Freitag 18. Mai 2012, 20:19

Reportagen

Jeder kann Skispringen – die Leader-Förderung der EU macht’s möglich

Höher, weiter, schneller und auf jeden Fall gewaltiger als alles Vergleichbare – so sollte „Schmiedbauers Skiflyer“ in der Vision des Betreibers zahlreiche Adrenalinjunkies in den Bezirk Braunau (Oberösterreich) locken. Dank rund 33.000 Euro Leader-Förderung aus dem EU-Topf sorgte die weltgrößte Vergnügungs-Sprungschanze seit der Eröffnung im Juni 2010 bereits für 8000 Besucher in der 1450-Seelen-Gemeinde Höhnhart.

Jeder kann Skispringen – die Leader-Förderung der EU macht’s möglich
Jeder kann Skispringen – die Leader-Förderung der EU macht’s möglich
Bild: Schmiedbauers Skiflyer
Ausgestattet mit Sprungskiern und einem Helm fühlen sich die Freizeit-Skispringer vor ihrem Absprung vom Schanzentisch in 18 Meter Höhe wie Goldberger, Morgenstern, Schlierenzauer und Co. – mit dem einzigen Unterschied, dass viele von ihnen beim Blick in die Tiefe wahrscheinlich gelähmt sind vor Angst. Was den Besuchern an Mumm und Routine fehlt, das macht das Stahlseil wieder wett, an dem sie gesichert mit 65 km/h eine Distanz von 202 Meter mit einem Höhenunterschied von 60 Metern überwinden. Wer den Absprung wagt, darf dieses Erlebnis etwa 25 Sekunden lang genießen – und kann den Feiglingen im Bekanntenkreis auch bei der Jause in „Schmiedbauer’s Mostschenke“ gleich nebenan noch davon vorschwärmen.

Die Idee zum Innviertler Skiflyer kam vom Höhnharter Bürgermeister Erich Priewasser, der Synergien zwischen dem bestehenden Nachwuchs-Skisprungzentrum – Höhnhart verfügt auch über Mattenschanzen für richtige Skispringer – und dem Tourismus schaffen wollte. Warum er sich mit seinem Plan an den Land- und Mostschänkenwirt Alois Wenger wandte liegt für den Skiflyer-Betreiber auf der Hand: „Weil i a wilder Hund bin. Wenn einer so was durchzieht, dann ich“, sagt Wenger im Gespräch mit EU-Infothek.

280.000-Euro-Projekt mit Betrieben aus der Region umgesetzt

Skiflyer-Betreiber Alois Wenger mit Waltraud Weiler vor dem Schanzenturm mit der Absprung-Plattform
Skiflyer-Betreiber Alois Wenger mit Waltraud Weiler vor dem Schanzenturm mit der Absprung-Plattform
Bild: Schmiedbauers Skiflyer
„Weltweit gibt es nur einen so großen Skiflyer“, erzählt Wenger stolz. Einzigartig sind nicht nur die Dimensionen, auch die computergesteuerte Beschleunigungsanlage sei ein Prototyp, entwickelt von der deutschen Erlebnis-Akademie. Sonst wurde aber „alles was möglich war, von lauter Betrieben aus den Nachbargemeinden“ erledigt, legt Alois Wenger Wert auf regionale Auftragsvergabe. Auch wenn vom Spatenstich bis zum Probebetrieb nur ein halbes Jahr vergangen ist, „drangehängt bin ich über ein Jahr“, erzählt der Skiflyer-Betreiber, der die 280.000 Euro teure Sprungschanze großteils selbst gemeinsam mit einem Polier gebaut hat. „Das hätte sonst locker das Doppelte gekostet, und bei mir wächst das Geld ja auch nicht“, so der innovative Innviertler, der sein Projekt zu 35 Prozent mit Fördergeld von Bund, Land und EU finanzieren konnte.

Förderabwicklung war „keine große Rennerei“

„Das war wirklich keine große Rennerei“, sagt Wenger, für den die Antragstellung keine Belastung darstellte. Nach bereits drei von Brüssel geförderten Projekten – die Errichtung eines Schlachthauses, die Erweiterung und den bald folgenden Umbau der Mostschänke – wusste er schon, wie es funktioniert. Ansprechpartner war neben dem Regionalmanagement auch die oö. Landesregierung. „Ich muss schon sagen, dass mir bei dem Projekt alle Wege frei gehalten wurden“, ist der Schanzen-Betreiber dankbar für die Unterstützung, „aber die Förderungen kriegst ja nicht weilst lustig bist“… Gefördert wurde damit nicht nur eine einzigartige Touristenattraktion sondern auch vier neu geschaffene Arbeitsplätze direkt an der Schanze sowie sichere Jobs in der angeschlossenen Mostschänke, wo derzeit zehn Mitarbeiter – zwei Voll- und der Rest Teilzeitkräfte – beschäftigt sind.

Auch die Prüfungen empfindet Alois Wenger nicht als aufwändig: „Wenn man alles so handhabt, wie es sein soll, dann hat man auch keine Probleme.“ Lediglich die Zeit bis zur Auszahlung empfand der Unternehmer als lang „Die Rechnungen müssen alle bezahlt sein und es dauert schon ein halbes bis dreiviertel Jahr bis das Geld dann endlich da ist“, so Wenger. Weil er nicht die gesamten Kosten des Skiflyers vorfinanzieren wollte, nutzte er daher die Möglichkeit zur Teilabrechnung.

Wer das Endresultat selbst testen will, sollte mindestens 1,20 Meter groß und nicht schwerer als 140 Kilogramm sein. Auch wenn einzelne Skiflieger in Höhnhart herzlich willkommen sind, weiß der Herr der Schanze aus Erfahrung, dass es in der Gruppe viel mehr Spaß macht. Abheben kann man das ganze Jahr über. Nähere Informationen zur Vergnügungs-Schanze unter www.mostschanze.at


 




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