Donnerstag 23. Mai 2013, 06:26

Technologie, Forschung

Horizon 2020: Mehr Forschung, weniger Bürokratie

Um es gleich vorweg zu nehmen: Österreich ist in Sachen Forschung und Wissenschaft ganz gut aufgestellt. Seit den ersten Ausschreibungen 2007 wurden mittlerweile 68 Grants eingeworben, gemessen an der Bevölkerungszahl liegt Österreich an 7. Position innerhalb der EU 27. Die Erfolgsgeschichte geht weiter. Europa forscht.

Horizon 2020: Mehr Forschung, weniger Bürokratie
Horizon 2020: Mehr Forschung, weniger Bürokratie
Bild: EC
Wien: EU-Forschungskommissarin Maire Geoghegan-Quinn und Wissenschafts- und Forschungsminister Karlheinz Töchterle präsentieren voll Stolz eine Erfolgsgeschichte, die in  Horizon 2020 ihre Fortsetzung findet. Forschung bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft. Das neue EU Forschungsrahmenprogramm wird wie erwartet ausgebaut und soll den europäischen ForscherInnen viele neue Perspektiven und Entfaltungsmöglichkeiten eröffnen. Es geht um Pionierarbeit und Innovation. Gute Rahmenbedingungen sind Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg.

Wettbewerb im Vergabesystem

Nur die Besten kommen durch: Das Vergabeprinzip für die eingereichten Grants ist wettbewerbsorientiert. Die Einstiegshürde ist hoch angesetzt, es erfordert Professionalität und Konsequenz um die begehrten Fördergelder einfahren zu können. Immerhin: Seit dem Bestehen des Europäischen Forschungsrates (European Research Council – ERC) wurden bislang 68 Grants eingefahren. Unter den Top 40 aller Gastinstitutionen findet sich übrigens die Universität Wien mit 17 ERC-Grants. Auffällig ist die hohe Bewilligungsquote: Nach den letzten Ausschreibungen liegt diese für Gastinstitutionen auf Gesamtebene bei 13,1% und auf österreichischer Ebene auf beachtlichen 25,9%. Überhaupt ist der hohe Internationalisierungsgrad auffällig – Europa rückt zusammen. Schließlich geht es um die Union.

Budgetkürzung unerwünscht

Die EU-Kommissarin attestiert Österreich in Sachen Forschung einen beachtlichen Qualitätsstandard und weist gegenüber Minister Töchterle eindringlich darauf hin, dass etwaige Budgetkürzungen für den Forschungsbereich nicht tragbar sind. Es ist mehr Effizienz gefragt, Forschung statt Bürokratie ist das Ziel. Ein vereinfachtes Regelwerk soll es ermöglichen, wertvolle Zeit in Workshops und aktives Forschen zu investieren anstatt die kontraproduktive Administrationsagenda abzuarbeiten, es geht um Ziele, die erreicht werden müssen. Die Mitgliedstaaten müssen aufrüsten. Als weiteres Highlight stellt die sympathische Kommissarin aufgrund des schwachen Frauenanteils am Forschungssektor spezifische Kampagnen für Frauen in der Forschung in Aussicht, ab Herbst sollen entsprechende Pilotprojekte gestartet werden.

Forschungsgelder: 4 Prozent Steigerung geplant

Minister Töchterle begegnet den stichhaltigen Argumenten der Kommissarin mit konkreten Zahlen. So ist für die Forschung eine Steigerung des Budgets von 4 Prozent bereits fix eingeplant. Es geht vorab einmal um 300 Millionen Euro pro Jahr, die sukzessive auf 600 Millionen Euro bis 2020 gesteigert werden müssen. Das erfordert gemeinsame Bemühungen sowohl seitens der öffentlichen Hand als auch aus der Privatwirtschaft, um weiterhin im Spitzenfeld mitreden zu können. Es sind verschiedene Ministerien involviert, eine eigene Task-Force nimmt sich der Sache an. So hat bereits Feber 2012 auf gemeinsame Initiative von ERC-Präsisdentin Helga Nowotny und BM Töchterle die nationale Beobachtungsgruppe ihre Arbeit aufgenommen. Das Ziel ist die Wissensgenerierung in Bezug auf die Forschungseinbettung der bisher vom ERC ausgezeichneten ForscherInnen sowie deren weiterer Entwicklung nach dem Auslaufen der ERC-Förderung.

Österreichs Position bei Horizon 2020

Die österreichische Verhandlungsposition zu Horizon 2020 steht bereits fest. So sollen bei Horizon 2014-2020 gegenüber dem 7. Rahmenprogramm deutlich höhere Mittel bereit stehen, um den Bedarf an Innovation zu decken, allerdings sollen über den gesamten EU-Haushalt gesehen Zahlungs- und Verpflichtungsermächtigungen auf dem aktuellen Niveau stabilisiert werden. Vereinfachte Teilnahmebedingungen berücksichtigen die FTI-aktiven Unternehmen und Forschungsinstitute. Aus österreichischer Sicht gesehen stehen weitere, im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Herausforderungen aktuelle Themenkreise im Zusammenhang mit der neuen Agenda. Das betrifft gesundes Altwerden, Nahrung,  Energieversorgung, Verkehr und Ressourcen sowie die damit in Verbindung stehenden thematischen Facetten und Nuancen. Die Forschung soll diesbezüglich entsprechende Erkenntnisse liefern, die letztendlich zu konkreten Umsetzungsmassnahmen in der Gesellschaft führen.

ERC soll ausgebaut werden

Dem Europäischen Forschungsrat soll eine stärkere Position zuteil werden als bisher, um zeitgemäße  Rahmenbedingungen in Form einer großzügigen Förderschiene für Forschungsprojekte zu schaffen. Speziell Schlüsseltechnologien wie Mikro- und Nanoelektronik, Photonik, Nanotechnologie sowie die Konzeption neuer Fertigungssysteme und –Verfahren sollen aufgewertet werden. Als umsetzungsorientierte Maßnahme sollen Unternehmensgründungen, die im Zusammenhang mit öffentlichen Forschungsergebnissen stehen erleichtert werden. Es ist sicher nicht übertrieben, von einer ökonomischen Multiplikatorwirkung zu sprechen, von der zur Abwechslung einmal auch KMU profitieren sollen.  

  

          

 


 


 




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