Dienstag 22. August 2017, 07:29

Kommentare


Kann sich Deutschland die EADS noch leisten?

Dr. Thomas Enders hat seit jeher seine sehr eigenen Vorstellungen von der Verantwortung als Manager der EADS. Die von ihm angestrebte, von dem französischen Staat unter Vorbehalt gewährte Handlungsfreiheit als Vorstandsvorsitzender der EADS unter der Aufsicht eines von Frankreich beherrschten Aufsichtsrats, wusste Enders mehrfach zu nutzen.

Eurofighter JG-74 der Deutschen Air Force
Eurofighter JG-74 der Deutschen Air Force
Bild: GEOFFREY LEE/EADS
Der Megaplan einer Fusion mit BAE Systems platzte indessen, weil Enders beim Heimspiel in Deutschland die rote Karte gezeigt wurde. Zuvor hatte Enders dem deutschen Verteidigungsminister bei der Beschaffung der A400M klar gemacht, dass trotz aller vertraglichen Absprachen weder der Preis noch die technischen Spezifikationen noch die Lieferdaten eingehalten werden konnten.  Der Auftragnehmer degradiert in aller Öffentlichkeit die Damen und Herren des Verteidigungsministeriums zu Bittstellern. Und die Pygmäen im Berliner Verteidigungsministerium knickten gehorsam vor dem „deutschen“ Spitzenvertreter der EADS ein.

Nachdem das Verteidigungsgeschäft in Europa durch die Etatkürzungen gebeutelt wurde und Enders den großen Durchbruch auf dem amerikanischen Rüstungsmarkt trotz seiner Affinitäten zu den USA bislang nicht bewerkstelligen konnte, müssen jetzt die Belegschaften bluten.

Seitdem am 08. Dezember in einem Berliner Luxushotel 120 Führungskräfte die Streichpläne erfuhren, steht fest, dass Deutschland mit mehr als 50.000 EADS Arbeitnehmern den Großteil des Personalabbaus zu verkraften haben wird. Gewiss wird von den annoncierten abzubauenden Stellen in Höhe von 8.000 Arbeitnehmern wieder abgerückt. Denn die Abbaupläne lösen besonders bei solchen Standorten Erstaunen und Unverständnis aus, die wie Bremen mehr als ausgelastet sind. Aber selbst wenn es bei -wie Branchenkreise vermuten- knapp 6.000 abzubauenden Arbeitsplätzen bis 2016 bleibt, wird das Gros, also circa 2.000 Arbeitsplätze, an fast allen der zahlreichen deutschen Standorte realisiert werden. Es könnte sogar passieren, dass von den insgesamt 27 produzierenden Standorten in Deutschland einzelne Standorte wie Unterschleißheim ganz geschlossen werden. Frankreich kommt indessen bestens weg. Dafür hat im Bereich der Military Aircraft der Chef von Airbus Herr Brégier und im Bereich von MDBA Antoine Bouvier im trauten Einverständnis mit dem französischen Staat Sorge getragen.

Außerdem ist die implizite, sehr diskrete Unterstützung für das Wirken des EADS Chefs mit deutschem Pass durch die französische Regierung nicht ohne Entgegenkommen zustande gekommen. Enders hat bereits im Vorfeld auf die Standortbedürfnisse der französischen Politik stark Rücksicht genommen. Derweil gerät, angesichts des massiven Stellenabbaus zu Lasten deutscher Standorte, vollständig aus dem Blick, dass trotz des Meisters der Selbstvermarktung, der sich den Namen Major Tom gegeben hat, die EADS in vielen Fällen einfach deshalb nicht zum Zuge kommt, weil sie technisch unausgereifte und zu teure Produkte anbietet. Die Vorschläge von EADS Astrium für das Satellitennavigationssystem GALILEO wurden von der ESA geprüft und fielen ganz einfach durch. Grund: nicht nur die Preise waren zu hoch, sondern die technischen Qualitäten entsprachen nicht dem Stand der Technik. Verkaufen kann EADS nur dort, wo es über ein großes Netz von Lobbyisten und nahestehenden Abgeordneten, die sich für ihre Standorte verantwortlich fühlen, also über die entsprechenden Druckpunkte in den Parlamenten verfügt.

Deutschland schweigt

Zu all dem schweigt die Bundesrepublik Deutschland, seit geraumer Zeit mit 11% Aktionär an EADS. Die KfW, formal Träger des Aktienpaketes, ist in keinem der EADS Gremien vertreten. Hierauf ist sie sogar stolz. Deutschland hat keinen Vertreter im Aufsichtsrat der EADS und vertraut –blauäugig kann man das schon nicht mehr nennen- dem großen Thomas Enders an der EADS Spitze. Der Stellenabbau hat das Augenmerk auf akute Arbeitsplatzprobleme gerichtet. Vergessen werden indessen die seit Jahren stattfindenden technologischen Transfers zu Lasten der deutschen Standorte. EADS ist kein deutsch-französischer Konzern, sondern ein französisches Unternehmen mit einer immer schwächer werdenden deutschen Komponente. Hierzu hat Thomas Enders viel beigetragen. Die Franzosen werden es ihm beizeiten danken. Doch für Deutschland stellt sich die Frage, ob man sich die EADS in der gegenwärtigen Aktionärs- und Managementstruktur weiter leisten kann.

 




Die französische Übermacht ist groß

Denn die französische Übermacht ist groß. Ungesund zu groß!! Dass das keinem auffällt, wie die Machtbalance aus den Fugen geraten ist! Einige Beispiele für die, die es noch nicht wissen:
Machtverteilung in den ehemaligen EADS (heute Airbus) Geschäftsbereichen:
EUROCOPTER: der französische CEO hat 12 Direct Reports. Darunter sind 3 Deutsche (. einer davon wurde gerade „enteiert“, als man ihm 50% seines Zuständigkeitsbereich wegnahm). Der Rest sind Franzosen.
ASTRIUM: der französische CEO hat 14 Direct Reports. Darunter sind 2 Deutsche. Der Rest Franzosen.
AIRBUS: der französische CEO hat 16 Direct Reports. Darunter sind 2 Deutsche, ein Brite, zwei Amerikaner, ein Spanier. Die restlichen 10 sind Franzosen.
EADS Headquaters: der deutsche CEO hat 12 Direct Reports. Darunter sind 4 Deutsche und acht Franzosen. Eine wirklich wichtige Rolle unter den Deutschen kommt allerdings nur dem Finanzchef zu. Die anderen Kollegen sind für Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und juristische Belange zuständig. An den Schaltstellen der Macht sitzen auch da die Franzosen.

Wer das beklagt oder etwa versucht, etwas dagegen zu unternehmen, wird abgesägt, gemobbt und mit üblen Methoden aus dem Konzern entfernt!

Kommentar hinzufügen

Kommentar hinzufügen




Das könnte Sie auch interessieren