Parteichef Stronach - nein, danke ...
Jetzt also doch: Frank Stronach macht seine mancherorts als gefährliche Drohung verstandene Ankündigung wahr, eine eigene Partei zu gründen. Nicht genug damit: Er wird, sofern er sich‘s nicht noch anders überlegt, sogar deren Spitzenkandidat. Der greise Milliardär will mit strammen 80 ins Parlament einziehen und dort, vermutlich als Hinterbänkler, offenbar die Republik endgültig retten.

Bild: conspiracyscoop/flickr.com
Trotzdem wünscht sich laut einer „Market“-Umfrage für den „Standard“ jeder Dritte der allerdings nur 402 Befragten, dass Mister Stronach künftig Abgeordneter ist. Und so genannte Experten bescheinigen dem neuen Idol für Protestwähler bereits, dass er mit bis zu zehn Prozent der Stimmen rechnen könne und wahrscheinlich ins Hohe Haus einziehen werde. Der Ex-Magna-Boss selbst, dessen Sendungsbewusstsein schon immer etwas extrem ausgeprägt war, geht davon aus, dass er bei den nächsten Wahlen noch mehr Stimmen erhalten werde - nämlich fast gruselig anmutende 20 bis 30 Prozent - und es folglich gar in die Regierung schaffen könnte. Gottlob hat er zur Sicherheit bereits versprochen, nicht selbst den Bundeskanzler „machen zu wollen“.
Auf den Spuren von Richard „Mörtel“ Lugner, der ehedem nicht einmal davor zurückschreckte, sich um das Amt des Bundespräsidenten zu bewerben, versucht sich der Austro-Kanadier jedenfalls auf einem Terrain, das mit Sicherheit nicht seines ist. Es ist zwar unbestritten, dass der gebürtige Steirer unternehmerisch höchst erfolgreich gewesen ist, eine beeindruckende Weltkarriere schaffte und mit dem Autozulieferkonzern Magna etwas auf die Beine gestellt hat, das riesigen Respekt verdient. Aber, ehrlich: Muss ein durchaus vorbildlicher Industrieller, der längst den Ruhestand genießen könnte, unbedingt politische Ambitionen realisieren?
Plumper Populismus reicht nicht
Es wäre wohl akzeptabel, wenn Stronach bloß eine existierende Partei, die seinen Intentionen halbwegs entspricht, mit Geld unterstützen würde, beispielsweise das BZÖ oder das Liberale Forum. Doch das reicht einem Mann wie ihm leider nicht, weil ihm die penible Durchsetzung seiner Ideen enorm wichtig ist und er obendrein keinen Widerspruch zu dulden pflegt: Ohne Rücksicht auf das beträchtliche Blamage-Potenzial, das er nunmehr auszureizen scheint, und vorerst noch ohne auch nur halbwegs ernst zu nehmendes Parteiprogramm wirft er sich daher in eine Schlacht, die er eigentlich nur verlieren kann.
Fünf Aspekte sprechen für diese Prognose. Erstens: Mit 80 eine politische Funktion anzustreben, ist schon mal grundsätzlich eine Schnapsidee (hoffentlich bringt er den 95jährigen Karl Wlaschek nicht auch noch auf diese Idee!) - steinreiche Senioren à la Silvio Berlusconi haben in der Politik nichts mehr verloren. Zweitens: Mit Geld allein kann man, zumindest in Österreich, noch keine Wählerstimmen kaufen - bleibt die Frage, welche Schichten Stronach konkret ansprechen wird können. Drittens: Ohne geeignete Mitstreiter, sondern bloß mit den wenigen C-Promis, die bislang zu ihm übergelaufen sind, darunter fünf SPÖ-Gemeinderäte aus Spittal an der Drau, könnte selbst ein genialer Parteigründer nicht reüssieren - er umso weniger. Viertens: Ohne politisches Basis-Know-how, an dem es Stronach mangelt, wird seiner Partei kein langes Leben beschert sein - vielleicht verschwindet sie sogar schon vor dem Wahltermin wieder von der Bildfläche. Und fünftens: Wenn einem nichts anderes einfällt als abgelutschte Slogans rund um „Wahrheit“, „Transparenz“ und „Fairness“, dann sollte man es besser sein lassen - selbst wenn die agierenden Politiker noch so mies sein mögen. Daher liegt die Vermutung nahe, dass Stronach die Politikverdrossenheit in diesem Lande mit der Zeit noch verstärken würde - schon bei der Austria ist er fast allen auf die Nerven gegangen.
Mit plumpem Populismus, den beispielsweise ein HC Strache weitaus professioneller beherrscht, am rechten Rand des Wählerspektrums Anhänger finden zu wollen - das kann‘s schließlich nicht sein: Eine neue Partei, die für Österreichs Austritt aus dem Euro und die Wiedereinführung des Schilling Stimmung macht, braucht Österreich so dringend wie eine Grippeepidemie. Allein mit diesem einen taktischen Ausrutscher hat sich Stronach ins politische Out manövriert und speziell das Vertrauen von Wirtschaftskreisen verloren. Und da kann er noch tausend Mal feststellen, dass er „für ein starkes Europa ist, nicht?“ Auf Youtube, wo sein bizzarr-legendäres Fernseh-Interview schon 107.000 mal angeklickt wurde, wird er wahlweise als „Dampfplauderer“, „Witzfigur“ oder „Spinner“ tituliert.
Derzeit ist es relativ müßig, darüber zu spekulieren, ob der als ebenso autokratisch wie unberechenbar geltende Polit-Amateur „Fränky“ das BZÖ endgültig aus dem Parlament bugsieren, der Strache-FPÖ schaden oder der Volkspartei Stimmen abspenstig machen wird: Es stellt sich eher die Frage, ob er die gegen ihn gerichteten Attacken in den nächsten Wochen und Monate überhaupt überstehen wird können. Denn der Glaub-würdigkeit Stronachs, der niedrigere Steuersätze in Österreich fordert, schadet es etwa allemal, dass er seinen Wohnsitz im steuerschonenden Schweizer Kanton Zug hat. Und dem Image des abgehoben wirkenden Milliardärs, der laut „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak am ehesten für einen „Hausfrauen-Wirtschaftsliberalismus“ steht, tut es auch nicht gut, dass es 2005 bei seinem Kauf von Schloss Reifnitz in Kärnten nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt prüft den Deal bereits.
Fazit: Man kann dem Polit-Newcomer vorerst nur zu seinem Mut gratulieren, sich das alles anzutun, und ihm für die Dynamik dankbar sein, mit der er trotz Hitzewelle seine mediale Offensive im Sommerloch startete. Wir werden von ihm und seiner Partei vermutlich noch einiges zu hören bekommen, wobei auf eine starke qualitative Verbesserung des Gebotenen zu hoffen wäre. Die etablierten Parteien wird er zweifellos das Fürchten lehren und den erstmals antretenden Gruppieren, etwa den Piraten, die Show stehlen. Aus heutiger Sicht ist eine Stronach-Partei jedoch für Wählerinnen und Wähler mit größter Vorsicht zu genießen - und trotz ihres beträchtlichen Unterhaltungswerts ist letztlich ein „Nein, danke“ zu empfehlen...


















~Herr Rossi
Stronach geht gerne mit dem Euroaustritt hausieren ......
...... zumindest bleibt dieser Teil seines (noch nicht veröffentlichten) Wahlprogrammes vor allem bei den deutschen Nachbarn hängen. Siehe zB die Mini-Meldung in den Deutschen Mittelstands Nachrichten vom 12.08.2012 (abrufbar unter http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/08/46318/ , die den Lesern zumindest 56 (!!!!) Kommentare wert war.
Mal schauen, ob diese (kleine) Beliebtheit auch anhält .....
~Herr Rossi
Wie wird das Wahljahr 2013 ausschauen?
Peter A. Ulram macht sich in seinem Gastkommentar in der Presse vom 31.08.2012 Gedanken, was das Wahljahr 2013 bringen könnte (abrufbar unter: http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1284832/Wahljahr-2013_Di... ).
Vielleicht auch eine Rückkehr zum Parlamentarismus? In wirtschaftlich schwierigen Zeiten? Und was wird dort dann die Rolle von Frank Stronach sein?
Und die Sache mit der Piratenpartei steht auch noch an!!!
Wenns nicht so traurig wäre, könnte man sich schon auf die Live - Parlamentsdebatten freuen....
~GertiG
Abgeordneter Nr. 4 für den "Heiligen Strohsack"?
Hat der Stronach jetzt schon vier Abgeordnete? Egal, man wird sehen.
Im Forum zur Meldung im Standard vom 28.08.2012 unter http://derstandard.at/1345165446164/Geruechte-BZOe-Mandatarin-soll-zu-St... zeigt sich aber eindeutig, dass seine politischen Aktivitäten einen guten Diskussionsstoff abgeben.
Auch eine Leistung! "Heiliger Strohsack" (Bezeichnung nicht von mir) !!!
~BC
warum tut sich Stronach das an?
Sg Hr Muzik, guter Kommentar - nur auf die Frage, warum sich Frankieboy "das antut", geben Sie bereits indirekt im Text die Antworten: Er hat (fast) alles erreicht, was wir Normalbürger uns wünschen würden (weil wir nicht wissen, wie´s dann damit ist). Ihm läuft schlicht & einfach die Zeit davon: er erkennt, dass ein paar Taler im Sack eigentlich Nichts sind und will nun krampfhaft sein Denkmal (= länger als andere "leben"), ob bei der Austria (Bauchfleck) oder nun in der Politik (kommender Bauchfleck). Wir können uns auf künftige Denkmalanläufe des Frank S. freuen - und zwar ungereut - weil es eben lustige Medienlüfterl sein und bleiben werden. Er macht den Tag bunter, und das ist gut so - so what ...
~Herr Rossi
Wie es zu erwarten war - sein Antritt ist gesichert!
In der Presse wurde es gerade gemeldet. Durch den dritten Abgeordneten Peter Lugar sichert sich Frank Stronach den Antritt seiner Partei ( siehe http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1282120/Antritt-gesichert... ) !
Politologe Plasser gibt ihm in der Presse gute Chancen für einen Wahlerfolg (siehe http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1281936/Politologe_Wahler... )!
Da kommt jetzt Bewegung rein ....
~GertiG
34% wünschen sich den Stronach im Parlament !!!!
Die schlechte Nachricht zuerst: Laut Standard vom 21.08.2012 wünschen sich 34% der wahlberechtigten ÖsterreicherInnen, dass Frank Stronach in das Parlament kommt.
Die gute Nachricht: Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass diese Wählergruppe ihn auch tatsächlich wählen würde. Uff!
Alles nachzulesen unter http://derstandard.at/1345164635736/Jeder-Dritte-wuenscht-sich-Frank-Str... !
Meine Meinung dazu: Auch ein nein, danke!
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