Mittwoch 26. Juli 2017, 10:50

Interviews

Niki Berlakovich – der grüne schwarze Minister

Österreich will EU-Musterschüler in Sachen Klimaziele, Erneuerbare Energien, „Green-Jobs“ und Elektromobilität sein. Obwohl der Trend bei vielen Themen in die Gegenrichtung weist, hält die Politik an den Zielen fest. Eine Schlüsselrolle dabei hat das Lebensministerium von BM Niki Berlakovich (VP). Im Interview mit EU-Infothek präzisiert der Minister seine Ziele und die Wege, wie er die Energiewende doch noch schaffen will.

Niki Berlakovich – der grüne schwarze Minister
Niki Berlakovich – der grüne schwarze Minister
Bild: BMLFUW/Newman
Herr Bundesminister, erneuerbare Energieträger werden in der EU stark vorangetrieben. Wie zufrieden sind Sie mit den Umsetzungsfortschritten auf nationaler Ebene?

Der Trend geht in eine positive Richtung. Seit 2006 konnten alle Mitgliedsstaaten den Anteil an Erneuerbarer Energie im Gesamtverbrauch steigern. Vor allem Rumänien und Estland können beeindruckende Zuwächse verbuchen. Dies ist wichtig, denn nur gemeinsam können wir das Ziel, den Anteil der Erneuerbaren Energie bis 2020 europaweit auf 20% anzuheben, erreichen. In Österreich liegen wir derzeit bei 30,4%. Wir liegen damit momentan in Europa an vierter Stelle und es zeigt, dass unser Ziel - Energieautarkie bis 2050 - möglich ist.

In Deutschland muss bezüglich Ökostromförderung für Windkraft und Fotovoltaik bereits zurückgerudert werden. Sehen Sie für Österreich trotzdem noch Ausbaumöglichkeiten oder ist auch hierzulande der Zenit überschritten?

Wir haben in unserem Land noch viel Potential und entsprechende Förderprogramme. Sowohl die Förderung von großen Solaranlagen und von privaten Photovoltaikanlagen als auch der Austausch fossiler Heizsysteme durch Erneuerbare Energien leistet einen wichtigen Beitrag zur Energieautarkie. Aber auch in der Wasserkraft und in der Biomasseproduktion sind erhebliche Fortschritte erkennbar. Außerdem setzen wir auch auf Regionalität – auch beim Thema Energieeffizienz. Mit dem e5 - Programm für energieeffiziente Gemeinden beispielsweise haben wir ein Programm zur Qualifizierung und Auszeichnung von Gemeinden in den Bereichen Energieeffizienz und Klimaschutz entwickelt. Kaum eine andere Initiative kann auf Gemeindeebene einen ähnlich erfolgreichen wie umfassenden und konsequenten Ansatz vorweisen.

Wie lange werden wir uns den teuren Ökotrend überhaupt noch leisten können? Die Sorgen vor einem wirtschaftlichen Absturz Europas sind doch inzwischen nicht mehr ganz unberechtigt?

Mit der Ökologisierung der Wirtschaft machen wir uns auf Dauer unabhängiger von Importen und sparen dadurch eine Menge. Wir investieren einmal und gewinnen langfristig mehrfach. Denn es geht um Lebensqualität, um Nachhaltigkeit und mehr Bewusstsein. „green economy“ - grünes Wachstum der Wirtschaft ist die Zukunft. Österreich ist in diesem Bereich bereits Vorreiter – 210.000 Personen arbeiten in Österreich schon in „green jobs“.

Bei einem Vortrag zur Energiepolitik Europa sagten Sie: „Wir tun reichlich viel. Nur geht vieles unter“ Was war damit gemeint?

„Energieautarkie bis 2020 schaffen wir“

Ich sage, wir sind auf einem guten Weg. Wir investieren in Erneuerbare Energie, schaffen damit Arbeitsplätze und setzen auf Nachhaltigkeit. Energieautarkie bis 2050 schaffen wir, wenn wir diesen Weg engagiert verfolgen. Klar ist aber, dass noch viel passieren muss. Viele Themen gehen leider in der medialen Berichterstattung unter.

Wo sehen Sie die Schwachstellen im System, was sollte besser gemacht werden?

Leider sind andere Themen meist präsenter, wie die Wirtschaftskrise, Eurozone oder andere Katastrophenmeldungen – nach dem Motto „only bad news are good news“.

Fühlen Sie sich als „Rufer in der Wüste“, dem man zu wenig Gehör schenkt?

Ich setze auf effiziente Arbeit und wie man sieht, gibt uns der Erfolg recht: Österreich ist Vorreiter in Sachen Umweltpolitik, „green growth“ und „green jobs“. Auch unsere regionalen Konzepte sind sehr erfolgreich und fördern die Wertschöpfung innerhalb der Regionen. Und mit diesen positiven Ergebnissen schaffen wir uns auch eine bessere Position mit Vorbildwirkung in europäischen oder globalen Debatten.

Welche Themen sollten vorrangig behandelt werden?

Das wichtigste Zukunftsthema ist die Verbindung von Ökonomie und Ökologie und das in allen Bereichen. „Green-jobs“, nachhaltiges Wachstum, Lebensmittel, Landwirtschaft, Energie – wir müssen auf grünes Wachstum setzen. Nur diese Strategie bringt Unabhängigkeit, Sicherheit und Stabilität.

Welcher der erneuerbaren Energiequellen geben Sie die größte Chance?

Es geht um einen Mix und darum, regionale Gegebenheiten zu berücksichtigen. In Österreich haben wir viele mögliche Spender von Erneuerbarer Energie - Wind, Wasser, Biomasse, Sonne.

„250.000 E-Fahrzeuge bis 2020“

Wie stehen Sie zu E-Mobilität?

Als Umweltminister will ich Mobilität nicht verbieten, sondern klimafreundliche Alternativen aufzeigen. Die Elektromobilität wird in Zukunft eine große Rolle spielen. Die Ökobilanz fällt für Elektrofahrzeuge schon heute deutlich besser als für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor aus. Ich selbst fahre in der Stadt mit einem E-Fahrzeug. Mit Modellregionen beweisen wir die Alltagstauglichkeit der E-Mobilität.

Gehen Ihnen die Entwicklungsschritte bei E-Mobilität rasch genug?

E-Mobilität ist auch ein Schwerpunkt in der Österreichischen Energiestrategie. Bis 2020 wollen wir 250.000 Elektrofahrzeuge auf Österreichs Straßen haben. Daran arbeiten wir jetzt.

Wie sehen Sie die Problematik mit dem Ladenetz, wer soll die Kosten tragen?

Wir fördern beispielsweise die Umrüstung von Tankstellen. Und was die wenigsten wissen: man kann Elektrofahrzeuge an jeder Steckdose laden.

Was wäre Ihr Traumjob, wenn Sie nicht Umweltminister wären?

Ich interessiere mich seit meiner Jugend für Geschichte und Kultur, daher wäre ich vermutlich Archäologe geworden.

Vielen Dank für das Gespräch.




Ein kleines Biosprit E10 Debakel!

Im Interview klingt das ja alles recht nett, aber jetzt hat sich der Minister ein schönes Problem mit dem Biosprit E10 eingehandelt. Alles nachzulesen im Standard unter http://derstandard.at/1343744939256/Breite-Politikerfront-ist-gegen-E10 !

Die ätzenden Bemerkungen im dortigen Forum treffen ziemlich ins "Schwarze"!

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