Samstag 18. Mai 2013, 21:40

Bildung & Kultur

Kulturelle Diplomatie: Verständnis für Europa

Wien. Das Europahaus ist einmal mehr Schauplatz für regen Gedankenaustausch zwischen Jung und Alt, Ost und West. Generationen treffen zusammen, die Teilnehmer kommen aus den entferntesten Ecken Europas. Es geht um Austausch, um Interaktion. Europa soll schließlich  zusammenwachsen.

Musik als Mediator innerer Strukturen
Musik als Mediator innerer Strukturen
Bild: EC
Es ist der amerikanische Politologe Dr. Milton C. Cummings, der für kulturelle Diplomatie eine überaus interessante Definition gefunden hat. Demzufolge geht es dabei um den Austausch von Ideen, Informationen, Werten, Traditionen, Überzeugungen und andere Aspekte der Kultur, mit der Absicht der Förderung und des gegenseitigen Verständnisses. Softskills sind gefragt, diese gelten ohne zu übertreiben als die ultimative Schlüsselkomponente der unaufhörlich voranschreitenden Globalisierung. Interkulturelle und bilaterale Beziehungen jedoch basieren auf einer toleranten, offenen Gesellschaft, es braucht ein tieferes Verständnis, welches über Europa hinausreicht.

Musik verbindet

Robert Pobitschka (Präsident UNESCO Club Vienna) bezeichnet Musik als Mediator innerer Strukturen. Musik ist ein vorzüglicher, altbewährter Informationsträger, alles Leben, alle Technik hat ihren ureigensten Sound. Das gilt für Tiere, Autos und Lebewesen gleichermaßen. Sound ist Information - Sound charakterisiert. Der Ton macht die Musik, Musik als kleinster gemeinsamer Nenner zwischen unterschiedlichen Kulturen verbindet Völker und Nationen. Zugleich werden durch Musik emotionale Blockaden gelöst. Dem pulsierenden Rhythmus in Discotheken räumt der Experte einen hohen Stellenwert ein, der Slogan von „sich den Kopf frei tanzen“ kommt nicht von ungefähr, er bezeichnet Musik als auslösenden Aktivator und gewissermaßen als Religion für sich. Und so darf es nicht verwundern, dass Musik global als charakteristisches Kulturgut gehandelt wird.

Bildung ist Kapital

Verständnis basiert auf Kultur und Bildung. In Europa ist es mit der gemeinsamen Verantwortung nicht allzu weit her, mit der Völkerverständigung will es einfach nicht so recht klappen. Das liegt mitunter am nationalen Egoismus, vielfach gibt es sprachliche Barrieren. Es gibt weit reichende Übersetzungsprobleme. Barrieren sind nun mal am ehesten durch gezielte Bildung zu überwinden. Doch leider geht das europäische Bildungssystem zielsicher am Alltag vorbei, an den Universitäten ist es keinen Wink besser. Dabei ist anzumerken, dass Bildung ausschließlich in der Verantwortung der Zivilgesellschaft liegt, Regierungen sind dafür denkbar ungeeignet. Brücken zu schlagen wäre wichtig, die Nationalisierung der Kultur ist der falsche Weg. Vielleicht sollten wir uns öfter mal fragen, wo unser Beitrag zur Menschheit bleibt. Grenzen trennen Europa, hier wäre anzusetzen. Kultur ist eine sinnvolle Alternative. Denn Europa funktioniert in erster Linie dank Kultur, die Welt hingegen durch Technik. So die bildliche Aussage von Erhard Busek, Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Zentraleuropa zu diesem Thema.

Multikultureller Respekt für Europa

Lernen für das Leben. Wissenstransfer hat einen höheren Stellenwert denn je zuvor. Es beginnt bereits in der frühen Kindheit, Eltern sind gleichsam die ersten Diplomaten für Bildung und Vertrauen. Soziale Integration, so lautet das Stichwort. Gerade die Erfahrungen in jungen Jahren prägen das spätere Leben. Es geht darum, im Laufe der Jahre die eigene Identität zu finden und in Folge zu festigen. Das reicht vom Elternhaus über Schule und Universität hin in den Berufsalltag, es geht um einen lebenslangen Lernprozess. Elternhaus, Geschlecht, Herkunft und weitere Entwicklung entscheiden über die gesellschaftliche Akzeptanz. Harte Fakten versus Softskills, doch gerade letztere sind für den interkulturellen Austausch unersetzlich. Toleranz und Respekt den Mitmenschen gegenüber ist eine der Grundvoraussetzungen, um Barrieren erfolgreich zu überwinden. Erziehung und Bildung sind gleichermaßen Menschenrechte vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit. Und wenn es damit gar nicht klappt, bleibt noch immer die nonverbale Kommunikation: Mit Tanz und Musik lassen sich Emotionen genauso ausdrucksstark darstellen, lediglich bei den doch etwas komplexeren Themen wird die Sache vereinzelt etwas undurchsichtig.

Interkultureller Dialog für Europa

Während der strategische Kurs der europäischen Union auf Whitepapers und Roadmaps basiert, ist die 
kulturelle Diplomatie mittlerweile zu einem pulsierenden, höchst innovativen Gebiet geworden. Europa findet nicht auf höchster Ebene, sondern schon im alltäglichen Miteinander der Kulturen statt. Vertrauen muss erarbeitet werden, es geht um gedanklichen und damit kulturellen Austausch zwischen den einzelnen Nationen und somit um Respekt und Toleranz als Basis für eine weit reichende Solidarität. Unausgesprochen Probleme verlangen nach Lösungen, erst durch eine fortgeschrittene persönliche Entwicklung rücken friedliche Konfliktlösungen in greifbare Nähe. Doch selbst die  tollsten und aufwendigsten Integrationsprogramme helfen wenig bis gar nichts, wenn nicht die geeignete Bereitschaft dazu besteht und unwillige Elemente aus chronischer Unwissenheit auf Stur schalten. Zusammenarbeit ist gefragt. Die Politik kann nur die Rahmenbedingungen zur Integration liefern, diese müssen jedoch von den Betroffenen aufgegriffen werden. Und das erfordert Flexibilität, Bewegung und Offenheit gegenüber neuen Impressionen und Erfahrungen.

Fünf Prinzipien für Stabilität und Frieden

Dank weit reichender Vernetzungen haben wir heute mehr Möglichkeiten denn je zuvor, einen besseren Zugang zueinander zu finden und mittels kultureller Diplomatie Vertrauen und damit Frieden und Stabilität zu ermöglichen. Dabei sind die erforderlichen Voraussetzung ganz einfach: Die fünf relevanten Prinzipien beinhalten Respekt und Anerkennung der kulturellen Vielfalt und Tradition und einen globalen interkulturellen Dialog. Justiz, Gleichberechtigung und gegenseitige Abhängigkeit sind ein weiterer Punkt, dann folgt der Schutz der internationalen Menschenrechte. Globaler Friede und Stabilität sind das wohlverdiente Ergebnis der individuellen Bemühungen, denen wir uns alle unterziehen müssen.       

 


 




Fehlende Angaben

Sehr geehrter Herr Winkler

Als Vertretung des Institutes für kulturelle Diplomatie Berlin und als Organisatorin der ersten kulturdiplomatischen Konferenz in Österreich "Cultural Diplomacy and the European Educational Policies 2012" freue ich mich, dass Sie an unserer Veranstaltung im Haus der EU Wien am 19.07. 2012 teilgenommen haben und dass Sie auch inspiriert wurden, darüber zu schreiben.
Dennoch finde ich es schade, dass Sie es nicht wert fanden, den Veranstalter (Institute for Cultural Diplomacy Berlin) und den Titel der Konferenz, sowie die Namen aller Vortragender, deren Beiträge Sie zusammengefasst haben, namentlich zu erwähnen. Unsichtbarkeit und Anonymität sind keine kulturdiplomatischen Werte und ich würde Sie bitten, dass Sie zukünftig das berücksichtigen, wenn Sie darüber berichten.
Mit freundlichen Grüßen, Tatjana Sehic
sehic@culturaldiplomacy.org
www.culturaldiplomacy.org

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