Krisenländer: Was Portugal von Griechenland unterscheidet
Die schlechten Nachrichten häufen sich in Portugal. Im vierten Quartal 2011 ist die Zahl der Arbeitslosen stärker gestiegen als erwartet und lag bei 14 Prozent. Für dieses Jahr erwarten Ökonomen eine scharfe Rezession, nach einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 Prozent im vergangenen Jahr. Und doch hebt sich Portugal deutlich von Griechenland ab. Bei allen Problemen ist die Krise dort weitaus weniger ausgeprägt als im Osten der EU.

Bild: EU-Infothek
Was unterscheidet Portugal von Griechenland? Zunächst einmal ist die Ausgangslage besser. Portugal hat über die Jahre deutlich weniger Schulden angehäuft. 2011 beliefen sich die Staatsschulden auf rund 100 Prozent des BIP. In Griechenland lagen sie dagegen bei 160 Prozent des BIP. Entsprechend geringer sind die Einschnitte, die Portugal mit der Troika bestehend aus der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds im Rahmen des Rettungsprogramms ausgehandelt hat.
Weit entfernt vom griechischen Teufelskreis
Griechenland befindet sich dagegen in einer Abwärtsspirale, in der anhaltende Rezession die Haushaltssanierung erschwert. Die Wirtschaft liegt derart danieder, dass dem Staat die Einnahmen wegbrechen und gleichzeitig die Ausgaben steigen, weil mehr Sozialzahlungen anfallen. Erst diese Woche wurde bekannt, dass die griechische Wirtschaft im vergangenen Jahr um 8,8 Prozent geschrumpft ist. Seit 2008 ist das BIP um 13 Prozent eingebrochen, das portugiesische dagegen nur um drei Prozent.
Portugal weist eine höhere Exportquote auf als Griechenland. 2011 lagen die Ausfuhren bei 35,1 Prozent des BIP, in Griechenland nur bei 24,1 Prozent. Auch das Leistungsbilanzdefizit ist nicht so ausgeprägt wie in Griechenland. Das heißt, dass Portugal in geringerem Ausmaß über seinen Verhältnisse lebt als das Krisenland am Mittelmeer.
Außerdem hält sich Portugal bisher an die Vorgaben der internationalen Geldgeber. Die beiden ersten Fortschrittsberichte der Troika fielen positiv aus. Am Mittwoch hat die Troika in Lissabon die Arbeiten an dem dritten Bericht begonnen.
Politik stützt Reformen
Hinzu kommt, dass die Politik in Portugal den Kurs der Troika stützt. Die beiden größten Parteien hatten vor der Wahl im vergangenen Jahr zugesagt, den Kurs zu übernehmen. In Griechenland ist die politische Konstellation sehr viel schwieriger. Die beiden bisher stärksten Parteien, die sozialistische Pasok und die konservative Nea Demokratia haben sich mittlerweile schriftlich verpflichtet, die Bedingungen der internationalen Kreditgeber einhalten zu wollen. Doch den Meinungsumfragen zufolge dürften kleinere Parteien künftig mitregieren. Und die wollen fast ausnahmslos die Bedingungen ignorieren.
Investoren beginnen, die Unterschiede zwischen den beiden Ländern deutlicher wahrzunehmen. Ende Januar hielten sich am Markt Gerüchte, dass Portugal einen Schuldenschnitt nach griechischem Vorbild benötige. Dies ließ die Renditen für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen vorübergehend auf über 15 Prozent schnellen. Doch mittlerweile sehen die Anleger die Lage Portugals nüchterner.
Als wahrscheinlich gilt allerdings, dass das internationale Rettungspaket noch einmal angepasst werden muss. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat dies gegenüber seinem portugiesischen Kollegen Vitor Gaspar anklingen lassen in einer Unterhaltung, die ohne das Wissen der beiden gefilmt wurde.
Das im Mai 2011 ausgehandelte Rettungspaket umfasst Kredite über 78 Milliarden Euro. Die Investmentbank Goldman Sachs spekuliert, dass Portugal die internationalen Kreditgeber um weitere 30 bis 50 Milliarden Euro bitten werde. Nach der bisherigen Planung sollte Portugal bereits 2013 zurück an die Kapitalmärkte gehen. Doch mittlerweile gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass dies gelingen wird.













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