Samstag 18. Mai 2013, 10:19

Bildung & Kultur


„Müssen junge Talente aus dem Ausland an die heimischen Unis bringen“

Microsoft, Google, Facebook: Drei Unternehmen, die für den für Vorsprung der USA gegenüber Europa insbesondere im Bereich der Informationstechnologie stehen. Trotzdem bräuchten wir unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, meint der Professor Bruno Buchberger, Österreichs Wissenschafter des Jahres 2010. Seine Zauberformel lautet: „Wir müssen die besten Köpfe aus aller Welt an unsere Universitäten holen.“

Bruno Buchberger
Bruno Buchberger
Bild: privat
Der aus Tirol stammende Gründer des zur Johannes Kepler Universität (JKU) Linz gehörenden RISC-Instituts für symbolisches Rechnen im oberösterreichischen Hagenberg exerziert seit Jahren vor, wie man den Weg zur Weltspitze schaffen kann.  Das JKU International PhD Program for Symbolic Computation und der kostenpflichtige  Master-Studiengang „Informatics Engineering and Management“  in der kleinen Mühlviertler Gemeinde werden ausschließlich in Englisch angeboten, was die besten jungen Talente aus aller Welt in diesem Bereich der Mathematik und Informatik  nach Oberösterreich lockt.

Etliche Absolventen bleiben in der Folge Oberösterreich als Forscher oder als Lehrkräfte an der ebenfalls von der JKU ins Leben gerufenen Fachhochschule  in Hagenberg erhalten oder gründen im JKU Softwarepark Hagenberg ihr eigenes Unternehmen, schaffen Arbeitsplätze und stärken damit den Standort Oberösterreich. Das weltweit renommierte RISC-Institut beschäftigt 40 Experten in der Grundlagenforschung sowie weitere 40 in der angewandten Forschung. Erst im vergangen Juli erfolgte der Spatenstich für die Erweiterung des Instituts. Diesen Weg der Öffnung für Studenten aus dem Ausland sollten laut Buchberger auch andere heimische Universitäten einschlagen und die so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zur Gänze auf Englisch umstellen. „Jene Hochschule, die diesen Schritt wagt, wird sehr schnell zur Spitze aufsteigen“, meint der weltweit gefragte Wissenschafter, der bereits im Alter von 23 Jahren die Theorie der Gröbnerbasen - ein grundlegendes Verfahren der Computer-Mathematik - entwickelte.

Grundlagenforschung als Basis für technologischen Fortschritt

Dental Jazz Trio; re. B. Buchberger
Dental Jazz Trio; re. B. Buchberger
Bild: privat
Die Universitäten und die Grundlagenforschung sind es, die nach Meinung von Buchberger die Basis für technologische Erfolge legen. So hätten die USA den Vorteil, ein mehr als 200 Jahre alter homogener Staat ohne sprachliche und administrative Barrieren zu sein. Als klassisches Einwanderungsland würden die Vereinigten Staaten die Besten aufnehmen, was insbesondere für deren Universitäten gelte. „Wenn bei uns jemand im Softwarepark Hagenberg eine Idee für ein neues Software-Produkt hat, kann er es zunächst in Österreich vermarkten, wird eine Million Umsatz erzielen und vielleicht einen Mitarbeiter einstellen können.

In den USA kann man mit derselben Idee einen um ein Vielfaches höheren Umsatz erzielen und wesentlich mehr Mitarbeiter einstellen, was wiederum die Chancen für eine weitere Expansion deutlich erhöht“, bringt der Vordenker einen gravierenden Unterschied auf den Punkt. Zudem seien die Amerikaner sehr schnell in der Umsetzung von einer Idee in ein marktreifes Produkt, spezialisierte Fonds würden gezielt große Summen in ein Projekt stecken.

Incubator-Programm hat voll eingeschlagen

Um auch in diesem Punkt den USA das Wasser reichen zu können, hat Buchberger das „International Incubator Hagenberg“-Programm entwickelt. Dabei coacht ein Team von Experten  mit finanzieller Unterstützung des Landes OÖ Jungunternehmer aus dem IT-Bereich, um aus deren vielversprechenden Ideen marktreife Produkte zu machen.  So wird ein konkreter Businessplan entwickelt, Mentoren und Gutachter bewerten laufend den unternehmerischen Fortschritt. Als Finanzier fungiert  mit Beteiligungskapital die Raiffeisenlandesbank OÖ.

40 Ideen wurde innerhalb des letzten Jahres unter die Lupe genommen, fünf davon erhielten eine Anschubfinanzierung – eine durchaus beachtliche Erfolgsquote. „Ein von uns gecoachtes Jungunternehmen aus Hagenberg plant nun sogar die Gründung eines Ablegers im kalifornischen Silicon Valley“, schildert Buchberger. Angesichts des großen Interesses seitens der Investoren will er nun das Programm international vermarkten.


 




Junge Talente, FH Hagenberg

Talente aus dem Ausland, schön und gut, es hätte aber für Österreich mehr Sinn, eigene Leute, so gut es geht, auszubilden und nicht aus den Unis auszusperren.

Wenn die Unis für mehr Studenten ausgebaut würden, käme aus der großen Menge sicherlich eine beachtliche Zahl exzellenter Fachleute heraus.

Und es würde Österreich auch nicht schlecht anstehen, seien Akademikerquote zu erhöhen.

In diesem Sinn: freier Universitätszugang mit ausreichenden Plätzen und Personal. Ich bin mir sicher, die Mehrkosten kommen bereits nach wenigen Jahren wieder herein.

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