Jährliches Gipfeltreffen der EU-Religionsvertreter
Kommission, Parlament und Europäischer Rat diskutierten mit führenden Vertretern der Religionsgemeinschaften über Solidarität zwischen den Generationen und den demografischen Wandel in Europa.

Bild: EC
Gleichgewicht zwischen Solidarität und Verantwortlichkeit
José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, erklärte: „In Zeiten der Wirtschaftskrise tun wir alles, um das rechte Gleichgewicht zwischen Solidarität und Verantwortlichkeit zwischen den Mitgliedstaaten zu gewährleisten. Wir benötigen allerdings mindestens ebenso viel Solidarität und Verantwortlichkeit zwischen der jüngeren und der älteren Generation. Letztendlich können wir nur aus der Krise herausfinden und den Grundstein für eine gedeihliche Zukunft legen, wenn wir bei all unseren Unternehmungen die Solidarität zwischen Menschen und Generationen nicht vergessen. Sie ist das Bindeglied unserer Gemeinschaften.“ Die Kirchen und Religionsgemeinschaften sind in besonderem Maße geeignet, in unseren Gesellschaften Brücken zu schlagen.“
Produktivität von Erfahrung und Know-how
EU-Ratspräsident Van Rompuy betonte: „Wir können uns eine ‚verlorene Generation’ in Europa weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich und am allerwenigsten menschlich leisten. Genauso wenig können wir es uns leisten, ältere Menschen aufs Abstellgleis zu schieben, weil sie ‚weniger produktiv’ sind. Die Produktivität von Erfahrung und Know-how ist natürlich nicht so messbar wie die Produktivität bei der Herstellung von Verbrauchsgütern, aber eine afrikanische Weisheit lehrt uns, dass mit dem Tod eines alten Mannes eine ganze Bibliothek verlorengeht. In Kirchen, Synagogen, Moscheen, Tempeln und ihren NRO, in Schulen und Verbänden kommen auf lokaler Ebene Menschen zusammen. Auch deshalb können sie eine zentrale Rolle für ein besseres Verständnis und ein gegenseitiges Lernen zwischen den Generationen spielen.“
Solidarität zwischen den Generationen
László Surján, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, bemerkte: „Solidarität zwischen den Generationen ist nicht nur in der jüdischen-christlichen Tradition eine Verpflichtung, sondern auch in anderen Religionen. Heutzutage ist es aber nicht nur eine Frage der Religion, denn die Solidarität zwischen den Generationen hat darüber hinaus konkrete finanzielle Auswirkungen: Die Schulden von heute können als potentielle Steuern von morgen gesehen werden. Der Schuldenabbau ist deshalb eine Frage der Gerechtigkeit zwischen den Generationen. Schulden sind nicht nur eine Bürde für die nachfolgenden Generationen; aufgrund der Verzinsung vermehren sie sich noch. Die Europäer könnten sich nach Zeiten ohne Zinsen zurücksehnen oder andere Kulturen beneiden, denen Zinsen unbekannt sind. Es mag unrealistisch sein, über ein zinsfreies Finanzsystem nachzudenken, aber die alarmierenden Nachrichten aus der City of London sorgen mittlerweile für einen starken Wunsch nach etwas völlig Neuem.“
Während des Treffens forderten die Teilnehmer einhellig eine stärkere Sensibilisierung für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen und mehr Verantwortung in zentralen Bereichen. Hierzu gehört eine größere Solidarität zwischen Jung und Alt, die Bekämpfung von Diskriminierungen und ein effektiver Beitrag zur Gesamtstrategie der Kommission für mehr Wachstum in Europa. Voraussetzung hierfür ist ein Streben nach besserer Bildung, weniger Armut und einer faireren Gesellschaft.


















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