Mangelnde Lesekompetenz: EU-Mitgliedstaaten müssen handeln
Die Europäische Union muss ihre Politik zur Anhebung des Alphabetisierungsniveaus überdenken, so eine hochrangige Gruppe von Sachverständigen, die EU-Kommissarin Androulla Vassiliou mit der Untersuchung dieses Themas beauftragt hatte. Jedem fünften Jugendlichen im Alter von 15 Jahren und nahezu 75 Millionen Erwachsenen fehlt es an grundlegenden Lese- und Schreibfertigkeiten.

Bild: EC
Lese- und Schreibkompetenz hält nicht Schritt mit der Entwicklung
Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend: „Wir befinden uns in einer paradoxen Situation: Lesen und Schreiben sind in unserer digitalisierten Welt wichtiger und relevanter denn je, aber unsere Lese- und Schreibkompetenz hält nicht Schritt mit dieser Entwicklung. Hier müssen wir dringend gegensteuern. Investitionen zur Verbesserung der Lese- und Schreibkompetenzen von Menschen jeden Alters sind wirtschaftlich sinnvoll – sie schaffen konkrete Vorteile für den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt, die sich langfristig gesehen zu Milliardenbeträgen summieren."
Der Bericht wurde von der zyprischen EU-Präsidentschaft auf einer Konferenz in Nikosia vorgestellt. Er enthält Beispiele erfolgreicher Projekte zur Förderung der Lesekompetenz, die in den EU-Ländern durchgeführt werden, und Einzelporträts von Menschen, die das Stigma des Analphabetentums überwunden und ihrem Leben eine neue Richtung gegeben haben. Auch räumt der Bericht mit einigen weitverbreiteten Vorurteilen zur Lese- und Schreibkompetenz auf.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Die EU-Bildungsminister haben sich das gemeinsame Ziel gesetzt, den Anteil der leseschwachen 15-Jährigen bis 2020 von derzeit 20 % auf 15 % zu senken. Der Bericht der hochrangigen Sachverständigengruppe weist auf einen deutlichen geschlechtsspezifischen Unterschied hin: So liegt der Anteil der leseschwachen Jugendlichen bei den Mädchen bei durchschnittlich 13,3 %, bei den Jungen dagegen bei 26,6 %. Am geringsten ist der geschlechtsspezifische Unterschied in den Niederlanden, Dänemark und Belgien, am größten in Malta, Bulgarien und Litauen.
Kommissarin Vassiliou wird die Ergebnisse des Berichts am 4./5. Oktober auf einer informellen Tagung in Zypern mit den Bildungsministern erörtern. Die Debatte bildet dann die Grundlage für Schlussfolgerungen des Rates zu Lese- und Schreibkompetenz; darin werden die EU-Länder sich selbst und der Kommission prioritäre Ziele setzen, wie Lese- und Schreibdefizite wirksamer ausgeglichen werden können.


















Kommentar hinzufügen