Samstag 25. Mai 2013, 00:58

Binnenmarkt & Wettbewerb

Osteuropa bleibt guter Boden für heimische Unternehmen

Die osteuropäischen Staaten werden auch in Zukunft ein stärkeres Wachstum verzeichnen als die Länder in Westeuropa. Darin waren sich am Dienstagabend die Experten beim zehnten Osteuropaforum in der Raiffeisenlandesbank (RLB) OÖ einig.

10. Osteuropaforum in der Raiffeisenlandesbank OÖ
10. Osteuropaforum in der Raiffeisenlandesbank OÖ
Bild: RLB OÖ
Wie bedeutend Osteuropa für die heimische Wirtschaft bereits geworden ist, zeigt ein Blick auf die Statistik. 21 Prozent der österreichischen Exporte – mehr als doppelt so viel wie vor der Ostöffnung - gehen in diesen Wirtschaftsraum, zudem ist die Region ein Magnet für Investitionen aus der Alpenrepublik. Vor allem die heimischen Banken sind hier stark engagiert. Laut Christian Keuschnigg, Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS), befindet sich Osteuropa nach der scharfen Rezession in den Jahren 2007 und 2008 wieder auf Erholungskurs. „Dank der von der Politik eingeleiteten Reformen mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds werden die Länder schneller zu einem selbst tragenden Wachstum kommen als im Westen Europas“, erläuterte der Ökonom. Ein hoher Bildungsgrad und niedrige Lohnkosten machten Osteuropa attraktiv für Betriebsansiedlungen. Der IHS-Chef geht davon aus, dass Österreich auch in der Zukunft von dieser Region profitieren wird.

Osteuropa-Engagement verlieh der OMV kräftigen Schub

Auf 22 Jahre Erfahrung in Osteuropa kann die OMV verweisen. Der heimische Erdöl- und Erdgaskonzern hat laut Vorstandschef Gerhard Roiss vor allem vom steigenden Konsum und dem Wachstum der Mobilität in den osteuropäischen Ländern profitiert. So kommen im Osten pro 1000 Einwohner 150 bis 300 Autos gegenüber 650 in Österreich. Ein Meilenstein für die OMV, die mit mehr als 29.000 Mitarbeitern im ersten Halbjahr 2012 einen Umsatz von 20,4 Milliarden Euro erzielte, sei die mehrheitliche Übernahme der rumänischen Petrom im Jahr 2004 gewesen. Das Unternehmen konnte rasch restrukturiert und in die Gewinnzone gebracht werden. Zugute gekommen sei dem Konzern dabei die Rechtssicherheit durch die Mitgliedschaft Rumäniens in der EU. Roiss geht ebenso wie Keuschnigg davon aus, dass die osteuropäischen Länder künftig ein stärkeres Wachstum verzeichnen werden als die Staaten in Westeuropa. Schwieriger als die Expansion in Osteuropa schätzt der OMV-Chef den geplanten „Schritt über den Bosporus“ ein. Hier werde man ein anderes Risikomanagement brauchen. Zukunftsmärkte seien neben der Türkei auch Kasachstan und Aserbaidschan. So gehe man im Schwarzen Meer gemeinsam mit dem Marktführer ExxonMobil daran, ein geschätztes Gasvorkommen im Ausmaß von 42 bis 84 Milliarden Kubikmetern zu erschließen.

Firmen sollen Chancen im Osten nutzen

RLB-Generaldirektor Heinrich Schaller zeigt kein Verständnis dafür, dass manche Analysten das Risiko in Osteuropa als sehr hoch einschätzen. Man dürfe nicht den Fehler machen, alle osteuropäische Staaten über einen Kamm zu scheren. Etliche Länder in der Region hätten eine niedrigere Staatsverschuldung als die westeuropäischen Staaten, auch die Haushaltsdefizite seien geringer. Generell sei das Wachstum in Osten größer, es gebe auch noch Aufholpotenzial. Diesen Umstand sollten die heimischen Unternehmen nutzen. Die Raiffeisenlandesbank OÖ werde die Firmen jedenfalls dabei unterstützen.

 


 




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