Innovationspartnerschaft gegen Rohstoffverknappung
Angesichts der steigenden Produktionsrate in Europa kommt die Hightech-Industrie in Sachen Rohstoffe langsam unter Druck. Die Europäische Kommission lässt mit einem wegweisenden Konzept für eine Europäische Innovationspartnerschaft für Rohstoffe aufhorchen. Die Devise lautet schlicht und einfach: Ressourcen bündeln!

Bild: BASF
Kräfte bündeln, um Europas Potenzial zu nutzen
Der Zugang zu kostbaren Mineralien muss verbessert werden, die Entwicklung von Produkten mit niedriger CO2-Intensität gefördert werden. Das betrifft natürlich auch dünne Photovoltaikschichten, energieeffiziente Beleuchtung und Elektroautos. Wachstumsbranchen anderer Sparten würden ebenfalls davon profitieren, wie beispielsweise Zivilluftfahrt, Infrarotoptik und Fiberglas, so die Ausführungen von Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission, zuständig für Industrie und Unternehmertum.
A. Tajani appelliert daran, die Kräfte zu bündeln, um Europas enormes Potenzial an Rohstoffen auszuschöpfen. Die Bemühungen müssen intensiviert werden, um in den wichtigen Bereichen Exploration, Gewinnung, Verarbeitung, Recycling und Substitution bis 2020 weltweit führende Expertisen zu entwickeln. Dabei geht es in erster Linie um Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltiges Wachstum und neue Arbeitsplätze, so Tajani.
Multidisziplinäre Anstrengungen in der Forschung
Um den Herausforderungen auf dem Gebiet Rohstoffe zu begegnen, ist Innovation gefragt. So könnte beispielsweise der Bergbau in der EU mittels Automatisierung und ferngesteuerter Prozesse wettbewerbsfähiger und nachhaltiger gestaltet werden. Biolaugung wäre eine weitere Möglichkeit. Neue Recycling-Ansätze können Qualität und Effizienz in diesem Bereich optimieren. Gegenwärtig besteht akuter Bedarf an Innovation. Die Forschung nach bahnbrechenden neuen Technologien erfordert multi-disziplinäre Ansätze, epochale Meilensteine sind gefragt um mögliche Probleme von morgen bereits im Vorfeld zu lösen.
Kommission: Ziele bis 2020
Um dem Konzept zum Erfolg zu verhelfen müssen bis 2020 einige Ziele verbindlich erreicht werden. Dazu gehören bis zu zehn innovative Pilotmassnahmen wie z.B. Demonstrationsanlagen in den Bereichen Exploration, Gewinnung, Verarbeitung, Sammlung und Recycling. Nebst Substituten für mindest drei Schlüsselanwendungen kritischer weil knapper Rohstoffe erwartet die Kommission eine verbesserte Effizienz bei Materialeinsatz, Recycling und Wiederverwendung von Rohstoffen aus Abfallströmen. Forschung und Ausbildungszentren im Bereich Bergbau und des nachhaltigen Materialmanagements sind ebenso auf der Checkliste zu finden wie standardisierte statistische Systeme auf gesamteuropäischer Ebene in Verbindung mit einer geologischen 3D-Ansicht zur Erfassung von Ressourcen und Reserven. Angebots- und Nachfragetrends sollen gemeinsam mit einer umfassenden Lebenszyklusanalyse in einem dynamischen Modellierungssystem visualisiert werden. Last, not least drängt die Kommission auf eine aktive Strategie der EU in Form multilateraler Organisationen und Bilateraler Beziehungen wie mit den USA, Japan und Australien in verschiedenen Bereichen der Partnerschaft.
Interessensträger dringend gesucht
Im Zusammenhang mit der Innovationspartnerschaft hoffen die Verantwortlichen auf zahlreiche Meldungen von Interessensträger in den nächsten Wochen, je früher umso besser. Gleich vorab: Die Europäische Innovationspartnerschaft ist kein Finanzierungsinstrument und tritt auch nicht an die Stelle konventioneller Entscheidungsverfahren. Dennoch wird diese durch die Definition gemeinsamer Ziele im Bereich relevanter Rohstoffe die Kohärenz zwischen den unterschiedlichen Finanzierungsoptionen fördern.
Aufgaben der Europäischen Innovationspartnerschaft EIP
Die EIP bringt Mitgliedstaaten und andere Interessensträger wie Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen. Forschung usw. in Verbindung, um gemeinsame Strategien zu entwickeln, dabei Kapital und Human Ressources zu bündeln und die Umsetzung und nachhaltige Nutzung innovativer Lösungen europaweit zu gewährleisten. Damit soll eine nachhaltige Rohstoffversorgung gesichert werden, gleichzeitig sollen die Auswirkungen kritischer Materialien auf die Umwelt kontrolliert und dadurch minimiert werden.
Europa soll mittels dieser Partnerschaft in der Lage sein, in den Bereichen Exploration, Gewinnung, Verarbeitung, Recycling und Substitution weltweit führende Expertisen zu entwickeln. Dabei geht es um die gesamte Wertschöpfungskette von Rohstoffen, unabhängig davon, ob diese primären oder sekundären Ursprungs sind bzw. ob diese auf dem Festland oder dem Meeresboden vorkommen. Sämtliche Aspekte und Komponenten werden berücksichtigt, um ganzheitliche Expertisen bzw. Lösungen präsentieren zu können. Das beinhaltet sowohl technologiebasierte sowie nicht-technologische Optionen wie Beschaffungswesen und Normen. Der strategische Durchführungsplan wird entwickelt, sobald die Partnerschaft operativ ist und soll bereits 2013 verabschiedet werden.
Vorteile der EIP
Um es vorweg zu nehmen: Es profitiert Europa in seiner Gesamtheit. Unternehmen, gerade auch die oft vernachlässigten KMU sowie der europäische Verbraucher, Umwelt, Forscher und Organisationen. Kommunale, regionale und nationale Stellen können frühzeitig in Prozesse integriert werden. In Summe wird die geopolitische Rolle der EU gestärkt, die Abhängigkeit von Rohstoffimporten reduziert während neue Technologie wiederum schneller exportiert werden kann.
Die Europäische Innovationspartnerschaft klingt viel versprechend und ziemlich nachhaltig.
Quellen - Nähere Informationen lt. EC-Pressroom:
http://ec.europa.eu/enterprise/policies/raw-materials/index_de.htm
Beiträge zur öffentlichen Konsultation zur eventuellen Innovationspartnerschaft für Rohstoffe:
http://ec.europa.eu/enterprise/policies/raw-materials/public-consultation-ip/contributions/index_en.htm
EU/F7-kofinanziertes Projekt „ProMine“:
http://promine.gtk.fi/index.html


















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