Sonntag 26. März 2017, 17:08

Interviews


Johan Prader:„Am Ende des Tages wird es ein Burden Sharing geben“

Die Europäische Union versucht gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), mit Milliardenspritzen und Sparprogrammen für die „Budgetsünder“, die Schulden-Krise in den Griff zu bekommen. Der aus Oberösterreich stammende Ökonom und Direktor des IWF, Johann Prader, geht davon aus, dass es letztlich zu einer Lastenverteilung unter Einbeziehung der Banken kommen wird.

Johann Prader
Johann Prader
Bild: IWF
Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement der EU im Zusammenhang mit den Finanzspritzen für die hoch verschuldeten Mitgliedsländer Griechenland, Irland und Portugal?


Ich darf vorausschicken, dass meine Ansichten nicht offizielle Auffassungen des IWF darstellen. Die öffentliche Kritik am EU-Krisenmanagement übersieht zumeist, dass die Hauptschwierigkeit nicht bei der EU lag, sondern in der Realitätsverweigerung der genannten Mitgliedsländer. Sie wollten sich die Höhe des Verschuldungsproblems und die Tiefe der Bankenkrise nicht eingestehen und versuchten mit allen Mitteln, Sanierungsprogramme der EU und des IWF zu vermeiden bzw. aufzuschieben.

Wurden Ihrer Ansicht nach Fehler gemacht, die man künftig vermeiden sollte?

Es ist offensichtlich, das es ein Kommunikationsproblem gibt: Europa spricht mit zu vielen Stimmen ausgerechnet in einer brisanten Krise, wo die Märkte auf jede Äußerung, die möglicherweise nicht mit der Krise selber, sondern mit der Innenpolitik eines Landes zu tun hat, reagieren.

Experten meinen, die Auflagen für die so genannten Budgetsünder, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen, sind nicht streng genug. Sehen Sie das auch so?

Hier stimme ich mit dem französischen Ökonomen Wyplosz überein, dass die Erwartungen an den EU-Stabilitätspakt zu hoch sind, denn die EU kann nicht die Einhaltung des Paktes garantieren. Fiskalpolitik ist immer noch Sache der Mitgliedsländer. Nicht zufällig haben sich Vorschläge, einen Automatismus der Sanktionen bei Budgetüberschreitungen einzuführen, nicht durchgesetzt.

Sollte man die Banken, die an den Krediten für die Budgetsünder gut verdienen, an den entstehenden Kosten beteiligen?

Nach den Erfahrungen des IWF mit den Krisen in Lateinamerika und Asien in den 90er Jahren wird es am Ende des Tages ein burden sharing geben, das die Banken einbezieht.

Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein, dass die von den Geberländern wie etwa Österreich eingegangenen Bürgschaften schlagend werden könnten?

Der IWF hat bisher nur Geld an die ärmsten Staaten Afrikas abschreiben müssen. Wir gehen davon aus, dass staatliche Kredite und Bürgschaften an Euroländer nicht verlorengehen.

Österreich gehört zu jenen EU-Ländern, die über ein solides Wirtschaftswachstum verfügen. In welchen Bereichen hat Österreich noch Nachholbedarf?

Wie Sie aus den jeweiligen jährlichen Berichten des IWF über die österreichische Wirtschaft entnehmen können, hat Österreich einen erheblichen Reformbedarf im Bereich der fiskalpolitischen Koordinierung und Disziplin sowie in den Bereichen Pensionen und Gesundheit.

Nach der Finanzkrise wurden einige Maßnahmen erlassen, um die Finanzmärkte zu regulieren. Reichen diese aus, um eine neuerliche Finanzkrise zu verhindern?

Der letzte Global Financial Stability Report des IWF hält fest, dass die Reformen nicht weit genug gegangen sind und weiterhin beträchtliche Risken bestehen.

Wie stehen Sie zur Forderung, Großbanken aufzusplitten, damit sie im Falle von wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht zu einem Problem für ganze Länder werden?

Der IWF hat diesen Vorschlag gemacht, aber er wurde in keinem der großen Industrieländer bisher durchgeführt, vermutlich weil die Erholung von der Krise die Macht der Banken wieder gestärkt hat.

In der EU gibt es den Ruf nach der Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Wie steht der IWF einer solchen Maßnahme gegenüber?

Diese mag im EU-Bereich politisch sehr populär sein, in den meisten IWF-Berichten sehe ich eher Vorschläge einer so genannte Financial Activity Tax, deren Steuerbasis die Lohnsumme und die Gewinne der Banken sind.



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