ÖAMTC kämpft in Brüssel für eine sorgenfreie Fahrt in den Urlaub
Die Fahrt in ein europäisches Urlaubsland kann mitunter zur bösen Überraschung werden: Etwa wenn man in Serbien bei einer Kontrolle kein Ersatzlampenset vorweisen kann oder in Estland ohne Blöcke aus Holz oder Plastik unterwegs ist, um beim Parken ein Rollen des Autos zu verhindern. Um den Bürgern Reisen ins EU-Ausland zu erleichtern, unternimmt der Autofahrerclub ÖAMTC nun in Brüssel einen Vorstoß für eine EU-weite Vereinheitlichung und Vereinfachung der Mitführpflichten.

Bild: ÖAMTC
„Das Problem ist, dass den Autofahrern die Kenntnis dessen, was sie im Ausland alles dabeihaben müssen, nicht zumutbar ist. Der ÖAMTC strebt deshalb eine europaweite Vereinheitlichung an“, so Werber Kraus, Präsident Autofahrerclubs, der die Interessen von mehr als 1,9 Millionen heimischen Autofahrern vertritt, vergangenen Donnerstag in Brüssel. Gemeinsam mit Generalsekretär Oliver Schmerold, ÖAMTC-Chefjurist Andreas Achrainer und der Tourismus-Referentin des Clubs, Silvie Bergant, demonstrierten die Experten im EU-Parlament anschaulich, was man bei einer Reise quer durch Europa alles mitführen muss. In Summe füllen die Dingen einen großen Teil des Kofferraums.
Unwissenheit kann teuer kommen
Die unterschiedlichen Mitführpflichten für Auto, Motorrad, Fahrrad oder Fußgänger in Europa sind für Urlauber und Geschäftsreisende aber nicht nur ärgerlich, sondern können im Falle einer Kontrolle in einigen Ländern ziemlich teuer kommen. So muss man in Belgien für die fehlende Warnweste mindestens 50 Euro berappen, im Strafverfahren drohen sogar bis zu 1375 Euro. In Frankreich muss der Pkw-Lenker mit mindestens 90 Euro für dieses Delikt rechnen. In Italien drohen Strafen von mindestens 38 Euro.Dazu kommt, dass die Forderungen nicht immer gerechtfertigt sind. „So wurden uns regelmäßig Fälle – zum Beispiel aus Italien – gemeldet, in denen die Exekutive die grüne Versicherungskarte verlangt hat. Die Vorlage dieser Karte ist aber längst nicht mehr Pflicht“, betont Achrainer. In Slowenien wiederum benötigen dort zugelassene Pkw ein Ersatzlampenset. Die slowenische Exekutive würde dies auch oft für ausländische Fahrzeuge verlangen. Skurril auch der Fall eines ÖAMTC-Mitglieds, das in Tschechien bestraft wurde, weil es eine spezielle, 14 cm lange, gekrümmte Schere nicht in seinem Verbandskasten hatte. Dabei ist dieses Werkzeug nur für tschechische Pkw vorgeschrieben. „In solchen Fällen stellt sich die Frage, ob Schikane aus persönlichem Kalkül oder Unwissenheit im Vordergrund steht“, meint der Chefjurist.
Verbandspaket, Warnwesten und Warndreieck soll künftig reichen

Bild: ÖAMTC
EU-Richtlinie noch vor Reisesaison 2012 möglich
Auf offene Ohren stößt die Initiative des heimischen Autofahrerclubs nicht nur bei mehreren europäischen Schwesterclubs und dem Dachverband FIA, sondern auch bei allen heimischen EU-Parlamentariern. Hubert Pirker von der ÖVP etwa meinte vor Medienvertretern, dass die österreichischen EU-Parlamentarier den ÖAMTC-Vorschlag als Initiativantrag im zuständigen Ausschuss einbringen wollen. Sein Kollege, Jörg Leichtfried von der SPÖ meinte, dass die EU ohnehin die Menschen mit Vorschriften nerve, die nicht notwendig sind. Ziel sei es, so der Generalsekretär des Autofahrerclus, dass die EU im kommenden Jahr rechtzeitig vor der Reisesaison eine Richtlinie erlässt.
Einen Überblick über die unterschiedlichen Mitführpflichten und Verkehrsbestimmungen gibt es unter www.oeamtc.at/laenderinfo
1. Bild: Ein Ersatzlampenset ist vor allem in den südosteuropäischen Ländern Pflicht
2. Bild: Estland verlangt zwei Klötze aus Holz oder Plastik für die Reifen
3. Bild: ÖAMTC-Generalsekretär Oliver Schmerold demonstriert, wie viele Gegenstände man bei einer Reise quer durch Europa mitführen müsste
Fotos: ÖAMTC



















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