ÖGfE-Umfrage: Lösung der Schuldenkrise hat gegenüber EU-Erweiterung Priorität
Die Österreicher sprechen sich in einer aktuellen Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) mehrheitlich für die Aufnahme Kroatiens in die Europäische Union aus. Auch die Aufnahme Islands wird positiv betrachtet. Eine Erweiterung um andere Länder wird aber zurzeit nicht befürwortet: Die Zustimmungswerte zu den weiteren Ländern Ex-Jugoslawiens sowie zur Türkei bewegen sich nach wie vor auf einem niedrigen Niveau.
Stefan Füle
Bild: Europ. Union
Kroatien bleibt, wie schon in den vergangenen Jahren, der Wunschkandidat der Österreicher für den Beitritt zur EU: 54 Prozent der Österreicher begrüßen die EU-Mitgliedschaft Kroatiens (24 Prozent dagegen, 19 Prozent indifferent). Die Zustimmung zum kroatischen EU-Beitritt hat sich nach einem Höhepunkt im September 2010 wieder auf jene Durchschnittswerte eingependelt, die seit dem Jahr 2005 zu vermerken waren.
"Das Ergebnis der aktuellen ÖGfE-Umfrage ist wenig überraschend. Die Bewältigung der Staatsschuldenkrise hat gegenwärtig Vorrang. Das Meinungsbild der Österreicher wird aber auch durch die Diskussion um die Visaliberalisierung und die Debatten um die Wiedereinführung von Grenzkontrollen beeinflusst. Konsolidierung und Erweiterung der EU gehen für die Österreicher zurzeit nicht Hand in Hand", analysiert Paul Schmidt, Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE).
Ein Beitritt Islands würde zurzeit von 45 Prozent begrüßt werden (26 Prozent dagegen, 22 Prozent indifferent). Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Ablehnung leicht, um 5 Prozentpunkte, gestiegen, die Indifferenz um 9 Prozentpunkte.
Türkei: Zustimmung weiterhin gering
15 Prozent sind dafür, dass die Türkei EU-Mitglied wird (69 Prozent dagegen). Im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich praktisch keine Veränderungen im Meinungsbild der Befragten.
"In den Verhandlungen zwischen der EU und der Türkei herrscht derzeit Stillstand. Die Ankündigung der Türkei, die Beziehungen zur EU während der zypriotischen Präsidentschaft im 2. Halbjahr 2012 "einzufrieren", wird das Verhältnis zur EU, und damit auch die Einstellung der Österreicher, in nächster Zeit nicht wesentlich verändern", betont Schmidt.
Rund ein Viertel für Aufnahme weiterer Länder Ex-Jugoslawiens
Seit September des Vorjahres ist die Zustimmung zum EU-Beitritt Mazedoniens (FYROM) deutlich zurückgegangen. 25 Prozent begrüßen die mazedonische EU-Mitgliedschaft (2010: 39 Prozent), 46 Prozent lehnen sie ab (2010: 37 Prozent). Die Zahl der Indifferenten ist von 14 auf 20 Prozent gestiegen.
Das Meinungsbild der Österreicher betreffend jene Länder des ehemaligen Jugoslawiens, die noch nicht auf der Erweiterungs-Kandidatenliste stehen, ist stabil (Vergleichswerte von März 2010):
• 28 Prozent begrüßen den Beitritt von Bosnien-Herzegowina (47 Prozent dagegen) • 27 Prozent begrüßen den Beitritt Montenegros (46 Prozent dagegen) • 25 Prozent begrüßen den Beitritt Serbiens (51 Prozent dagegen) • 21 Prozent begrüßen den Beitritt des Kosovo (56 Prozent dagegen)
Positive Sicht vor allem bei Jungen, Befragten mit Matura und Uni-Abschluss
Generell stehen junge Befragte bis 25 Jahre sowie Personen mit Uni-Abschluss und Matura neuen Erweiterungsschritten am positivsten gegenüber. Befragte mit Berufs,- Handels- und Pflichtschulabschluss sowie Personen ab 66 Jahre zeigen die stärkste Ablehnung.
Die Umfrage wurde von der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft im Auftrag der ÖGfE im September 2011 durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 1.008 Personen.
04.10.2011 15:50:32 ~Markus Stark
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