Mittwoch 19. Juni 2013, 17:56

Technologie, Forschung


Outputorientierte Forschung – Effekt und Effizienz

Forschung und Entwicklung – auf der Suche nach Lösungen auf soziale und wirtschaftliche Probleme und Handlungsfelder der Zukunft von der Politik oft ins Zentrum der Betrachtungen gerückt.
Forschung und Entwicklung – ein wichtiges Thema zukunftsorientierter Politik. Nicht nur in Österreich. Auch auf Ebene der Europäischen Kommission wird man nicht müde, auf deren Bedeutung und den Wert hinzuweisen.
 

Wasserwaage
Wasserwaage
Bild: Andreas Infurna / aboutpixel.de
Forschung und Entwicklung – ein wichtiges Thema zukunftsorientierter Politik. Nicht nur in Österreich. Auch auf Ebene der Europäischen Kommission wird man nicht müde, auf deren Bedeutung und den Wert hinzuweisen.

Forschung und Entwicklung fördern – das ist auch eine politische Antwort auf der Suche nach Sicherung von Österreichs Wirtschaftsstandort und Arbeitsplätzen.

Und damit steigen die politischen Erwartungen in Forschung und Entwicklung.

Positiv dabei: Forschung und Entwicklung hat an Bedeutung gewonnen.

Kritisch zu bewerten: Die Erwartung messbarer Effekte (Output), im Idealfall wirtschaftlicher Wirkungen – und zwar direkt, linear und unmittelbar über die gesamte Innovationskette von der Grundlagenforschung bis hin zum marktreifen Produkt.

Denn wenn auch grundsätzlich Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Innovationen, Humankapital, Wissen und Lernen tendenziell positive Wachstums- und Produktivitätseffekte attestiert werden, lassen sie sich diese erwünschten positiven Wirkungen nicht oder nur sehr eingeschränkt messen.

Und doch wird von politischen Entscheidungsträgern gerne - getreu dem Motto „Heute in Forschung investieren heißt die Arbeitsplätze von morgen sichern“ - medial vorgerechnet, wie viele Arbeitsplätze jeder von uns in Forschung und Entwicklung investierte Steuereuro schafft und sichert.

Derartige Berechnungen halten allerdings wissenschaftlichen Untersuchungen nicht stand. Rechenmodelle, die uns scheinbar genaue Ergebnisse darüber liefern, wie viele Arbeitsplätze ein Steuereuro sichert, der in Forschung und Entwicklung investiert wird, sind so stark vereinfacht und auf derart hoch aggregierten Daten basiert, dass die Signifikanz mehr als fraglich ist.

Aber auch wenn lineare Wirkungsbeziehungen zwischen dem in Forschung investierten Steuergeld und Arbeitsplätzen oder Wettbewerbsfähigkeit nicht oder nur sehr eingeschränkt messbar sind – es muss Kontrolle geben.

Kulturwandel - Outputmessung statt Inputziel

Es gilt, der Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler gerecht zu werden und diesem auch nachweislich zu zeigen, dass sein Geld zweckmäßig, sparsam und möglichst effektiv und effizient eingesetzt wird und wurde.

Und das gilt insbesondere jetzt und heute. Denn nie wurde in Österreich so viel in Forschung und Entwicklung investiert wie aktuell. Im Vergleich zu 1998 konnten die Ausgaben für Forschung und Entwicklung somit um 100 Prozent gesteigert werden – vor allem auch dank kräftiger Steigerungen der öffentlichen Budgets für Forschung und Entwicklung seit Mitte der 1990er Jahre.

Deshalb entwickeln – überall, nicht nur in Österreich - staatliche Behörden unter Beteiligung der einschlägigen Akteure auf allen Ebenen Forschungs- und Innovationspolitiken und Forschungs- und Entwicklungsprogramme, um ihre Effizienz und Wirksamkeit sowie den Zusatznutzen für Gesellschaft und Wirtschaft zu optimieren.

Ein durchaus schwieriges Unterfangen, das sich nicht darauf beschränken darf, nachzuweisen, wie viel unmittelbar Verwertbares durch Forschung und Entwicklung erzeugt wurde.

Die zur Kontrolle herangezogenen Messgrößen dürfen nicht dazu führen, dass die Legitimation von Forschung und Entwicklung (F & E) ausschließlich durch wirtschaftliche Wirkungsnachweise erfolgt. Die herangezogenen Indikatoren dürfen sich andererseits auch nicht mit der ausschließlichen Messung des Inputs, der Menge an eingesetztem Steuergeld, beschränken. Die Forschungsquote ist kein geeigneter Erfolgsindikator für Wirkung und Effizienz.

Galt in der Vergangenheit oft die nahezu ausschließliche Devise: immer mehr öffentliches Geld für Forschung fordern und in Forschung investieren, so stehen hinkünftig - verbindlich festgelegt auch mit der Haushaltsrechtsreform in Österreich - Effekte und die Effizienz der mit öffentlichem Geld finanzierten Forschung und Entwicklung im Fokus.

Aus Sicht des Steuerzahlers ein zu befürwortender Ansatz. Wer möchte nicht, dass sein Steuergeld so eingesetzt hat, dass der größtmögliche Nutzen, das beste Ergebnis dadurch erzielt wird?

Aus Sicht der Politik eine zwar unbequeme aber notwendige Maßnahme in Zeiten knapperer Finanzmittel, in denen der Ruf nach „mehr“ und „besserer“ Forschung und Entwicklung nicht mehr automatisch alleine mit einer Erhöhung der Finanzmittel erfüllt werden kann.

Aus Sicht der etablierten Forschungscommunity, die lange eine Geld-fokussierte Inputpolitik unterstützte und erfolgreich einforderte, eine „Beschneidung“ in die bisherige Forschungs- und Forscherfreiheit.

Und es stellt sich nicht nur die Frage, ob die beteiligten Player auf diesen Kulturwandel eingestellt sind. Entscheidend ist, ob das Fördersystem auch auf diesen neuen „Ergebnisfokus“ eingestellt ist.

Herauforderung Messbarkeit

Wenn der Output, das Ergebnis der Forschung- und Entwicklungsarbeiten im Vordergrund stehen soll und nicht die eingesetzten Geldmittel (der Input), muss auch das öffentliche Fördersystem entsprechend reagieren. Die Kontroll- und Monitoringsysteme der öffentlichen Hand müssen sich von einer hauptsächlich akribischen Prüfung der Finanzgebarung hin zu einer Effekt- und Effizienzkontrolle entwickeln.

Und das unter Verwendung geeigneter Messparameter und Indikatoren für Effekt und Effizienz, die den Spezifika von Forschung und Entwicklung gerecht werden müssen.

Besonders schwierig dabei:

  • Die besondere Stellung der Faktoren „Risiko“ und „Unsicherheit“ – in der Forschung stärker ausgeprägt als anderswo;
  • Die Heterogenität von Fördereffekten;
  • Die unterschiedlichen Zielsetzungen und Charakteristika von Grundlagenforschung und Entwicklung bis hin zu anwendungsorientierter Forschung.

Eine komplexe Aufgabe also, für Forschungs- und Entwicklungsförderung ein geeignetes Indikatorensystem zu entwickeln – aussagekräftig, seriös und signifikant.

Erste konkrete Ansätze wird die FTI-Strategie der Bundesregierung bieten. Diese Strategie wird verbindlich für die österreichische FTI Politik auf Basis der Ergebnisse der Systemevaluierung des Forschungsförderungssystems, des Forschungsdialogs sowie der vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung vorgelegten FTI-Empfehlungen bis 2020 strategischen Wirkungsziele, handlungsleitende Prinzipien und konkrete Maßnahmen zur Zielerreichung umfassen.

Und diese verbindliche Konkretisierung wird auch der erste Schritt hin zur Entwicklung eines entsprechenden Indikatorensystems sein.

Man darf auf die Veröffentlichung dieses Papiers gespannt sein - nach einer erneuten Terminverschiebung der Regierung ist damit voraussichtlich Ende Februar 2011 zu rechnen.


 




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