Donnerstag 23. Oktober 2014, 03:34

Binnenmarkt & Wettbewerb

Kommission blockiert geplante Übernahme von TNT Express durch UPS

Die Europäische Kommission hat die von UPS geplante Übernahme des niederländischen Paketzustellers TNT Express nach der EU-Fusionskontrollverordnung untersagt. Sie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Übernahme im Falle von Express-Paketdiensten den Wettbewerb in 15 Mitgliedstaaten beeinträchtigen würde, weil dort die Zahl der großen Anbieter durch die Übernahme auf drei oder sogar auf zwei geschrumpft wäre.

Kommission blockiert geplante Übernahme von TNT Express durch UPS
Kommission blockiert geplante Übernahme von TNT Express durch UPS
Bild: ups.com/tnt.com
In einigen Ländern wäre DHL als einzige Alternative zu UPS verblieben. Für die Kunden hätte diese Marktkonzentration aufgrund der zu befürchtenden Preissteigerungen nachteilige Folgen gehabt. Während der Untersuchung bot UPS an, die TNT-Tochtergesellschaften in den betreffenden 15 Mitgliedstaaten zu veräußern und sein innereuropäisches Flugstreckennetz für fünf Jahre für den betreffenden Käufer zu öffnen. Die Kommission nahm eine eingehende Prüfung vor einschließlich eines Markttests, bei dem Kunden und andere interessierte Parteien zu dem Vorhaben befragt wurden. Die Zusagen von UPS reichten allerdings nicht aus, die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission auszuräumen.

Bezahlbare und zuverlässige Dienstleistungen

„Viele Unternehmen im EU-Binnenmarkt müssen Pakete in ein anderes europäisches Land verschicken und sich darauf verlassen können, dass diese am nächsten Tag dort ankommen“, so der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission Joaquín Almunia. „Dies ist nur möglich, wenn es bezahlbare und zuverlässige Dienstleistungen gibt, die wirklich auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Diese Unternehmen hätten aufgrund der Übernahme von TNT durch UPS direkte Nachteile, da ihre Möglichkeiten, zwischen verschiedenen Anbietern zu wählen, beträchtlich eingeschränkt worden wären und die Übernahme sicherlich auch zu Preiserhöhungen geführt hätte. Bis zuletzt haben wir gemeinsam mit UPS versucht, uns auf geeignete Abhilfemaßnahmen zu einigen, aber die Zusagen von UPS reichten einfach nicht aus, die Bedenken der Kommission bezüglich der festgestellten ernsthaften Wettbewerbsprobleme auszuräumen.“

Bei der Prüfung des geplanten Zusammenschlusses hatte sich die Kommission auf die Märkte für internationale Express-Paketdienste im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) konzentriert. Die wichtigsten Anbieter solcher Expressdienste sind sogenannte Integratoren (Kurier-, Express- und Paketdienste), die die internationalen integrierten Paketzustellnetze im Luft- und Landverkehr kontrollieren. In Europa gibt es nur vier Integratoren: UPS, TNT Express, DHL und FedEx. Die Marktanteile von FedEx sind in mehreren Ländern, in denen das Unternehmen keinen maßgeblichen Wettbewerbsdruck auf UPS und TNT ausübt, nur gering. Dies erklärt sich vor allem aus der geringen Dichte und mangelnden Größe seines europäischen Netzes. Andere Marktteilnehmer wie die nationalen Postbetreiber können nur in begrenztem Umfang mithalten, da sie nicht dieselbe Effizienz und Zuverlässigkeit bieten können, weil sie die Paketzustellung vor allem über die Straße abwickeln.

Wäre das angemeldete Vorhaben freigegeben worden, hätten viele Kunden in 15 Mitgliedstaaten nur noch zwischen UPS, DHL und (in einigen Fällen) FedEx wählen können. Preiserhöhungen wären mit großer Wahrscheinlichkeit die Folge gewesen.

Ferner hätten die etwaigen Vorteile des Zusammenschlusses, z. B. an die Kunden weitergegebene Kosteneinsparungen aufgrund der Zusammenführung der Luftfrachtnetze von UPS und TNT, nicht die negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb aufgewogen.




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