Donnerstag 24. April 2014, 18:15

Reportagen

Relaxplätze für Ross und Reiter – Leader kurbelt Reittourismus im Mühlviertel an

Hoch zu Ross durchs Mühlviertel – so verbringen mittlerweile immer mehr Freizeitreiter ihren Urlaub. Um den Pferdefreunden noch mehr Erholungswert zu bieten, inszeniert der Reitverband Pferdereich Mühlviertler Alm bis Mitte 2013 acht neue Relaxplätze für Pferd und Reiter. Brüssel fördert diese Idee, die Tourismus und Landwirtschaft gleichermaßen zugute kommt, mit 20.000 Euro aus dem Leader-Topf.

Relaxplätze für Ross und Reiter – Leader kurbelt Reittourismus im Mühlviertel an
Relaxplätze für Ross und Reiter – Leader kurbelt Reittourismus im Mühlviertel an
Bild: Pferdereich.at/Erber
„Über Stock und über Steine, aber brich dir nicht die Beine …“ solche oder ähnliche Schikanen mag ein Ausritt mancherorts mit sich bringen. Nicht aber in der Wanderreitregion Mühlviertler Alm. Seit 1996 bietet die Region im Nordosten Oberösterreichs ein mehr als 600 Kilometer langes, bestens gewartetes Reitwegenetz, das sich über 16 Gemeinden erstreckt. 50 Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten vom Reiterhof über Wirtshäuser und Nächtigungsbetriebe bis hin zum Tierarzt und Hufschmied kümmern sich um die feudale Versorgung von Reiter und Pferd.

Geplante Relax-Stationen sind mehr als nur Rastplätze

Entlang der Reitwege sollen nun acht neue Relaxplätze für die Reittouristen und ihre vierbeinigen Begleiter inszeniert werden. „Es sind idyllische Orte mit besonders schöner Aussicht, die zum Relaxen einladen aber auch die Möglichkeit zu sportlichen Aktivitäten bieten“, beschreibt Ludwig Kriechbaumer, Marketingleiter des Reitverbands Pferdereich Mühlviertler Alm, das Projekt. Unmittelbar in der Nähe des von ihm bewirtschafteten Reitparks Gstöttner etwa wird eine bestehende Pferdeschwämme zu einem solchen Platz umgebaut. Die Reiter können sich hier am Teich ausruhen, ihre Pferde tränken und in einer Koppel grasen lassen. Wem der Hintern vom langen Wanderritt noch nicht brummt, für den steht ein Parcours mit Hindernissen aus dem Spring- und Westernreitsport zur Verfügung. Nahe der Stonehill Range, einem weiteren Mitgliedsbetrieb, wird neben Tränk- und Anbindemöglichkeit für die Tiere ein großer Trail aufgebaut, ein Übungsgelände für Western- und Wanderreiter. „Dieser Platz bietet unterschiedliche Übungen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden wie sie nur in wenigen Reitanlagen zur Verfügung stehen – alles ohne Bezahlung versteht sich“, zeigt sich Kriechbaumer begeistert. Ganz gemütlich können es sich die Urlauber bald auch auf einem gemütlichen Grillplatz machen. Fließendes Wasser, ein Kühlschrank für mitgebrachte Verpflegung und – wenn nötig – Lieferservice nahegelegener Wirte und Reitstallbetreiber. Sie bringen auf Bestellung alles, was man für einen zünftigen Lagerfeuerschmaus braucht.

Mitgliedsbetriebe rechnen mit fünfprozentiger Nächtigungssteigerung

Planung und Umsetzung der Relaxplätze hat eine Zimmerei aus der Region übernommen. Beim Aufbau werden alle Mitgliedsbetriebe mit anpacken „Sowie die Saison nachlässt werden wir alle dreinschießen“, freut sich Kriechbaumer schon auf die Bauarbeiten, die bis Juli 2013 abgeschlossen sein sollen. Insgesamt 80.000 Euro sind budgetiert, je ein Viertel davon wird vom Land OÖ und der EU gefördert. Mit den 20.000 Euro aus dem Leader-Topf sollen die Nächtigungen um fünf Prozent gesteigert werden. „Das ist durchaus realistisch“, weiß der Marketingchef des Reitverbands. Derzeit verbucht das Pferdereich jährlich 15.000 Nächtigungen. Die Gäste kommen aus ganz Österreich und dem deutschsprachigen Raum, aber auch Niederländer, Briten und Amerikaner verbringen ihren Reiturlaub auf der Mühlviertler Alm. Meist werden die Tiere ausgeborgt. Der heimische Urlauber, vor allem Oberösterreicher, Tiroler und Vorarlberger aber auch Bayern reisen mit eigenem Ross an. „Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei sieben Nächten. Immer mehr Gäste nutzen aber auch verlängerte Wochenenden für einen Kurzurlaub“, so Kriechbaumer, der seit den Anfängen des Pferdereichs Mühlviertler Alm mit im Sattel sitzt.

Dank drei Leader-Projekten mehr als 81.000 aus Brüssel abgeholt

Die Errichtung der Relaxplätze ist mittlerweile das dritte Leader-Projekt im Reitverband nach dem Aufbau des Reitwegenetzes 1996 und einer Qualitätsoffensive – ab 2007 werden die 27 Nächtigungsbetriebe nach festgelegten und regelmäßig kontrollierten Bewertungskriterien mit Hufeisen ausgezeichnet. Insgesamt wurden laut Ludwig Kriechbaumer bereits mehr als 1,7 Mio. Euro in Aufbau und Erhaltung des Reitwegenetzes sowie in die angeschlossenen Betriebe investiert. Aus dem Leader-Topf konnten – das aktuelle Projekt mitgerechnet – in Summe mehr als 81.000 Euro geschöpft werden. Unterstützung gab es dabei immer vom Regionalbüro Mühlviertler Alm, das dem Verband bei der Förderabwicklung zur Seite stand. „Gerade beim letzten Projekt ist aber schon zu bemerken, dass die Anforderungen strenger geworden sind. Ich hab ganz schön gestaunt, was diesmal an Dokumentation auf uns zu kommt. Früher war alles weniger problematisch“, berichtet der Marketingverantwortliche von seinen Erfahrungen, „Der Aufwand steht aber sicher dafür, vor allem, weil wir es nicht als Einzelpersonen sondern als Gemeinschaft machen.“
 




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