Oberbank-Chef Gasselsberger: „Regionalbanken genießen hohes Kundenvertrauen“
Die Finanz- und Schuldenkrise in Europa hat vielen Großbanken nicht nur wirtschaftlich schwer zugesetzt, viele Institute sind auch mittlerweile bei den Kunden unten durch. Profitiert von dieser Entwicklung profitiert haben die Regionalbanken mit starkem Kundenbezug, sagt Franz Gasselsberger, Chef der Oberbank mit Sitz in Linz.

Bild: Foto Smetana
Das Geschäftsmodell der Oberbank als Regionalbank habe sich auch in der europäischen Finanz- und Schuldenkrise bewährt. Man verfüge über langjährige, enge Kundenbeziehungen und sei erst relativ spät nach Osteuropa gegangen. Es habe sich zudem bewährt, eine Region zu definieren, in der man Märkte und Kunden kennt, so Gasselsberger. Das wichtigste jedoch sei ein professionelles Risikomanagement und bei der Expansion auf organisches Wachstum und nicht auf Unternehmenszukäufe zu setzen, denn dies stelle einen Hauptbedrohungsfaktor für Banken dar.
Banken mit Osteuropa-Schwerpunkt vor Problemen
Gasselsberger geht davon aus, dass all jene heimische Banken, die über kein ausgeprägtes Geschäftsmodell verfügen, weiterhin Probleme haben werden. Es stelle sich hier auch die Frage nach der Existenzberechtigung. „Diese Banken werden auf alle Fälle ihre Bilanzsummen dramatisch zurückfahren müssen. Es wird vermutlich auch im Filialsystem zu Bereinigungen kommen, um die Kosten zu senken. Und bei jenen Banken, die in Osteuropa ihren Schwerpunkt haben, wird es zu einer Redimensionierung der Strukturen kommen“, sagt der Oberbank-Chef. Und wenn Mitbewerber umorganisieren und Strukturen ändern, was die Kundenbeziehungen belaste, sie dies eine Chance für Regionalbanken. Für sein Institut sieht er jedenfalls in Wien, Tschechien und Bayern Potenzial, wo das Netz verdichtet werden soll. Steigerungsmöglichkeiten gebe es weiters im Kommerzkundengeschäft sowie beim Privatkundengeschäft im Bereich des Private Bankings.
Beste Aufsicht kann Bankpleiten nicht verhindern
Grundsätzlich zu begrüßen ist für Gasselsberger die geplante europaweite Bankenaufsicht, wobei einheitliche Standards notwendig seien. „Es kann nicht sein, dass etwa österreichische Institute strenger beaufsichtigt werden als Südosteuropäische. Bankpleiten könnten durch bessere Kontrolle zwar reduziert, aber nicht verhindert werden, es werde immer Pleiten geben, so der Oberbank-Boss.
Generell sei eine Lehre aus der Finanz- und Schuldenkrise in Europa, die sich seit dem vergangenen Herbst entspannt hat, dass die Länder nicht auf Dauern über ihre Verhältnisse leben können. Es gehe langfristig nicht gut, strukturelle Leistungsbilanzdefizite mit Fremdmitteln zu finanzieren. Eine weitere Erkenntnis ist für den Oberbank-Generaldirektor, dass man sich nicht blind auf die Bonität von Ländern und Banken verlassen kann. „Es hat sich gezeigt, dass es keine unsinkbaren Schiffe gibt.“
Wenig abgewinnen kann Gasselsberger hingegen der geplanten Einführung einer Finanztransaktionssteuer in zumindest elf Euro-Ländern. Denn das ursprüngliche Ziel, damit Hochfrequenzhändler und Spekulanten zu bestrafen, werde man mit der geringen Zahl an teilnehmenden Ländern nicht erreichen. Spekulanten weichen auf Länder wie etwa Großbritannien aus, wo sie nicht besteuert werden. Übrig bleibe eine Besteuerung von Privaten und Unternehmen sowie Banken, womit eine reine Geldbeschaffungsaktion übrig bleibe.
Die Oberbank verfügt über 150 Filialen und konnte 2012 mit mehr als 2000 Mitarbeitern den Jahresüberschuss um fünf Prozent auf 132 Millionen Euro steigern.


















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