Sonntag 19. Mai 2013, 04:16

Tourismus & Freizeit

Glücksspiel – Europäischer Lichtblick mitten in der Illegalität

Während sich das EU Parlament im November des vergangenen Jahres endlich in einer Resolution durchgerungen hatte, mit klarer Stimme gegen illegale Online Glücksspielangebote und für entsprechenden Jugend- und Spielerschutz aufzutreten, bleiben die vielen kleinen – und durchaus auch großen – Drahtzieher des illegalen Automatenglücksspiels (noch) relativ unbehelligt.

Online-Glücksspiele sind statistisch mit einem größeren Suchtrisiko verbunden als das traditionelle Glücksspiel. Der leichte Zugang und das oftmalige Fehlen sozialer Kontrolle erschweren den Schutz gefährdeter und nicht zuletzt minderjähriger Spieler. Gemeinsame Standards – beginnend mit einem Verhaltenskodex für Online-Glücksspiele sollen europaweit Abhilfe schaffen.

Mangels einer ähnlichen Initiative am Sektor des Automatenglücksspiels, das in so manchen Hinterzimmern illegale Blüten treibt, hat Österreich 2011 eine Glücksspielgesetz-Novelle verabschiedet, mit der es in ganz Europa eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die Illegalen Veranstalter einnimmt. Dies bedeutet nicht ein Verbot, denn die Experten haben eines sehr wohl erkannt: Verbote begünstigen illegales Glücksspiel im unkontrollierten, gesetzesleeren Raum. In jenen Bundesländern, die das legale Automatenglücksspiel zulassen, wie Wien, Steiermark, Kärnten und Niederösterreich, gelten für Anbieter strenge Auflagen hinsichtlich Zutrittskontrolle, Jugendschutz und eine Überwachung durch Anbindung der Automaten an das Rechenzentrum des Bundes. Bis 2014 gilt eine Übergangsregelung für bestehende Konzessionen, in der Folge eine Neuordnung des Automatenglücksspiels in Form von Landesausspielungen mit Konzessionshöchstzahlen und einer Automatenlandkarte zur Einhaltung einer zulässigen Automatendichte. Soweit so gut.

Aktives Durchgreifen der Behörden ist gefordert

Der Pferdefuß an der Sache sind die im Laufe der Jahrzehnte im Wildwuchs entstandenen illegalen Automatennester, die mittlerweile das legale Angebot bei weitem überflügelt haben. Ein harter Kern von einem knappen Dutzend krimineller Betreiber-Firmen und Personen beherrscht mafiaähnlich das illegale Glücksspiel im Land. Auf Initiative einer Spielerschutz-Plattform wurden in den letzten Monaten österreichweit über 700 Anzeigen gegen Firmen bzw. Personen eingebracht. Die Erfolge stellen sich langsam, aber stetig ein. Die Behörden werden unter dem Druck der Anzeigenflut und vor allen auch dort, wo Unterstützung der Vorgehensweise von Seiten der Politik kommt – wie etwa in Salzburg durch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller – endlich aktiv und beschlagnahmen Stück für Stück illegale Automaten. Manchmal eine Sisyphusarbeit, denn wie berichtet wird, stehen oftmals schon wenige Stunden nach Abholung der beschlagnahmten Geräte neue illegale Maschinen in den Spiellokalen. Doch angesichts der hohen drohenden Verwaltungsstrafen geben immer mehr Betreiber auf. Die Verwaltungsstrafen können im Einzelfall immerhin bis zu 22.000 Euro – und das pro Gerät – betragen, im Wiederholungsfall jedes Mal die gleiche Strafe und ersatzweise Haft. Weiters stehen noch Strafverfahren und bedeutende Steuernachzahlungen ins Haus. Das ist selbst bei den besten Umsätzen wenig lukrativ. Die Hintermänner müssen lernen, dass sich illegales Glücksspiel nicht lohnt.

Gleichzeitig sind die Behörden gefordert, wirklich und massiv durchzugreifen und die notwendigen Beschlagnahmen durchzuführen. Erst durch diesen unermüdlichen Einsatz bis zum Zusperren des letzten illegalen Nestes kann Österreich den Beweis der Richtigkeit des eingeschlagenen Weges antreten und als Musterschuler in Sachen sauberer Glücksspiellandschaft in Europa punkten.

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