mit überwiegend verheerenden Umweltfolgen.

Schiefergas: Komplexe Fördermethoden

Fossile Brennstoffe sind ungeachtet der schwindenden Vorräte als Energieträger nicht wegzudenken, ganze Branchen hängen davon ab. Die Pläne aus Brüssel, Gas bis auf weiteres als tragende Säule im Energiemix einzusetzen treibt die Industrie zu Höchstleistungen bei der Erschließung neuer Quellen an. Doch Experten warnen bereits jetzt davor, Schiefergas aufgrund der komplexen Förderung und den damit verbundenen Auswirkungen als vollwertigen Ersatz für konventionelles Gas zu betrachten. Das Engagement in die Förderung unkonventioneller Gase ist eine Bestätigung dafür, dass es mit den Preisen für Gas rasch bergauf gehen wird, die Reserven tendieren dazu, gut überschaubar zu werden.

Naturgas: Rückläufige Fördermengen

Erdgas hat eine kalkulierte Reichweite von in etwa 60 Jahren, bei Kohle sind es einiges über 100 Jahre. Besorgniserregend dabei ist die Tatsache, dass Russland vor dem Iran und Quatar auf den meisten Reserven sitzt, was langfristig auf weit reichende Querelen schließen lässt. Die Gasförderungen in Europa sind bereits seit einigen Jahren rückläufig. Immerhin – Norwegen hat vor den Niederlanden und Rumänien sowie Großbritannien die größten Reserven Europas, wobei das Inselreich bereits mit der Jahrtausendwende einen signifikanten Einbruch der Fördermenge erfahren musste.

Schiefergas: Zu wenig für nachhaltige Energieversorgung

Bedingt durch die in Relation zum Aufwand geringen Fördermengen ist Schiefergas kaum geeignet, die Energiewende nachhaltig zu beeinflussen. Zwar scheint sich die Förderung für Unternehmen angesichts der Gewinnspanne bei Gas in vereinzelten Fällen noch irgendwie zu rentieren, doch ist vielfach bereits vom weit reichenden Shale-Gas-Fiasko die Rede, welches die Unternehmen reihenweise ab“frackt“: 20% Wirkungsgrad sind zu wenig, um rentabel zu sein. Es gibt zu viele unbekannte Komponenten, die Gasblase ist geplatzt. Von der geringen Prognostizierbarkeit von Fördermenge und Kosten abgesehen sind die Umwelteinflüsse schwer kalkulierbar, Lärm und andere Faktoren nagen am Image. Erdbeben sind ja noch das geringste Übel, es geht uns richtig an den Kragen: Fracking vergiftet nachhaltig das Trinkwasser, die verwendete Chemie ist hochgradigst Krebserregend. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Förderung von Schiefergas untragbar, die europäischen  Förderversuche scheinen mit „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ noch am besten zu entschuldigen sein.

Proteste gegen Fracking

Wenig Gas für riesige Schäden – so lässt sich das Resultat der Schiefergasförderung mit wenig Worten beschreiben. Die Gesteinsschichten werden unter enormen Druck gebrochen, das geht nicht ohne Nebenwirkungen. Bulgarien und Frankreich haben Fracking bereits verboten, andernorts mehren sich die Gegner aufgrund der unkalkulierbaren Risiken. Selbst in Polen, welches mit den Ressourcen nicht gerade zimperlich umgeht, mehren sich die Proteste gegen Schiefergas. Nachhaltigkeit, Tourismus und Fracking haben einfach keinen gemeinsamen Nenner, das wird nichts.     

Rumänien: Schiefergasförderung gestoppt

Kolportierte 150 Milliarden Kubikmeter schlummern alleine im Transsilvanischen Becken, außerhalb des Karpatenbogens sollte es die doppelte Menge sein. Das klingt schon rein theoretisch viel versprechend. Doch aufgrund zahlreicher Bedenken in Sachen Umweltschutz hat Rumäniens neuer Regierungschef Victor Ponto sämtliche bereits erteilten Bewilligungen für Schiefergasförderungen auf Eis gelegt. Man wolle EU-einheitliche Standards abwarten. Ein ähnliches Szenario gibt es auch in Tschechien, auch hier möchte man sich dem europäischen Standard anschließen. Die Umweltschäden in den USA haben sichtlich ein grundlegendes Umdenken auf europäischer Ebene bewirkt. Die von Chevron geplanten Investitionen an der Schwarzmeerküste werden sehr wohl mit den Folgen für die Umwelt aufgewogen, zumal: Ein Gas kommt selten allein. Schiefergasförderung setzt reichlich viel Methan frei, der Klimaabdruck sieht entsprechend aus. Das bringt Schiefergas klimatechnisch in den Bereich von Steinkohle. Wie war das noch mit Dekarbonisierung? 

Österreich: Grüne wollen Totalverbot

In Österreich sollen Schiefergasprojekte einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden. Das betrifft auch Probebohrungen. Global 2000 und Greenpeace fordern ein generelles Verbot der Schiefergasförderung, die OMV spricht sich ganz diplomatisch für eine einheitliche EU-Strategie aus. No fracking ist das Gebot der Stunde. Es lebe die Energiewende. 

 


 




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