Griechenland-Rettung wird Zerreißprobe zwischen EU und IWF
Eine ganze Nacht lang dauerte am Mittwoch das Tauziehen zwischen den EU-Finanzministern und dem IWF über die Rettungsmaßnahmen für Griechenland. Obwohl man Athen die weitgehende Erfüllung aller Voraussetzungen für dringend benötigte Hilfszahlungen attestierte, wurde rasch klar, dass die Interessen der Geldgeber kaum unter einen Hut zu bringen sind. Am 26. November geht das Tauziehen weiter.

Bild: Christine Lagarde/flickr.com
Streit um zwei Jahre bis zur Kreditfähigkeit
Die zwei Jahre Zeitdifferenz, die augenscheinlich IWF und EU von einer gemeinsamen Lösung trennt, sind sie nicht der alleinige Grund für die Differenzen. Die wirtschaftliche Realität in Griechenland mit dem sechsten Rezessionsjahr in Folge macht beide Standpunkte unrealistisch. Laut Bericht der EU-Troika wird die Neuverschuldung auf rund 346 Milliarden Euro oder 189 Prozent vom BIP ansteigen. Immer mehr werden die seit Juni zurückgehaltenen Zahlungen aus dem längst paktierten zweiten Hilfspaket von 44 Milliarden bis Jahresende zum Tropfen auf dem heißen Stein. Durch die Verzögerungen bei der Auszahlung und die schlechten Wirtschaftsdaten fehlen bis 2016 erneut 32 Milliarden.
Wahlen in Deutschland blockieren Hilfsgelder
Die Forderung des IWF nach einem Schuldenschnitt würde Griechenland zeitgerecht 2020 wieder auf eigene finanzielle Beine stellen. Vor allem Hauptnettozahler Deutschland stemmt sich gegen diese Maßnahme. Denn dann müsste Bundeskanzlerin Angela Merkel 10 Monate vor der Bundestagswahl eingestehen, dass die bisherigen Hilfsmaßnahmen den deutschen Steuerzahlern entgegen allen Beteuerungen doch Milliarden kosten. Merkels Griechenland-Politik würde mitten im Wahlkampf ein gefundenes Fressen für die Opposition.
Deswegen setzt Schäuble auf ein Griechenlandpaket, das vor allem eines zum Ziel hat: Die Hellenen zumindest bis nach der Wahl am Leben zu erhalten. Zur Debatte stehen:
• Zinsenerlass für die Hilfskredite auf 10 Jahre
• Gewinnverzicht der EZB auf die bisher begebenen 130 Mrd. Anleihen des Euro-Rettungsschirms
• Aufstockung des Rettungsfonds EFSF um weitere zehn Milliarden
• Rückkauf von Anleihen von Privatgläubigern zu einem Preis von rund 30 bis 35 Prozent vom nominalen Wert
Alle Maßnahmen zusammen würden etwa 50 Milliarden Euro bringen und rein rechnerisch die Griechen auf die magische Marke von 120% Neuverschuldung zurückbringen.
Die Debatte darüber, wie es mit Griechenland weitergehen soll, soll nicht am Rand des heute begonnenen Budgetgipfels für den EU-Haushalt 2014 bis 2020 stattfinden. Jean Claude Juncker will eine Verknüpfung mit der konfliktträchtigen Finanzdebatte über Britenrabatt, Agrarförderungen und Budgeteinsparungen vermeiden, um nicht am Ende eine „Lose-Lose-Situation“ zu provozieren.


















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