Im Schatten der Energiesparlampen
10.000 Stunden Leuchtzeit und geringe Leistungsaufnahme: So lautet das Credo der Hersteller von Energiesparlampen. Doch wie die Öko-Bilanz unter dem Strich und hinter den Kulissen aussieht, darüber sind sich selbst Experten nicht ganz einig. Das Glühbirnenverbot lässt Brüssel in punkto Umweltverträglichkeit in einem schrägen Licht erstrahlen.

Bild: CC-BY 2.5
Helle Köpfe und ein Vertrag: Das Phoebuskartell
Es war in den Goldenen 20iger Jahren, als auf Initative des damaligen Osram – Vorsitzenden Dr. William Meinhardt die Hellsten Köpfe der Glühbirnenindustrie einige Überlegungen anstellten und sich verbündeten: Phoebus S.A. regelte fortan die Geschäftsfelder, die Vereinbarung waren „großzügig dem Zwecke des Vertrages angepasst“, so verrät es die öffentlich zugängliche Osram – Chronologie. Mit von der Partie waren nebst Osram auch General Electrics, Tungsram, Philips, die Compagnie des Lampes und Co.: Man wollte Verbindungen schaffen und die führenden Firmen der ganzen Welt zusammen bringen, so die offizielle Version. Das Ergebnis war der Phoebusvertrag, aus rechtlicher Sicht gesehen: Das Phoebuskartell. Der Vertrag bewährte sich, so sagen es die Aufzeichnungen, bis 1941. Es wurde ruhig um dieses Bündnis, nur aus der Gerüchteküche ist vereinzelt Brodeln zu vernehmen.
Glühbirnen mit 1000 Betriebsstunden
Es war das Ziel der Beteiligten, die Verkaufszahlen zu kontrollieren und so kam es, dass die Brenndauer der schlichten Glaskolben mit Leuchtdraht aus Gründen von Qualität und Nachhaltigkeit auf 1000 Betriebsstunden festgesetzt wurde, obwohl eine längere Haltbarkeit machbar wäre. Verstöße dagegen wurden konsequent mit Kartellstrafen pönalisiert, es galt, den Kuchen „gerecht“ aufzuteilen. Wer nicht drin war, war draussen.
Dieter Binninger, ein genialer Erfinder, entwickelte in den 80er Jahren die Ewigkeitsglühlampe mit kolportierten 150.000 Betriebsstunden. Doch sie ging nie in Serie - der begnadete Erfinder kam bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben.
Millionengeschäft Leuchtkörper
Angesichts des weltweiten Bedarfs an Leuchtmitteln ist es nicht verwunderlich, dass Marktanteile vehement verteidigt werden. Das Geschäft mit der Glühbirne lief gut, doch dann bekam sie Konkurrenz: Die Kompaktleuchtstofflampe drängte auf den Markt.
Aufwendig in der Herstellung, sind deren Anschaffungskosten gut argumentierbar, überhaupt wenn die Komponente Umweltschutz gleich mit ins Spiel gebracht wird, einem Argument, dem sich nur wenige widersetzen können. Gut bewaffnet mit ökologischen Studien ist es den Vertretern der Industrie auch bald gelungen, den Experten in Brüssel die neuen Leuchtkörper schmackhaft zu machen. Stets um Nachhaltigkeit und eine sauberes Europa bemüht, waren diese leicht zu überzeugen und widmeten der Energiesparlampe einen umfangreichen Gesetzestext; dabei hatten sie pflichtbewusst das Bild der europaweiten, umweltschonenden Erleuchtung vor Augen.
Hochgiftiges Quecksilber und reichlich E-Smog
Von einem Vorschaltgerät abgesehen, dreht sich im Inneren der energiesparenden Leuchtkolben alles um das von Natur aus ziemlich giftige Quecksilber, welches in einen gasförmigen Aggregatzustand gebracht wird. So ist es zwar unsichtbar, aber umso gefährlicher. Und wehe, die Lampe geht zu Bruch: Das gibt hochgiftigen Sondermüll. Dieses Szenario scheint von den Verantwortlichen verdrängt zu werden. Frei gesetztes Quecksilber gilt immerhin als giftigstes, nichtradioaktives Element, welches wir uns in die gute Stube holen. Und während bei Computerbildschirmen, Handies und Co. hartnäckig auf die Gefahr von Elektrosmog und dessen Folgen hingewiesen wird üben sich viele Experten im Falle der Energiesparlampen in vornehmer Zurückhaltung.
Ökobilanz positiv? Viele Fakten ungeklärt.
Obwohl zahlreiche Studien den Energiesparlampen eine durchwegs positive Beurteilung geben, sieht die Praxis düster aus: Von der rein theoretischen Haltbarkeit abgesehen, gibt es im speziell im Bereich Entsorgung und der damit verbundenen Umweltbelastung einige hochgradige Unstimmigkeiten, ebenso im Bereich Wirtschaftlichkeit. Dr. Klaus Stanjek stellt den Energiesparlampen in einer von Greenpeace in Auftraggegebenen Studie ein geradezu vernichtendes Urteil aus. Die Relation der Lichtausbeute zur Lebensdauer ist mit dem vielfachen des Preises konventioneller Glühlampen zu bezahlen; er hält diese auch aus medizinischer Sicht für bedenklich und stellt fest, dass vieles schön geredet wird – die Informationskampagnen seien von der Industrie gezielt einseitig gesteuert.
Endstation Deponie
Die Entsorgung von Energiesparlampen ist ein sensibles Thema. Die TU Wien stellt in einer Studie fest, dass zahlreiche Ökobilanzen der Verwertung besagter Lampen einen sichtlich sehr geringen Stellenwert zuordnen, angesichts der errechneten minimalen Rücklaufquoten haben die geeigneten Sammel- und Verwertungsstrukturen ebenfalls einen untergeordneten Stellenwert. Deponierung ist demnach die rentabelste Variante der Entsorgung. Es mangelt an funktionierenden Strukturen.
Die Verantwortlichen haben bei der Zulassung sichtlich einige Variablen vergessen. Alleine die Blitzartigkeit der Glühbirnenverordnung stimmt nachdenklich, denn in beratender Funktion saßen, wie könnte es auch anders sein, hochrangige Vertreter der Industrie. Von wegen unabhängige Analysen oder neutrale Experten. Alleine die Kosten, die beim restlosen Austausch der in Europa leuchtenden Glühbirnen aufkommen bilden auf Konsumentenseite einen Kostenfaktor, der die Augen jedes profitorientierten Managers zum Leuchten bringt. Es geht um Geld, um sehr viel Geld.


















~Anonymous
Hallo Frau Winter, toll, dass
Hallo Frau Winter,
toll, dass Sie sich so uneigennützig als Lektorin mit den Artikeln hier beschäftigen, aber Sie haben offenbar noch einiges übersehen:
Edison - Lampe -> Edison-Lampe
Aussenbereich -> Außenbereich
draussen -> draußen
frei gesetztes Quecksilber -> freigesetztes Quecksilber
Handies -> Handys
in Auftraggegebenen Studie -> in Auftrag gegebenen Studie
schön geredet -> schöngeredet
giftigstes, nichtradioaktives Element -> giftigstes nichtradioaktives Element
in den Goldenen 20iger Jahren -> in den goldenen 20er Jahren (oder besser: zwanziger Jahren)
Schöne Grüße und weiterhin viel Erfolg
Jörg Sonstwie
~Anonymous
Warum nicht einfach LED-Leuchtmittel?
Immer dieses Gejammer über die so genannten Energiesparlampen. Warum empfiehlt man den Leuten nicht einfach, stattdessen zu LED-Lampen zu greifen? Die brauchen erheblich weniger Strom als die Kompaktleuchtstoffröhren, halten erheblich länger, leuchten deutlich angenehmer, sind quecksilberfrei und sind vergleichsweise unproblematisch bei Herstellung, Betrieb und Entsorgung. Alle jammern immer, dass die noch viel zu teuer seien und sich eine Anschaffung noch nicht lohnen würde. So ein Blödfug, die etwas höheren Anschaffungskosten amortisieren sich über die Stromrechnung und die immense Haltbarkeit doch im Nu.
~Marlene Winter
Lektorat
Absatz: Ökobilanz positiv? Viele Fakten ungeklärt. 2. Zeile: "(...), gibt es im speziell im Bereich (...)" - Buchen Sie mich jetzt als Lektor: marlene-winter@hotmail.com.
Ausgezeichneter Artikel, sehr informativ, gut gegliedert!
Mit freundlichen Grüßen,
Marlene Winter
~Anonymous
Lektorat
Hallo Frau Winter,
toll, dass Sie sich so uneigennützig als Lektorin mit den Artikeln hier beschäftigen, aber Sie haben offenbar noch einiges übersehen:
Edison - Lampe -> Edison-Lampe
Aussenbereich -> Außenbereich
draussen -> draußen
frei gesetztes Quecksilber -> freigesetztes Quecksilber
Handies -> Handys
in Auftraggegebenen Studie -> in Auftrag gegebenen Studie
schön geredet -> schöngeredet
giftigstes, nichtradioaktives Element -> giftigstes nichtradioaktives Element
in den Goldenen 20iger Jahren -> in den goldenen 20er Jahren (oder besser: zwanziger Jahren)
Schöne Grüße und weiterhin viel Erfolg
Jörg Sonstwie
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