Freitag 22. September 2017, 18:51

Energie & Ressourcen

Peak Oil: Zündstoff für die Gesellschaft

Wien. 50 Millionen Barrel Öl pro Tag weniger liefern einen guten Grund, die möglichen Folgen der reduzierten Fördermenge etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Internationale Experten haben auf der ASPO Konferenz darüber diskutiert, welche Konsequenzen das mit sich bringen könnte und wie die Alternativen aussehen.

Easy Oil ist vorbei
Easy Oil ist vorbei
Bild: OMV
Bis 2035 wird nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur die Ölförderung spürbar sinken. In Zahlen ausgedrückt: Wir müssen mit 50 Millionen Barrel pro Tag weniger auskommen. Das entspricht einem Wert von minus 75% gegenüber dem heutigen Niveau. Der Ölpreis hat sich in nur zehn Jahren verfünffacht und es anzunehmen, dass sich dieser doch eher unerfreuliche Trend auch weiterhin fortsetzen wird. Für ASPO-Präsident Kjell Aleklett ist diese Entwicklung ein eindrucksvoller Beweis, dass die Prognosen und Warnungen seiner Organisation durchaus berechtigt sind. Easy Oil ist vorbei, fortan wird es etwas komplizierter und zugleich definitiv kostspieliger, um an das heiß begehrte Schwarze Gold heranzukommen. Das postfossile Zeitalter hat begonnen.

ASPO: Düsteres Scenario im Erdölpoker

Die ASPO (Association for the Study of Peak Oil and Gas) hat es sich zum Ziel gemacht, die Welt darüber zu informieren, wie es um unsere Ressourcen bestellt ist. Weder Öl noch Gas werden in absehbarer Zeit trotz steigender Nachfrage in der gewohnten Menge verfügbar sein, schon gar nicht zu einem niederen Preis. Sichtlich haben wir Peak Oil erreicht. In der Periode von 2005 bis 2010 lag die reale Ölfordermenge bei 81,5 Millionen Barrel pro Tag bei Schwankungen von unter einem Prozent. Trotz neuer Ölfunde und verbesserten Fördermethoden ist keine Steigerung der Fördermenge zu verzeichnen. Daran ändert auch die laufende Entdeckung neuer Ölfelder nichts. Gemeinsam mit der Preisentwicklung liefern die aktuellen Daten wenig Grund zur Freude.

Hat die Politik die Gefahr erkannt?

Über den Zeitpunkt von Peak Oil wird erst gar nicht mehr diskutiert, vielmehr geht es mittlerweile darum, wie die weit reichenden Folgen aussehen könnten und wie diese zu beherrschen sind. Die fossilen Brennstoffe neigen sich dem Ende zu, was die Menschheit mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Die Gefahren sind unübersehbar, doch so wie es aussieht, liegt diese Thematik nicht im Interessensbereich der Politik. „Politiker denken nur bis zur nächsten Wahl. Aber hier geht es um Entscheidungen, welche die nächsten zehn oder 15 Jahre betreffen“, so der Kommentar von ASPO-Präsident K. Aleklett.

Mobilität: Alternative Energieträger als Lösung?

Das langsame Entschwinden fossiler Brennstoffe muss als Gefahr für Weltwirtschaft und Gesellschaft eingeschätzt werden. Und so ist es verständlich, dass die Energiewende nicht alleine dem Klima  zuliebe forciert werden muss, es geht dabei um mehr. Während stationäre Anlagen mit anderen Energieträgern zu betreiben sind, ist Peak Oil ein Problem der flüssigen Treibstoffe und belastet in erster Linie Verkehr und Transport. Es gibt kaum einen Weg, diese Branchen kurzfristig umzustellen. Im Bereich der nachhaltigen Mobilität fehlt es an Strukturen, alternative Energieträger sind erst in der Entwicklungsphase. Und Schiefergas ist ebenso wie Schieferöl und Teersand nicht geeignet, um die einbrechenden Förderumengen zu kompensieren, zumal die Kosten für diese Förderverfahren schlichtweg als untragbar zu werten sind, von den Umweltschäden einmal ganz zu schweigen.

Ökonomische Folgen nicht abschätzbar

Der steigende Ölpreis belastet die Volkswirtschaft bis an die Grenze des machbaren, vielfach müssen in anderen Bereichen gravierende Einsparungen hingenommen werden, um die grundlegenden  Bedürfnisse zu decken. Die steigenden Ölkosten drücken spürbar auf das Wirtschaftswachstum, doch wenn es erst zu sinkenden Fördermengen kommt, ist das Desaster perfekt. Spätestens, wenn der Preis für ein Fass über die 200 Dollar-Barriere klettert, wird es ungemütlich. Es kommt zu einem signifikanten Knappheitsdiktat. Die Mobilität wird eingeschränkt, das Transportwesen geht Richtung Stillstand, die Versorgung droht zu kippen. Die Wirtschaft wankt - es droht der Mega-Crash. Konflikte und schwerwiegende soziale Instabilitäten wären die unvermeidbare Folge.

Experten befürchten folgenschwere Konflikte

Das Ende der fossilen Ära ist zweifelsfrei angebrochen. Der Kampf um die Ressourcen hat bereits eingesetzt, es wird mit harten Bandagen gekämpft. Und die Vermutung,  dass die großen Nationen dieser Welt bereit sind, alle nur erdenklichen Register zu ziehen um ihren Ölbedarf zu decken ist durchaus berechtigt. Es geht nicht alleine um wirtschaftliche Konsequenzen. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass Rohstoffe die Ursache für militärische Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen sind. US-Konfliktforscher Michael Klare befürchtet gar einen „reichlich gewalttätigen Todeskampf des Öls“ und rät aus ökologischen, politischen und militärischen Gründen zu einer baldigen Abkehr von fossilen Brennstoffen. Und meint damit nicht alleine Europa.

Erneuerbare Energie und Energieeffizienz

Es ist das Gebot der Stunde, nach alternativen Energieträgern Ausschau zu halten. Windfarmen und Solarkraftwerke sind ein guter Anfang. Die erzielbaren Kapazitäten sind beachtlich, wenn auch chronisch unzuverlässig. Doch Transport und Speicherung geben viele Fragen auf. Geeignete Strukturen und Netze müssen her, die Technik hat noch viel zu tun. Ungeachtet der immer weniger werdenden und stets sinkenden Ressourcen, deren Förderung immer aufwendiger wird, steigt die Nachfrage nach ausreichend Energie. Geeignete nachhaltige Energieträger anstelle der bislang üblichen fossilen Brennstoffe sind ungeachtet der Energiewende, die ohnehin ein Multi-Generationsprojekt ist, als Herausforderung des Jahrhundertes zu werten.
Situationsbedingt sind Investitionen in erneuerbare Energien als gute Investition in die Zukunft zu werten, zumal nicht alleine die Erdölfördermengen sondern auch die Vorräte und Lieferungen von Erdgas zu denken geben sollen. Wir müssen umdenken.




drängend!

Peak Oil dürfte neben der Finanzkrise das große akute Problem unserer Zeit sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik aber auch die Wirtschaft das Thema begreift und aufgreift. Vorbereitungsmaßnahmen müssen frühzeitig erfolgen und es wird nicht reichen, ein paar Windräder in den Wald zu stellen.
Aktuelle Infos zum Thema: http://www.peak-oil.com

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