Mittwoch 22. Mai 2013, 23:09

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Österreich ist noch lang nicht EU-Spitze

Bei der Fußball-EM hätte unser Nationalteam wohl keine Chance gehabt  - daher ist es als glückliche Fügung zu sehen, dass sich Österreich erst gar nicht qualifizieren konnte. Ein recht ordentlicher Trost nicht bloß für die rot-weiß-roten Kicker-Fans ist indes das Faktum, dass die Republik in einem aktuellen Eurostat-Ranking punkto Wirtschaftsleistung hervorragend abschneidet.

Österreich ist noch lang nicht EU-Spitze
Österreich ist noch lang nicht EU-Spitze
Bild: Parlamentsdirektion/Carina Ott
Mit einem Pro-Kopf-BIP, das im Vorjahr 129 Prozent des EU-Durchschnitts ausmachte, sind wir immerhin das drittbeste EU-Land. Nur das Großherzogtum Luxemburg - mit einem haushohen Vorsprung - sowie die Niederlande, die uns nur knapp schlagen konnten, rangieren vor Österreich. Diese Bronzemedaille markiert gewiss einen Riesenerfolg, denn im Jahr zuvor lagen wir noch auf Rang fünf. Und jetzt sind - in dieser Reihenfolge - Irland, Schweden, Dänemark, Deutschland, Belgien und Finnland abgehängt, die Briten und Franzosen schon mit beträchtlichem Abstand.

Auf alle Fälle darf diesbezüglich Freude aufkommen, weil mit diesem Wohlstands-Indikator ein weiterer Nachweis erbracht wird, dass Österreich in wirtschaftlicher Hinsicht durchaus flott unterwegs ist: Dass die Arbeits-losenrate mit 3,9 Prozent europaweit die niedrigste ist, wissen wir ja alle hinlänglich, weil die Politiker unentwegt darüber jubeln. Und dass sich obendrein der Leistungsbilanzüberschuss - zuletzt betrug er 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - sehen lassen kann, ist ebenfalls ein motivierender Aspekt. Beim Preisniveau für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen sieht‘s freilich schon nicht mehr so erfreulich aus: Da nimmt Österreich mit einem Indexwert von  107 lediglich einen mittleren Platz ein. Während das Leben etwa im Norden Europas - Spitzenreiter ist  Dänemark mit 142 - , aber auch in Belgien und Frankreich ungleich teurer kommt, sind  immerhin 16 EU-Mitgliedsländer besser als Österreich dran, allen voran die Balkanstaaten, aber auch Polen, das Baltikum, Tschechien sowie Deutschland und das Vereinigte Königreich.

Mittelmaß ist gefährlich

Aus der Fülle der vorliegenden Statistiken über alle möglichen Details  lässt sich freilich kaum ein Trend ablesen, wo genau Österreich im Europa-Vergleich unter dem Strich wirklich zu liegen kommt. Kürzlich haben die Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung den „Monitoring Report 2012“ vorgelegt, in dem die Ergebnisse von nicht weniger als 145 internationalen Ranglisten aufgelistet, untersucht und interpretiert werden. Diese Studie sorgte letztlich für mehr Verwirrung als Klarheit, denn die Zensuren sind letztlich sehr heterogen und keinesfalls auf einen Nenner zu bringen. Wo viel Licht ist - für die Republik sprechen beispielsweise die geringe Arbeitslosigkeit, der starke Export, die Innovationskraft der Betriebe sowie die hohe Lebensqualität - , gibt es bekanntlich ja auch viel Schatten: Bei jenen Vergleichen, wo es etwa um Staatsschulden, das Budgetdefizit, die Steuer- und Abgabenquote bzw. die Reformen in den Bereichen Pensionen, Bildung, Gesundheit oder Verwaltung geht, kann Österreich mit Sicherheit nicht einmal ein bisschen brillieren.

Daher rangiert das Land zum Beispiel kilometerweit hinter Schweden, wo die Schuldenquote von einstmals 80 auf nunmehr 19 Prozent gesenkt werden konnte, was die heimischen Politiker wohl in hundert Jahren nicht schaffen werden. Ein starkes Indiz, dass wir alles in allem an Terrain verlieren, ist zum Beispiel das jüngste Abschneiden im „World Competitiveness Scoreboard 2012“ des Schweizer IMD: Lag Österreich im Jahr 2007 noch auf Platz 11 und im Vorjahr auf Rang 18, wurde neuerdings nur die enttäuschende Position 21 geschafft. Im Klartext: Die Wettbewerbsfähigkeit der Republik hat im internationalen Vergleich sukzessive und geradezu bedrohlich abgenommen. Wir liegen bereits hoffnungslos abgeschlagen hinter den Spitzenländern Hongkong, USA, Schweiz sowie Singapur und müssen uns mit Platz neun unter den EU-Staaten begnügen. Schweden, Deutschland und die Niederlande, aber auch Luxemburg, Dänemark und Finnland sind - wie gewohnt - besser dran, und sogar das Vereinigte Königreich und Irland haben Österreich erstmals überholt.

Nachholbedarf in vielen Bereichen

Rang 9 unter 27 Mitgliedsstatten - das ist alles andere als berauschend. Die permanente Selbstbeweihräucherung unserer Regierung, die gerade so tut, als wären alle guten Platzierungen bloß ihr persönlicher Erfolg, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir vielfach nur Mittelmaß sind, von einem Spitzenplatz in Europa noch ziemlich weit entfernt. Insbesonders in den Bereichen Attraktivität des Standorts, Forschung & Entwicklung oder Bildung & Wissenschaft ist einiger Nachholbedarf zu orten und das Verbesserungspotenzial beträchtlich. WKO-Präsident Christoph Leitl, der kürzlich gemeinsam mit dem mittlerweile ausge-schiedenen IV-Präsident Veit Sorger der Regierung die Leviten las, brachte es auf den Punkt: Wenn sich dieses Land weiterhin mit Mittelmaß - sprich: der Position des Mitläufers - zufrieden gibt, warnte er, werde es einen Verlust an Chancen und auch Wohlstand in Kauf nehmen müssen. Sorgers Ergänzung im O-Ton: „Wir sollten Schweden als Beispiel sehen, wie intelligentes Sparen zu Wirtschaftswachstum führen kann. Und wir dürfen nicht mit standortschädlichen Steuern hantieren, sondern müssten mit Strukturreformen punkten“.

Als einziges österreichisches Wirtschaftsmedium bietet die EU-Infothek ihren Leserinnen und Lesern im Folgenden eine umfassende Dokumentation über die wichtigsten aktuellen Rankings. Schauen Sie sich das an - und ziehen Sie selbst Ihre Schlüsse. Nur eines vorweg: Österreichs Abschneiden kann sich einerseits sehen lassen - vor allem der erste Platz im „Lebensqualität-Index“ von Mercer Consulting ist besonders erfreulich - , doch etliche andere Zensuren müssten schleunigst einen Nachdenkprozess initiieren und die jeweils Verantwortlichen zu Taten inspirieren. Wo immer das Alpenland beispielsweise an 21., 32. oder gar 60. Stelle liegt, sollte automatisch Feuer am Dach sein. Es reicht schon, wenn Rot-Weiß-Rot beim Fußball unter ferner liefen rangiert ...

siehe Anhang: „Monitoring Report 2012“ der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung
 


 

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