REAP: Aktionsplan Ressourceneffizienz – Teil 2
Wien: Als Antwort auf den letzten Herbst in Brüssel präsentierten Fahrplan für ein ressourcen- schonendes Europa hat Österreich als erstes Land der EU einen eigenen nationalen Ressourceneffizienz Aktionsplan (REAP) vorgestellt. Wirtschaftsentwicklung und Ressourcenverbrauch sollen entkoppelt werden.

Bild: ÖVP Bgl.
Öffentliche Beschaffung: 17% des BIP
Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit – das sind die Voraussetzungen für ressourceneffiziente Beschaffungspolitik. Produkte und Dienstleistung sind von diesen Anforderungen gleichermaßen betroffen, die Einkaufsentscheidungen der öffentlichen Auftraggeber machen immerhin 17% des BIP aus. Als Impulsgeber mit Vorbildfunktion können sie zugleich kleine und mittlere Unternehmen bei der Ressourceneffizienz unterstützen. Der österreichische Aktionsplan zur nachhaltigen Beschaffung ist mittlerweile durch den Ministerrat und reguliert beispielsweise bei Neuanschaffungen die Anforderungen an IT-Anlagen sowie die Verwendung von Papier bei den behördlichen Stellen.
Generalstabsmässige Einkaufsplanung erforderlich
Ein intelligentes Beschaffungssystem evaluiert vorab den konkreten Bedarf. Anhand dieser Informationen werden unter Berücksichtigung der entsprechenden Kriterien die geeigneten Produkte und Dienstleistungen ausgewählt. So hat sich beispielsweise die österreichische Bundesbeschaffung bereits verpflichtet, diese Fakten in der laufenden Bestellabwicklung zu berücksichtigen. Doch auch auf Länder- und Gemeindeebene gibt es hierzulande bereits Initiativen, die gezielt auf Nachhaltigkeit und ressourceneffiziente Beschaffung setzen.
Funktionale Ausschreibungen sollen innovative Lösungen ermöglichen. Das bietet einerseits mehr kreativen Spielraum für Anbieter, da für öffentliche Stellen der Zweck der fertigen Leistung im Vordergrund steht. Gegenwärtig wird der Aktionsplan zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung im Dreijahresrhythmus evaluiert. Generell entsteht dadurch in vielen Bereichen ein sehr einheitliches Bild mit dem Ergebnis von teils sehr kostengünstigen Anschaffungskosten. Individuelle Bedürfnisse bleiben dabei naturgemäß auf der Strecke.
Produkt-Service-Systeme als Alternative
In diesem Szenario steht die Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen im Mittelpunkt, wie beispielsweise Einspar-Contracting für Gebäude, Medizin-Textilien-Service-Systeme und ähnliches; diese können so gestaltet werden, dass die Umweltbelastungen minimiert, der Nutzen auf Kundenseite maximiert wird. Diese Systeme führen häufig zu einer Verlängerung der Nutzungsdauer dank entsprechender Wartung oder Nachrüstung, sehr oft ersetzen sie auch die eigentumsbasierte Nutzung. Das Grundmodell der Lebenszyklusorientierung ist nahezu beliebig adaptierbar.
Recycling: Rückführungsquote ausschlaggebend
Das Aktionsfeld Kreislaufwirtschaft sprich Recycling bildet eine weitere tragende Säule bezüglich Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. Erden und Baurestmassen bilden den Hauptanteil der Abfälle. Während Haushaltsabfälle annähernd zur Hälfte dem Nutzungskreislauf zugeführt werden beträgt die Rückführungsquote bei Stoffen aus dem Bauwesen stolze 80 Prozent. Insgesamt fallen in Österreich jährlich rund 52 Mio. Tonnen Primärabfälle an, entsprechend hoch ist das Potenzial der Ressourceneffizienz mittels Recycling. Die Entwicklung von Reparatur- und Re-Use-Netzwerken hat sich bewährt, ebenso die Vorgaben in Sachen Baustoff-Recycling und das Gütesiegel für nachhaltiges Bauen.
Urban Mining: Die geschlossene Recyclingkette
Der REAP soll Kreislaufwirtschaft und Abfallhierarchie entsprechend den Richtlinien aus Brüssel weiter ausbauen, um eine weitere Effizienzsteigerung zu erzielen. Dazu gehört auch das verstärkte Recycling von kritischen Materialien, insbesondere Metalle und Urban Mining: Damit hoffen die Verantwortlichen, auch den kaum berücksichtigten Bereich bereits bestehender Infrastrukturen in die Wiederverwertungskette integrieren zu können. In einem Pilotprojekt soll evaluiert werden, inwiefern Recycling von verschiedenen, besonders wertvollen weil unersetzlichen Materialien überhaupt machbar ist. Vergleichbare Strategien stehen übrigens auch auf europäischer Ebene aus, hier besteht Handlungsbedarf.
Recycling reduziert Importabhängigkeit
Vorhandene Potenziale zur Abfallvermeidung sowie der Wiederverwendung von Produkten und Abfällen sollen aktiviert werden und qualitativ hochwertiges Recycling ermöglichen. Neue Technologien bringen neue Werkstoffe in Umlauf, was wiederum eine laufende Adaptierung der bestehenden Sammel- und Behandlungssysteme voraussetzt. Die Nutzung anthropogener Lager und optimierte Recyclingsysteme können die Importabhängigkeit Österreichs spürbar verringern, auch in diesem Fall sind EU-weite Maßnahmen zur Ressourcenschonung zu setzen.
Bewusstseinsbildung: Heute Gedanken, morgen Realität
Materialeffizienz und Ressourcenschonung gehen untrennbar nebeneinander. Doch nur wenn es gelingt, Konsumenten und Produzenten sprich Unternehmen gleichzeitig davon zu überzeugen, ist der Ressourcenverbrauch nachhaltig weil zugleich spürbar reduzierbar. Bewusstseinsbildung ist angesagt, die Entscheidungsträger sind denkbar gute Ansprechpartner, da diese gesellschaftlich als Opinion-Leader akzeptiert sind und damit eine Vorbildfunktion übernehmen. So ist es nicht verwunderlich, dass der REAP hier ansetzt und dem Aktionsfeld Bewusstseinsbildung besondere Aufmerksamkeit schenkt.
Solide Informationen sind Voraussetzung für zukunftsweisende Entscheidungen und Entwicklungen. Informieren und aktivieren lautet die Devise, große Erfolge sind nur gemeinsam möglich. Das österreichische Netzwerk zur Ressourceneffizienz dient als Schnittstelle für die verantwortlichen Entscheidungsträger. Politik, Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft haben dabei die Gelegenheit zum unmittelbaren Erfahrungsaustausch. Kommunikation erleichtert das Leben. Das vom Lebensministerium geleitete Netzwerk soll fortan auch auf europäischer Ebene agieren und dadurch europaweit maßgeblich zur Ressourceneffizienz beitragen.


















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