Mittwoch 22. Mai 2013, 05:24

Energie & Ressourcen

NER300: Rückenwind für 23 Projekte

Die Förderentscheidungen der Europäischen Kommission sind gefallen. Für 23 Projekte gibt es Fördergelder. Erneuerbare Energien bilden das Rückgrat der Energiewende. Jetzt stehen 1,2 Milliarden Euro Starthilfe für zukunftsweisende Referenzprojekte quer durch Europa bereit. CCS muss warten, es geht um Nachhaltigkeit.

NER300: Rückenwind für 23 Projekte
NER300: Rückenwind für 23 Projekte
Bild: Petra Bork/PIXELIO/©www.pixelio.de
Emissionszertifikate beleben die Energiewende: Mangels förderfähiger CCS-Projekte profitieren  erneuerbare Energiequellen von dem Erlös aus dem Emissionshandel. Sei es mangels Rückbestätigung für Finanzierungszusagen durch die Mitgliedstaaten, Finanzierungslücken oder schwerwiegenden Verzögerungen am Projekt, in Phase Eins von NER300 bleiben CCS-Projekte unberücksichtigt, die nicht genutzten Mittel des ULCOS-Projekts werden kurzerhand in die nächste Förderrunde übertragen. Die Erneuerbaren Energien sind zweifelsohne Nutznießer dieser glücklichen Fügung. Quer durch Europa bekommen zahlreiche Referenzprojekte die Gelegenheit, die Leistungsfähigkeit der erneuerbaren Energien unter Beweis zu stellen. Fördergelder über 1,2 Milliarden Euro sind ein recht solide Starthilfe in eine emissionsarme Zukunft.      

NER300 sichert Innovation

Die Hälfte der innovativen Komponente eines Projektes wird mit NER300 gedeckt. Das bedeutet, dass Mehrkosten gegenüber konventionellen Technologien gefördert werden, dazu kommen Mittel aus privaten und nationalen Investitionen und Förderungen, um die verbleibenden 50 % der innovativen Komponente abzudecken. Fortschritt und Entwicklung sind eben eine lohnende Angelegenheit, auch in finanzieller Hinsicht.

Bioenergie und die neue Generation Biokraftstoff

88,5 Millionen Euro in Finnland, 28,4 Millionen in Italien, etwas mehr in Polen sowie 170 Millionen Euro Fördermittel in Frankreich unterstreichen die Wichtigkeit von Bioenergie und Biokraftstoffen der nächsten Generation. Dazu kommen nochmals 199 Mio. Euro an Fördermittel in den Niederlanden sowie knapp 90 Millionen in Schweden und weitere 22,3 Millionen in Deutschland. Diese Förderbeträge verdeutlichen eindrucksvoll den aktuellen ideologischen Schwerpunkt der Kommission. Biomasse ist sichtlich im Vormarsch, die Entwicklung von Biotreibstoff einer neuen Generation wird mit Nachdruck vorangetrieben. Alleine vom finnischen Ajos BTL erhoffen sich Experten einen Output von zumindest 115,000 Tonnen Biotreibstoff pro Jahr.   

Italien: Turbogetreide für Biosprit

Selektierte Energiepflanzen sind Ausgangsstoff für die neue Generation von Biokraftstoff. Die  Demonstrationsanlage wird in der Nähe von Turin angesiedelt und soll eine Kapazität von gut und gerne 51 Millionen Liter pro Jahr aufweisen. In Polen soll es an die Produktion der zweiten Generation von Bioethanol gehen. In Frankreich soll UPM Stracel BTL aus über einer Million Tonnen Biomasse auf Holzbasis jährlich satte 105,000 Tonnen Biotreibstoff machen. Augenfällig daran ist, dass besagte Anlage in den bereits laufenden Betrieb einer Papiermühle integriert wird, wodurch eine optimale Energieeffizienz erzielt werden kann. Aus den Niederlanden darf ein neuer Treibstoffzusatz erwartet werden, welcher Mineralöl zumindest teilweise ersetzen soll. Das holzreiche Schweden liefert laut Vorgaben 800 GWh pro Jahr Gas, welches aus minderwertigen Restholzbeständen produziert werden soll, dazu kommen weitere 750 GWh Energie aus getrockneter Biomasse.         

Sonnenenergie aus Griechenland

Sowohl Zypern als auch das sonnenreiche Griechenland bieten nahezu ideale  Voraussetzungen für Solarkraft. In der Nähe von Larnaca werden 200 ha Land für Sonnenenergie bereitgestellt, Helios Power soll den nationalen Energiemix bereichern. MAXIMUS und MINOS bereichern den Energiemix in Griechenland. Die Solarfarmen werden laut Kalkulation 75,3 MWe aus der Region Florina sowie 50 MWe aus dem Südosten Kretas in das Netz liefern. Dass Griechenland jedoch in der glücklichen Lage wäre, Offshore-Windleistungen zu Onshore-Preisen zu liefern, bleibt vorerst jedoch unberücksichtigt, das stand sichtlich nicht zur Debatte. Spanien gibt einen weiteren Kandidaten für Solarkraft ab, hier setzen die Experten auf solarthermische Anlagen. Die Fördergelder belaufen sich dabei auf 46,6 Millionen Euro für Zypern, die Griechen stauben 44,6 für Maximus sowie weitere 42,1 Millionen für Minos ab, die Spanier dürfen sich über beachtliche 70 Millionen freuen.

Windkraft in Deutschland, Frankreich, Schweden

Innogy und Veja Mate sorgen für frischen Wind. Die Windparks werden mit 70 bzw. 112,6 Millionen gefördert. Die Offshore-Anlage Innogy mit 54 Turbinen ist für eine durchschnittliche Kapazität von 332 MW gut, Veja Mate soll es auf 208 MW bringen, hier werden nach Vollausbau 32 Turbinen bemüht. In Marseille / Frankreich kommen 13 Windturbinen in den Genuss von Fördergeldern, der Betrag beläuft sich auf 34,3 Millionen. Portugal bringt es auf gerade mal 30 Millionen an Zuschüssen, die Anlagen in Küstennähe werden in zwei Bauabschnitten errichtet. Schweden darf sich über 15 Millionen Fördergeld freuen, im Gegenzug dafür liefern 90 Windturbinen reichlich Energie aus dem arktischen Nordschweden. Das sollte für satte 225 MW reichen. Die Besonderheit dabei ist ein innovatives Enteisungssystem an den Windflügeln. Nach Österreich hingegen gehen gerade mal 11,3 Millionen Fördermittel.    

Turbinen auch zu Wasser

Wesentlich exotischere Projekte befinden sich im UK und in Irland. Gezeitenkraftwerke sollen den Meeresströmungen Energie entziehen, doch die Ausbeute dürfte sich in eher bescheidenen weil sehr überschaubaren Grenzen halten und mehr Symbolwert als Nutzwert aufweisen, zumal Experten bei dieser Art der Energiegewinnung beträchtliche Auswirkungen auf die Umwelt befürchten. Trotzdem gehen knapp 40 Millionen für diesen sensiblen Bereich auf, die Resultate und vor allem die Nebenwirkungen sollten eingehend analysiert werden.

Geothermik in Ungarn

Ferencszállás: 39,3 Millionen Fördergelder sind eine feine Sache. Im Gegenzug dazu gibt es reichlich Wärme aus der Tiefe. Heißer Dampf bringt Turbinen ins Rotieren, der fröhlichen Energiegewinnung sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Die dafür erforderlichen Bohrungen reichen mehr als vier km in die Tiefe. Aus technischer Sicht gesehen ist jedoch ein ansehnlicher Kraftaufwand erforderlich, um etwas Energie zu gewinnen. Die entsprechende Energiebilanz darf bereits vorab als überaus spannende Angelegenheit gewertet werden, Experten rechnen mit 8,9 MWe.  

Belgien: 8,2 Millionen für Smart Grids

In Lommel sollen fünf exemplarische Blocks mit Smart Grids beweisen, dass intelligente Energiesteuerung spürbare Vorteile bewirkt. Ein flexibler Energiemarkt in Verbindung mit entsprechender Steuertechnik soll Energieflüsse im Netzwerk besser sichtbar als bisher und damit zugleich auch nachvollziehbar machen.

NER300 ist prädestiniert, um der Energiewende neues Leben einzuhauchen. Wir bleiben dran!


 




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