Mittwoch 19. Juni 2013, 14:05

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Mister Euro hat genug

Der Beste geht - und noch dazu zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Jean-Claude Juncker, Premierminister des Großherzogtums Luxemburg, wird sich demnächst als Chef der Euro-Gruppe zurückziehen und eine riesige Lücke hinterlassen.

Jean Claude Juncker - Mister Euro hat genug
Jean Claude Juncker - Mister Euro hat genug
Bild: lisboncouncil/flickr.com
Der 58jährige Politiker, der diesen Job 2005 ursprünglich nur für zwei Jahre übernommen hat, doch vier weitere Male zum Vorsitzenden des EU-Gremiums bestellt wurde, gibt die Rolle endgültig ab, weil er vom stressigen Kampf gegen die Krise genug hat. Als dienstältester Regierungschef aller Mitgliedsstaaten zählt Juncker nicht nur zu den routiniertesten, sondern auch zu den profiliertesten und professionellsten Granden der Union:  Der gelernte Jurist, der allerdings nie als Anwalt tätig war, startete seine politische Karriere im Jahr 1982 als Staatssekretär für Arbeit und soziale Sicherheit. Ab 1989 war er zwei Jahrzehnte lang Luxemburgs Finanzminister, bereits seit 1995 amtiert er obendrein, nachdem Vorgänger Jacques Santer EU-Kommissions-Präsident wurde, als Premierminister des nur 500.000 Einwohner zählenden Zwergstaates.

Obwohl Luxemburg nach Malta das zweitkleinste EU-Land ist, übernahm Juncker in der Europa-Politik schon frühzeitig einen herausragenden Part: Er gestaltete etwa 1992 den Vertrag von Maastricht maßgeblich mit, war zunächst als Gouverneur des Großherzogtums bei der Weltbank und später  als Gouverneur Luxemburgs beim Internationalen Währungsfonds in entscheidenden Gremien dabei und trat mehrfach als geschickter Vermittler zwischen streitenden Großmächten in Erscheinung: So etwa schaffte er es 1996, dass sich Deutschland und Frankreich, die wegen des Grundkonflikts Haushaltsdisziplin versus Wachstumspolitik uneins gewesen waren, auf den Stabilitäts- und Wachstumspakt einigten. Als zunächst unumstrittener Vorsitzender der Euro-Gruppe wuchs er schließlich rasch in die Schlüsselposition des europaweiten Chef-koordinators in Sachen Steuer- und Wirtschaftspolitik hinein. Seit damals hat er über die Einhaltung des Stabilitätspakts zu wachen und die Haushaltspolitik aller Euro-Staaten zu kontrollieren, um damit - zumindest theoretisch - eine halbwegs funktionierende Wirtschafts- und Währungs-union sicher zu stellen.

Niemand muss sich „durchsetzen“

Seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise, der griechischen Tragödie und aller folgenden Troubles hat Juncker, der für einen EU-Politiker überraschend jovial auftritt, geistreich anmutet, pointiert zu formulieren pflegt und es zu einer ansehnlichen Popularität gebracht hat, allerdings relativ wenig zu lachen. Als Mister Euro, der geradezu verzweifelt um die Erhaltung der Währungsunion in ihrer Unvollkommen-heit zu ringen und sich unentwegt mit der vermeintlichen Rettung der Schuldnerstaaten zu befassen hat, geriet er alsbald in ein gefährliches  Minenfeld der Mächtigen: Sowohl der mittlerweile geschasste französische Pseudo-Napoleon Nicolas Sarkozy als auch die unverändert macht-bewusste deutsche Sonnenkönigin Angela Merkel gingen zu ihm auf Distanz.  Sie schätzten es gar nicht, dass der Luxemburger gerne Klartext redet. Und zugleich den Mut aufbringt, um selbst großen Nationen unbeliebte Botschaften auszurichten. An die Adresse der Deutschen, die sich so gerne über die Missstände in Griechenland aufregen und so tun, als ob sie die Zeche ganz allein zu zahlen hätten, wandte er sich mit den Worten „Das ist Teil des Problems, wenn so getan wird, als ob Deutschland das einzig tugendhafte Land der Welt wäre“.

Juncker, der zumeist knallharte Verhandlungen hinter verschlossenen Türen zu führen hat, jedoch auch große Auftritte vor großem Publikum mit Bravour meistert, tritt als leidenschaftlicher Europäer („Ich fühle mich überall in Europa zu Hause“) für ein rasches Zusammenwachsen respektive eine politische Union der Teilnehmerstaaten ein. Er hasst daher nichts so sehr, als wenn sich nationale Politiker-Kollegen am liebsten in jeder Situation „durchsetzen“ möchten: „In Europa braucht sich niemand durchzusetzen“, sagt der Mann, der wegen seiner scharfen Ironie bisweilen gefürchtet wird.

Wie FC Barcelona ohne Messi

Die zunehmend härtere Gangart unter den Euro-Ländern - die Front verläuft zwischen dem fiskalisch stabilen Norden und dem krisenge-schüttelten Süden - muss Juncker allmählich zermürbt und zum endgültigen Rückzug veranlasst haben. Seine permanente Kritik an der deutsch-französischen Dominanz in der Euro-Zone war für seine glänzende Karriere letztlich ebenso kontraproduktiv wie eine seiner wenigen rhetorischen Entgleisungen: Im Vorjahr gestand der Luxemburger Premier, dass er im Vorfeld währungspolitischer Entscheidungen bei öffentlichen Statements hin und wieder habe lügen müssen, um kein Chaos an den Finanzmärkten zu provozieren. Der Sager brachte ihm naturgemäß ebenso wenig Sympathien ein wie ein Bonmont aus früheren Tagen, als er die Arbeitsweise der Union im „Spiegel“-Interview so beschrieb: „Wir beschließen etwas, stellen es dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es kein großes Geschrei und keine Aufstände gibt, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt“.

Brüssel ohne den Luxemburger - das ist wie der FC Barcelona ohne Superstar Lionel Messi. Mit Jean-Claude Juncker verliert die Europäische Union jedenfalls eine ihrer wenigen personellen Stützen, so etwas wie den Spielmacher. Die Euro-Gruppe wiederum wird sich unter neuer Führung in Zukunft garantiert nicht leichter tun, die fälligen milliardenschweren Rettungspakete für Griechenland, Spanien und-und-und zu schnüren. Das Rennen um die Juncker-Nachfolge ist freilich längst im Gange: Die bisherigen Favoriten, der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein französischer Amtskollege Pierre Moscovici, sind offenbar schon aus dem Rennen; derzeit werden eher einigen unaussprechlichen No-names gute Chancen attestiert, darunter der finnischen Finanzministerin Jutta Urpilainen und ihrem holländischen Kollegen Jeroen Dijsselbloem. Eines indes ist gesichert: Maria Fekter, die Juncker wegen undiplomatischer Aussagen kurzzeitig schwer auf den Nerv ging, wird nicht seine Nachfolgerin ...
 


 




Junker nicht mehr Pilot in Europa.und in Luxemburg?

und noch was: was passiert wenn, unweigerlich , Junker irgendwann das Zepter in Luxemburg abgeben will oder muss? In Europa ohne ihn wird schwer, in Luxemburg wird es unmöglich!Nicht weil man alles genau so sagen würde wie er, nicht mal denken, aber es gibt absolut niemand der ihm das Wasser reichen könnte.Ein Fakt der uns sehr bedenklich stimmen muss.Auch ihn, denn er hat es versäumt, einen würdigen Nachfolger heranzuzüchten.

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