Neue Wege der Risikoanalyse häuslicher Gewalt durch EU-Projekt E-Maria
12 bis 15 Prozent aller europäischen Frauen über 16 Jahre wurden laut Europarat bereits Opfer häuslicher Gewalt (2008). Das europaweite Projekt „E-Maria – European Manual for Risk Assessment“ will diesen Entwicklungen entgegenarbeiten und einen Beitrag leisten, Frauen und Kindern ein Leben ohne Gewalt zu ermöglichen.

Bild: e-maria.eu
Checklisten reichen nicht aus
Um Professionalist die umfangreichen Risikofaktoren häuslicher Gewalt näher zu bringen, entwickeln die vier Partnerorganisationen - Association of Women Against Violence (PT), BUPNET (DE), Social Innovation Fund (IT) und die Berater®(AT) - im Rahmen des Projekts E-Maria ein Europäisches Handbuch für die Risikoabschätzung häuslicher Gewalt. Teil dieses Handbuchs sind Prinzipien und Richtlinien, die ProfessionalistInnen in ihrer täglichen Arbeit der Risikoeinschätzung unterstützen sollen. Spezielles Augenmerk wird auf die Bedeutung von Netzwerken und die Zusammenarbeit der Behörden und unterstützenden Institutionen gelegt.
Für die praktische Schulung von ProfessionalistInnen sowie Betroffener häuslicher Gewalt werden in E-Maria Trainings für die jeweiligen Zielgruppen erstellt. Das Training sowie das Europäische Handbuch sollen bestehende Instrumentarien zur Risikoabschätzung häuslicher Gewalt ergänzen, um Situationen häuslicher Gewalt nicht rein an Resultaten von Checklisten zu beurteilen sondern den einzelnen Situationen ihren individuellen Charakter einzugestehen. Ein spezielles Trainingsprogramm für Betroffene häuslicher Gewalt zielt darauf ab, die Frauen auf dem Weg aus der Opfersituation zu begleiten und sie in ihrer Unabhängigkeit zu stärken.
Gemeinsame Sprache ermöglicht gemeinsame Arbeit
Eine erfolgreiche Prävention häuslicher Gewalt ist erzielbar, sofern Polizei, Gericht und Beratungs- sowie Opferschutzeinrichtungen zusammenarbeiten. Prämisse hierfür ist eine gemeinsame Sprache über die Risikofaktoren und Dynamiken häuslicher Gewalt. Institutionen und Organisationen, die mit Opfern häuslicher Gewalt arbeiten, dürfen sich trotz entwickelter Instrumentarien der Risikoabschätzung nicht rein auf diese automatisierten Prozesse stützen. Ein gemeinsames Verstehen der Risikofaktoren und Dynamiken häuslicher Gewalt ermöglicht ProfessionalistInnen die jeweilige Situation besser einzuschätzen und individuell darauf zu reagieren.
Kinder inmitten häuslicher Gewalt
Bis zum Beenden einer Gewaltbeziehung vergehen oft einige Jahre, in denen Kinder zum Opfer bzw. zu Zeugen werden. Zudem besteht in der Phase der Trennung ein erhöhtes Risiko des Opfers und deren Kinder schwer misshandelt, verletzt oder getötet zu werden. ProfessionalistInnen müssen somit auch das Risiko häuslicher Gewalt gegen eventuelle Kinder im Haushalt beurteilen. Durch die Vielzahl an Instrumentarien gelangen ProfessionalistInnen noch immer zu unterschiedlichen Handlungsempfehlungen. Die in E-Maria entwickelten Werkzeuge sollen dazu dienen, einen ganzheitlichen Blick auf Situationen häuslicher Gewalt zu bekommen und Personen, die bereits mit häuslicher Gewalt in Berührung kamen, zu einem gewaltfreien Leben zu verhelfen.


















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