Mittwoch 19. Juni 2013, 01:31

Global


„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um in Kroatien zu investieren“

Obwohl Österreich im Vorjahr erneut größter ausländischer Investor in Kroatien war, gilt das südosteuropäische Land, das im Juli 2013 der Europäischen Union beitreten wird, bisweilen als schwieriges Pflaster für heimische Betriebe. Der Linzer Architekt Wolfgang Kaufmann, frischgebackener Honorarkonsul von Kroatien in Oberösterreich, hat als Investor bislang nur positive Erfahrungen gemacht und sieht Chancen in praktisch allen Bereichen.

City Center One
City Center One
Bild: Dietmar Tollerein/CCReal
„Unser Engagement in Kroatien ist eigentlich zufällig erfolgt. Wir wurden gefragt, ob wir in ein Projekt einsteigen wollen“, erinnert sich der bekannte Architekt, dessen Markenzeichen Hut und Zigarre sind. Gemeinsam mit seinem Partner Hubert Hofmann entwickelte er in Zagreb das erste große Einkaufszentrum mit bekannten westlichen Mietern. 2006 eröffnete das City Center One seine Pforten, dem im heurigen Herbst ein weiteres in Split - ebenfalls mit deutlich mehr als 50.000 Quadratmetern Verkaufsfläche - folgen wird.

Damit noch nicht genug, wird im Frühjahr 2012 ein dritter Shoppingtempel im Osten von Kroatiens Hauptstadt folgen. Auch beim dritten Projekt setzen die Investoren auf Erlebniseinkauf mit vielen Cafés und Restaurants. „Die Kroaten waren sehr hungrig auf alles Europäische und sind früher nach Graz zum Einkaufen gefahren. Jetzt bekommen sie alles in unseren Einkaufszentren vor Ort“, verweist Kaufmann mit Stolz auf 6000 geschaffene Arbeitplätze bei einer Gesamtinvestitionssumme von 400 Millionen Euro. Zugute kam der Investorengruppe bei der Finanzierung der Projekte das Engagement der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD).

 

Risiken sind überschaubar


Der Honorarkonsul sieht aber nicht nur im Handel große Chancen für heimische Investoren, auch die Bereiche Telekom und Tourismus seien viel versprechend, wobei der EU-Beitritt Kroatiens weitere Verbesserungen bei der Rechtssicherheit, dem Warenverkehr und im Bereich der Dienstnehmer bringen werde. So verfüge das Land mit seinen 4,3 Millionen Einwohnern aufgrund der hohen Arbeitslosenrate von 18 Prozent über eine große Anzahl von Arbeitskräften, die ihrem Arbeitgeber gegenüber sehr loyal sind und ihr Land aus eigener Kraft nach vorne bringen wollen. Zudem sei Kroatien für viele Handelsketten Ausgangsbasis für in Serbien, Bosnien und die anderen Länder Ex-Jugoslawiens, wobei die meisten ein Engagement in Belgrad ins Auge fassen würden. Für ein Investment in dem südosteuropäischen Land würde auch die gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, die ähnliche Mentalität und künftige von der EU geförderte Programme sprechen. „Grundsätzlich braucht man einen Partner vor Ort, wobei ich eine Beratung durch die Wirtschaftskammer empfehle. Deren Experten können Türen öffnen“, so Kaufmann. Bei der Sprache sei Englisch oder die Landessprache Pflicht und man müsse die Menschen als Partner ernst nehmen. Jetzt, nach der überstandenen Finanz- und Wirtschaftskrise, sei der richtige Zeitpunkt, um in diesem Land zu investieren.


F. Kaufmann, Prof. W. Kaufmann
F. Kaufmann, Prof. W. Kaufmann
Bild: Tollerian/CCReal
Die oft kritisierte fehlende Rechtssicherheit ist für den Architekten „höher als vermutet“. „Kataster und Grundbuch funktionieren gut, und sollte ein früherer Eigentümer Ansprüche geltende machen, ist ein Vergleichsverfahren mit einer finanziellen Entschädigung vorgesehen“, erläutert der Investor. Generell sei bei einem sorgfältigen Engagement das Risiko überschaubar: „In Österreich könnte man ein Einkaufszentrum wie jene in Kroatien keinesfalls in zwei bis drei Jahren realisieren.“

Der Honorarkonsul will aber nicht nur zu einer Verstärkung der wirtschaftlichen Kontakte zwischen Oberösterreich, wo 10.500 kroatische Staatsbürger wohnen, und dem künftigen EU-Mitgliedsland beitragen. Auch im Kultur- und Bildungsbereich sind Aktivitäten wie ein gegenseitiger Studentenaustausch geplant.


Kroatien in Zahlen


Das Ferienziel vieler mitteleuropäischer Touristen mit mehr als 1000 Inseln ist 56.542 Quadratkilometer groß, das entspricht zwei Dritteln der Fläche Österreichs. 2010 erwirtschaftete Kroatien ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 44,8 Milliarden Euro (Zum Vergleich: Österreichs Wirtschaftsleistung betrug rund 277 Milliarden Euro). Das BIP pro Kopf beträgt mit 15.200 Euro 61 Prozent des Durchschnitts der EU-27. Seit 1993 haben österreichische Unternehmen in Kroatien 6,2 Milliarden Euro investiert, das sind gut 29 Prozent aller ausländischen Investitionen in diesem Zeitraum. Das heimische Handelsvolumen betrug im Vorjahr 1,65 Milliarden Euro, wobei die Alpenrepublik mehr als doppelt so viel nach Kroatien lieferte wie umgekehrt.


 




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