Geteilter Himmel über Europa
Die EU-Kommission erhofft sich Einsparungen von 3,4 Milliarden Euro, wenn die Landesgrenzen in der Luftfahrt schwinden. Doch die Mitgliedsländer trödeln beim Projekt Einheitlicher Luftraum. Weg von der Kleinstaatenromantik hin zu einem modernen Luftraummanagement, das ist es das die Airlines in Europa brauchen. Einen einheitlichen Luftraum mit deutlich reduzierten Beschränkungen.

Bild: Airbus Industries
Der Einheitliche Himmel über Europa ist mit großen Hoffnungen verbunden. Weil die Flugsicherheit bisher rein national organisiert ist, und den Flugzeugen nur bestimmte Korridore zur Verfügung stehen, fliegen die Maschinen Umwege. Die Kommission beziffert die Unkosten, die dadurch entstehen, auf 3,4 Milliarden Euro im Jahr. Das ineffiziente Flugraummanagement ist nach Angaben der Kommission außerdem dafür verantwortlich, dass 16 Millionen Tonnen an Kohlendioxyd mehr als nötig ausgestoßen werden.
Der Passagier zahlt drauf
Die Umwege schaden nicht nur der Umwelt, sie belasten auch die Kunden, weil die Fluglinien die Mehrkosten für die Flugsicherung an die Passagiere weiter geben. Fliegen ist in Europa teurer als es sein müsste. Betroffen ist ein Großteil des europäischen Flugverkehrs. Fast 80 Prozent aller Flüge in Europa sind grenzüberschreitend.
Als im April 2010 die Vulkanaschewolke aus Island fünf Tage den Flugverkehr über Europa lahm legte, rang Kommissar Kallas den Verkehrsministern der Mitgliedsstaaten das Versprechen ab, den einheitlichen Himmel schneller als bisher umzusetzen. Doch über ein Jahr danach ist davon wenig zu sehen.
In einem ersten Schritt müssen sich die EU-Mitgliedsstaaten zusammenschließen und so genannte funktionale Luftraumblöcke bilden. Die EU-Kommission hat es den Mitgliedsstaaten bewusst selbst überlassen, in welcher Formation sie sich zusammenschließen. Sie hat diesen „bottom-up“ Ansatz gewählt, um die Zustimmung der Staaten zu bekommen. Hätte die Kommission über die Blöcke entschieden, dann wäre das Projekt sofort zum Scheitern verurteilt gewesen.
Viele kleine Blöcke
Bild: Alextranced
Die Blöcke sind bei ihrer Kooperation unterschiedlich weit fortgeschritten. Während Briten und Iren schon seit 2008 zusammenarbeiten, haben Polen und Litauer erst einmal eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und werden im Juli erst den notwendigen Staatsvertrag unterzeichnen. Auch Österreich zählt nicht zu den schnellsten Mitgliedsstaaten. Im Mai hat es ein Abkommen mit Ungarn, Slowenien der Slowakei, der Tschechischen Republik sowie mit den EU-Aspiranten Kroatien und Bosnien-Herzegowina abgeschlossen.
Österreich wenig ambitioniert
In einem nächsten Schritt müssen die Luftraumblöcke ein Dokument mit Leistungszielen bei der Kommission einreichen. In diesem Dokument müssen sie darstellen, wie sie den CO2-Ausstoss, Flugverspätungen und die Streckengebühren reduzieren wollen. Der Block, dem Österreich angehört, ist wenig ambitioniert: Erst 2015 wollen die Länder gemeinsame Leistungsziele einreichen. Nach dem Geschmack von Verkehrskommissar Kallas ist das sehr langsam.
Die Fluglinien sind enttäuscht, dass gerade bei dem Punkt Kostenreduzierung so wenig Fortschritt zu sehen ist. Sie hatten auf eine starke Entlastung gehofft. Die Kommission hat als Ziel vorgegeben, dass die Kosten der Flugsicherung von derzeit 59,97 Euro pro Kilometer bis 2013 auf 55,87 Euro pro Kilometer zurückgehen. Nach dem jetzigen Stand erscheint dies unwahrscheinlich. Und Flugpassagiere in Europa werden noch auf absehbare Zeit zu viel für ihre Tickets bezahlen. Silke Wettach /Brüssel


















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