Samstag 25. Mai 2013, 21:34

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Österreichs Realeinkommen stagnieren - die Haushaltseinkommen steigen dafür umso stärker!

Seit Jahrzehnten will uns Europas „linker Mainstream“ weismachen, dass die Kaufkraft hiesiger Haushalte sinke. Nun behauptet dies zum ersten Mal auch eine Bank - die Schweizerische UBS. Um 35% wäre die Kaufkraft österreichischer Kleinstverdiener-Haushalte seit dem Jahr 2000 gesunken. Als Grund deutet man die Euroeinführung an. Zufälligerweise steht die UBS gerade unter gewaltigem wirtschaftlichem Druck, das von ihr fliehende Euro-Kapital wieder einzufangen.

Österreichs Realeinkommen stagnieren - die Haushaltseinkommen steigen dafür umso stärker!
Österreichs Realeinkommen stagnieren - die Haushaltseinkommen steigen dafür umso stärker!
Bild: Siegfried Fries/pixelio.de
Dass man Bürgern aus politischen Gründen weismachen will, dass es ihnen immer schlechter erginge, hat eine lange wie traurige Tradition. Schon Bruno Kreisky gewann die Nationalratswahl von 1970, als er - mitten in der Hochkonjunktur - die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich beschwor, und dass es vielen schlechter ginge. 1975, nur 5 Jahre nach dem Sieg der Sozialisten, hatte sich an der Wohlstandsverteilung kaum etwas verändert (der Gini-Koeffizient lag wie vorher oder auch noch heute bei etwa 0,26). Aber plötzlich warb die SPÖ auf ihren Wahlplakaten nun mit großen Butterbergen – und wie gut es allen ginge. Obwohl die Ölkrise dem Land gerade einen herben Wachstumsschock verpasste.

UBS-Studie: Dichtung und Wahrheit

Die Entwicklung österreichischer  Einkommen seit 1999 Um bis zu 35% sei die Kaufkraft heimischer Konsumenten wegen der hohen Inflation seit 2000 real gesunken, glaubt man der vor einer Woche veröffentlichten UBS-Studie. Sollte man aber nicht. Im inkriminierten Zeitraum lag die Preissteigerung im Alpenland insgesamt nämlich bei nur 20,2% - nur in Finnland und Deutschland war sie noch geringer (dank Euro). Die in der UBS-Studie als „Wohlstand-Wachstums-Kaiser“ so gepriesenen Länder Griechenland und Spanien hingegen „erfreuten“ sich 40% und 32% Inflation.

In nur drei Tagen hatten sich Europas renommiertesten Institute gegen die UBS in Stellung gebracht: Die Österreichische Nationalbank verlautbarte, dass die real verfügbaren Einkommen in Österreich von 2000 bis 2010 nicht gefallen, sondern durchschnittlich um ganze 12,2 Prozent gestiegen seien. Die Ergebnisse der UBS-Studie seien „nicht plausibel und mit erheblichen methodischen Datenproblemen behaftet“. Die Bank Austria hielt die von der UBS ermittelten Zahlen „definitiv für falsch“. Die Statistik Austria kam von 1999 bis 2010 auf ein Wachstum der Realeinkommen von 5,4%. Und die Industriellenvereinigung sprach von „massiven Rechen- und Datenfehlers“. Dier IV ließ keinen Zweifel aufkommen, dass man das Paper für einen Fake hielte.

Dass die massive Kritik an den UBS-Zahlen dann keinen Eingang mehr in die Medienwelt des Mainstreams gefunden hatte, verwundert in Österreich schon lange niemand mehr.

Churchill: „Vertraue nur Zahlen, die ich selbst gefälscht habe“

Was war geschehen? Um ein möglichst schlechtes Ergebnis zu erhalten, hatte man nicht alleine auf die offizielle Inflationsrate der Europäischen Union (Eurostat) zurückgegriffen, sondern diese zuvor „speziell behandelt“. Um niedrige Inflationsraten künstlich zu erhöhen, hat man auf einen alten Trick zurückgegriffen: Man hat jene Preise, die die unteren Einkommen angeblich besonders stark beträfen, extrem übergewichtet. Am einfachsten geht das zur Zeit mit Energiepreisen.

Laut UBS würden niedrige Einkommen besonders unter diesen leiden, darum wäre deren Kaufkraft auch so stark gesunken. Tatsächlich sind aber gerade die untersten Einkommen aber am wenigsten von steigenden Energiepreisen betroffen: Gering-Verdiener leben meist in den gut erschlossenen Zentren der Städte, und sie benutzen meist den (von den Besserverdienern subventionierten) öffentlichen Verkehr. Den Heizkosten-Zuschuss gibt es nur für Mieter und auf Fernflüge können Geringverdiener eher verzichten als Geschäftsleute.

Österreich: Haushaltseinkommen stark gestiegen

Anteil der Sozialtransfers am Haushaltseinkommen Aber das wichtigste an der Debatte: Die Veränderung „realer Einkommen“ sagt schon lange nichts mehr über den Wohlstandszuwachs aus. Denn seit den 1970er Jahren wählen Europas Bürger stets die Parteien, die ihnen vor der Wahl am meisten Geld (-Leistungen) versprechen, um nach der Wahl dann die Steuern anzuheben (vor der NR-Wahl 2008: SPÖ-„Anti-Teuerungspaket“, nach der Wahl dann Sparpakete mit höheren Steuern 2009, 2011 und 2012).

So kürzen die bei jeder Wahl frisch herbeigewählten Steuern die Bruttolöhne immer weiter – und darauf hat sich auch die UBS gestürzt. Aber vor allem die unteren Einkommensschichten bekommen dieses Steuergeld (der Besserverdiener) in Form von Sozialleistungen dann wieder zurück! Somit erhöht es die Haushaltseinkommen insgesamt massiv.

Österreichs Wirtschaft erhöht die Brutto-Löhne schon seit vielen Jahren brav. Ebenfalls seit vielen Jahren wählen sich seine Bürger regelmäßig steigende Steuern herbei – damit wachsen die realen Nettolöhne unserer Angestellten tatsächlich nicht besonders stark. Rechnet man die nach jeder Wahl aber höheren Sozialleistungen dann aber zu den Nettolöhnen wieder dazu, erhält man das sogenannte Haushaltseinkommen. Und dieses wächst in Österreich schon seit Jahrzehnten.

Übrigens stammen heute schon 37% österreichischen Haushaltseinkommens vom Staat – nur in Nord-Korea oder Kuba ist der Anteil höher.

Österreichs Einkommen Europa-Spitze

Stiegen die Reallöhne laut Statistik Austria und EU-Silc seit 1999 insgesamt um „nur“ 5,4% - so taten dies die Haushaltseinkommen inklusive Sozialleistungen im selben Zeitraum um 14,8%. Berücksichtigt man noch die nicht-monetären Leistungen des Staates in Form subventionierter Kindergärten oder Schulen, sind Österreichs Haushaltseinkommen die höchsten in Europa.

Normalerweise ist es Europas Linke, die das Stagnieren der Realeinkommen herbeirechnet und betont (und das gleichzeitige Steigen der Haushaltseinkommen zu erwähnen vergisst) – dass es nun eine in Schieflage gekommene Großbank auch tut, ist mehr als ungewöhnlich.
 


 




Und andere sehen das auch anders ....

Empfehlenswert in diesem Zusammenhang auch die Analyse von Reinhard Göweil in der Wiener Zeitung: http://www.wienerzeitung.at/meinungen/leitartikel/481032_Oekonomie-schoe...

Auch seine Ansätze sind überlegenswert!

Wirklich ein Fake?

Die angeschnitten Fragen und Argumente in diesem Artikel sind zwar grundsätzlich berechtigt, aber ob die Studie tatsächlich ein Fake ist, kann ich mir dann doch nicht vorstellen.

Eine etwas andere Meinung vertritt zB Helmut Graser unter http://www.conwutatio.at/index.php?option=com_content&view=article&id=94... . Er kritisiert dort auch die Reaktion der österreichischen Institutionen!

Originalaussagen von Studienautor Paul Donovan findet man übrigens im Artikel in der Presse vom 23.08.2012 unter http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/1282410/UBS-verteidigt-Ei... .

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