Freitag 18. Mai 2012, 20:29

Reportagen

Mühlviertler Kräuterbauern wollen von Förderungen unabhängig werden

Eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht, ist die vor 25 Jahren von 20 Bauern im Mühlviertler Ort Sarleinsbach gegründete Bergkräutergenossenschaft. Um die steigende Nachfrage nach Gewürzen, Tees und Kräuterbädern aus dem In- und Ausland decken zu können, sucht Geschäftsführer Karl Dirnberger nach weiteren Landwirten, die auf den biologischen Kräuteranbau umsteigen wollen.

Mühlviertler Kräuterbauern wollen von Förderungen unabhängig werden- eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht.
Mühlviertler Kräuterbauern wollen von Förderungen unabhängig werden- eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht.
Bild: Karl Dirnberger/Kräuterbauern
Lautete im Gründungsjahr 1986 noch das Ziel, durch gemeinsamen Anbau und Verkauf von Kräutern die landwirtschaftlichen Betriebe abzusichern und vollwertige Lebensmittel herzustellen, strotzt die aus aktuell 32 Bauern bestehende Genossenschaft heute vor Selbstbewusstsein. „Wir wollen erreichen, dass unsere Bauern in der Genossenschaft von Förderungen unabhängig werden“, erläutert Dirnberger. Dies würde auch Verunsicherungen, wie es künftig mit den Agrarförderungen weitergeht, beseitigen. An einem Konzept zur Erreichung dieses Zieles wird laut Dirnberger bereits seit dem Jahr 2010 gearbeitet, nun soll in der Generalversammlung grünes Licht für die Umsetzung gegeben werden.

Ständige Suche nach neuen Kräuterbauern

Parallel dazu läuft die Suche nach neuen Bauern, die auf den zukunftsträchtigen biologischen Kräuteranbau umsteigen wollen. Allein zehn neue Anbauer könnte die Genossenschaft heuer noch brauchen. Dies ist aber alles andere als einfach, weil diese Art der Landwirtschaft sehr arbeitsintensiv ist, konkret viel Handarbeit erfordert. „Wir müssen in Workshops und Vorträgen viel Überzeugungsarbeit leisten, denn kaum jemand ist bereit, mit einer Anbaufläche von fünf Hektar einzusteigen“, sagt der Geschäftsführer. Daher setzt die Bergkräutergenossenschaft auf den Vertragsanbau vor allem in Niederösterreich und Burgenland, um die steigende Nachfrage decken zu können. So soll heuer eine Rekordmenge von 240 Tonnen Kräutern von 40 Mitarbeitern – großteils Teilzeitkräfte – verarbeitet werden.

Auch James Bond wirbt für Bergkräuter

Dank der hohen Qualität der Produkte, dem Trend zur Regionalität und gezieltem Marketing setzt neben etlichen kleinen Händlern mittlerweile auch Österreichs Nummer eins am Lebensmittelmarkt, Rewe, mit einer Ja! Natürlich Bio-Linie auf die Gewürze und Tees aus dem Mühlviertel. Hauptkunde ist aber der Handelsriese Spar, bei dem sogar Ex-James Bond-Darsteller Pierce Brosnan für die Premium-Produktlinie wirbt. Zudem sorgt ein deutsches Teehaus mit vielen Franchisepartnern dafür, dass Europa mittlerweile zum Heimmarkt für die Hirschbacher geworden ist. Mit der Zahl der Kunden ist auch die Angebotsvielfalt gestiegen – mehr als 30 Produkte sind mittlerweile im Shop vor Ort in Hirschbach, online oder bei den diversen Handelspartnern in Österreich, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und anderen Ländern erhältlich.

Beste Genussregion 2011

Um die Aufwärtsentwicklung abzusichern, hat die im vergangenen Jahr zur besten Genussregion Österreichs gekürte Bergkräutergenossenschaft eine Million Euro im Rahmen eines EU-geförderten Leader-Projektes in einen 660 Quadratmeter großen Zubau investiert, der im Oktober vergangenen Jahres offiziell eröffnet wurde. Damit hat sich die Fläche des 1998 errichteten Betriebsgebäudes in Hirschbach bei Freistadt verdoppelt. Da der Standort im so genannten Ziel-2-Gebiet lag, kam die Genossenschaft auch damals in den Genuss von EU-Förderungen, die – wie man sieht – gut eingesetzt wurden. „Wir zeichnen mit diesem Preis die Besten der Besten in Österreich, dem Feinkostladen Europas, aus“, sagte Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich anlässlich der Auszeichnung zur besten Genussregion.
 


 




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