Dienstag 21. Mai 2013, 06:26

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Nimm an, man stachelt Bürger (wieder) auf – und alle schauen zu …

Wenn Vertreter von Grünen, Caritas und AK mit teils plump gefälschten Armutszahlen die Wut der Bürger aufstacheln, dann empört dies höchstens ein paar Wirtschaftswissenschaftler. Die Mehrheit unserer Bürger scheint sich damit abgefunden zu haben – auch, weil es schlicht keine Medien gibt, die die Horrorzahlen hinterfragen wollen (oder können).

Nimm an, man stachelt Bürger (wieder) auf – und alle schauen zu …
Nimm an, man stachelt Bürger (wieder) auf – und alle schauen zu …
Bild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com/pixelio.de
Am 28.8.2012 war wieder so ein Tag: Mit wahren Schauermärchen über Österreichs soziale Lage verabschiedete sich Salzburgs scheidender Caritas-Direktor Hans Kreuzeder im SN-Interview in seine Pension. Egal, wie dick er auftrug, seine Zahlen wurden nicht hinterfragt.

Die "Untersten 10%" Laut OECD-Studie „Growing Unequal“ hat sich Österreichs Gini-Koeffizient (als Maßzahl für die Verteilung zwischen Arm und Reich) über 25 Jahre hinweg nur um Nuancen verschlechtert – von 0,236 (1985) auf 0,261 (2010). Österreich gehört seit über 25 Jahren weltweit zu den Ländern mit der geringsten Spreizung der Einkommen.
Berücksichtigt man die starke Zuwanderung ungelernter Arbeitskräfte ab den 1980ern und 1990ern, so hat sich die Kluft zwischen armen und reichen „Österreichern“ sogar geschlossen.

Laut EU-SILC 2010 beträgt die Wahrscheinlichkeit der Armutsgefährdung von Nicht-EU-Ausländern 31%, bei eingebürgerten Zuwanderern 25%, bei jungen Türken 56%. Bei Österreichern 10% (Tendenz sinkend) – davon dauerhaft gefährdet sind ohnedies nur 6%! Und selbst auf diese 6% kommt nur, wer vierköpfige Familien mit Haushalts-Einkommen von weniger als 2.165 Euro dazuzählt (EU-Silc 2010).

Laut „Bank Austria Economics & Market Analysis Austria“ vom August 2012 sind die Realeinkommen des untersten Einkommen-Viertels in den letzten 10 Jahren tatsächlich um 9% gesunken. Allerdings ist dies durch Sozialleistungen um ein Vielfaches überkompensiert worden.

Laut Wifo (2009) haben die „Untersten 10%“ im Jahr 1991 zu ihren Einkommen noch zusätzlich 79% an Sozialtransfers erhalten. Im Jahr 2000 waren es bereits 150%, 2005 242%. Damit konnten Klein-Verdiener ihr Einkommen durch Sozialleistungen in 20 Jahren real verdreieinhalb-fachen.

Die Entwicklung österreichischer  Einkommen seit 1999 Tatsächlich sind die Realeinkommen des „untersten Viertel“ etwas gesunken – aber nur, weil in Österreich nach jeder Wahl Steuern erhöht werden, um die Wahlgeschenke „für kleine Leute“ zu finanzieren.

Beispiel: SPÖ „Anti-Teuerungspaket“ vor NR-Wahl 2008, danach Sparpakete 2009, 2011, 2012.
ABER: Die höheren Steuereinnahmen fließen vor allem dem unteren Viertel in Form höherer Sozialleistungen wieder zu – und erhöhen damit das viel aussagekräftigere Haushaltseinkommen.

So sind die Realeinkommen laut Wifo seit 1999 „nur“ um 5,4% gestiegen, die Haushaltseinkommen aber um 14,8%. Berücksichtigt man Sachtransfers (Gesundheit, Bildung, Kinderbetreuung), zählen Österreichs (untere) Haushaltseinkommen zu den höchsten Europas.

Österreichs Staatsausgaben-Quote ist mit 52% eine der höchsten der Welt. In keinem anderen Land nehmen Sozialleistungen einen höheren Anteil am Haushaltseinkommen ein: Fast 37% bezieht ein österreichischer Haushalt heute schon aus Sozialleistungen. Nur in Nord-Korea und in Kuba ist der Anteil höher.

Eine berühmte Studie des Joanneum Research betrachtete die Situation dreier Grazer Familien mit jeweils zwei Kindern (2009): Die „arme“ Familie bezog ein Haushaltseinkommen von 950 Euro monatlich, die „mittlere“ das doppelte, nämlich 1.900 Euro; und die „reiche“ wiederum das doppelte, also 3.800 Euro. Aufgrund europaweit einzigartiger Sozialleistungen verfügen aber alle drei Familien über ein annähernd gleich hohes Haushaltseinkommen.
Die Familie mit 950 Euro Brutto hatte bei 950 Euro Brutto zwar nur ein Realeinkommen von 807 Euro – was von Caritas und AK nun lautstark kritisiert werden würde. Doch mit Sozialleistungen kommt die Familie schlussendlich aber auf 2.817 Euro – ein Plus von über 2.000 Euro Cash! Oder 250%! Davon sprechen Österreichs selbst ernannte Moralisten nicht. Die Familie mit 1.900 Brutto hat ein Realeinkommen von 1.614 Euro – dank Sozialleistungen aber 3.217 Euro zur Verfügung. Und der Manager, der mit 3.800 Euro Brutto wiederum doppelt so viel verdient, hat real mit 3.256 Euro nur um 39 Euro mehr als sein Mitarbeiter mit dem halben Lohn.

Der Preis dafür? Österreich hat mit 50% einen der höchsten Spitzensteuersätze der Welt – fast nirgendwo greift er schon so früh: nämlich beim 2,1 fachen des Durchschnittsgehaltes von 2.000 Euro.

Wer behauptet, in Österreich ginge es nicht gerecht zu, weil die Reichen sich nicht an der Umverteilung beteiligen würden, kennt diese Zahlen nicht – oder will sie nicht kennen, weil sie nicht in sein depressives Weltenbild passen. Oder er möchte die Gesellschaft schlicht gegen „das System“ aufbringen.

Drei Familien im Vergleich

Katholischer Sozialismus – marxistischer Sozialismus

Wer von Österreich als einem wirtschaftsliberalen System spricht, hat hier lange nicht gelebt – oder er will die Menschen bewusst zu Wut-Bürgern aufstacheln. Dabei sinkt nicht nur die relative, sondern auch die absolute Armut schon seit Jahren. Und im Gegensatz zu früher besitzen „manifest Arme“ heute selbstverständlich Farbfernsehgerät, Waschmaschine und Telefon – damit haben sie am Wohlfahrtszuwachs der Gesellschaft voll teilgenommen.

Kreuzeder ist nicht der erste Caritas-Chef, der das ohnehin schon aggressive Gesellschaftsklima weiter anheizt. Er ist auch nicht der erste, der dabei keine (Medien-)Kritik fürchten muss. Warum sehen aber alle (wieder) zu?

Betriebswirtschaftlich Ungebildete – Theologen wie Marxisten - unterliegen dem antiken Irrtum des Nullsummenspiels. Dieses besagt, dass jemand nur reicher werden kann, wenn dafür ein anderer ärmer werden musste (Kommunist Brecht: „Wärst du nicht reich, wär´ ich nicht arm!“). Über Tausende Jahre der Genese von Juden- und Christentum hinweg stimmte das auch, weil es kein Wirtschaftswachstum gab. Seit 300 Jahren gibt es aber Wachstum satt: Wer heute Geld hat, der hat produziert. In der Höhe seines Umsatzes brachte eine Notenbank neu gedruckte Geldscheine über Beamtengehälter in Umlauf. Eine Gesellschaft hat nun mehr Güter und mehr Geldscheine. Lieferanten haben Aufträge und Hungerleider ihre ersten Jobs. Alle wurden reicher – niemand ärmer.

Das Christentum hat wie das Judentum (Karl Marx entstammte einer Rabbinerfamilie) diese epochale Änderung unseres Daseins aber nicht antizipiert. Und beide Kulturen finden in ihrer antiken Gedankenwelt keine Erklärung für unseren modernen Massenreichtum. Für sie muss es für jeden Reichen irgendwo auch einen Arme geben, die die Zeche zahlen musste. Und weil sich diese Armen freilich nicht finden wollen, dreht man an den Zahlen. Gern spricht man von „versteckter“ Armut.

Und weil Österreichs Wirtschaftsjournalisten nur ausnahmsweise irgendwann im BWL-Unterricht gesessen sind, teilen sie die antike Fehleinschätzung. Und taugen damit auch nicht für ein demokratisches Gegengewicht.

Der zweite Grund, warum man bei der Caritas gerne flunkert, resultiert in Österreichs allerjüngster Geschichte: Die Caritas hat sich stets für eine unkontrollierte Zuwanderung stark gemacht. Diese, und nur diese, hat nun zu einer leichten Vergrößerung der „Kluft“ geführt („Gini-Koeffizient)“. Nun den Grund dafür aber bei einem „neoliberalen Wirtschaftssystem“ zu suchen, ist leicht durchschaubar – aber unmoralisch.

 


 


 




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