Donnerstag 23. Mai 2013, 23:53

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Gern geschürtes Vorurteil: „Frauen kriegen weniger für's gleiche Werk!“

In der „Gerechtigkeits-Kampagne“ der Arbeiterkammer erfuhr der staunende Österreich diesen Sommer, dass Frauen hierzulande für die gleiche Arbeit um bis zu 40% weniger bekämen als Männer. Dabei verglich man aber nicht konkrete Positionen – etwa die des Lackierers - sondern nur ganz allgemein die Bildungsstufe. Also, um wie viel DIE Handwerkerinnen und die DIE Beamtinnen durchschnittlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Traditionell werden solch manipulativ designte Ergebnisse von Österreichs „Inserate-lenktem Medien-Mainstream“ nicht hinterfragt.

Gern geschürtes Vorurteil:  „Frauen kriegen weniger für's gleiche Werk!“
Gern geschürtes Vorurteil: „Frauen kriegen weniger für's gleiche Werk!“
Bild: Benjamin Thorn/pixelio.de
Wenn die der SPÖ nahestehende Tageszeitung „Österreich“ den Frauenbericht eines SPÖ-Ministeriums („Für Frauen und Öffentlichen Dienst“) abdruckt, dann sind Überraschungen nicht zu erwarten. Tenor: Österreichs Männer diskriminieren ihre Frauen. Warum sonst würden diese bei gleicher Qualifikation denn um so viel weniger verdienen. Um 25,5% nämlich hätten die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste der Österreicherinnen 2006 unter jenen der Männer gelegen.  Nur im Öffentlichen Dienst wären die Unterschiede geringer, Frauen also weniger (von Männern) benachteiligt (worden).

„Österreich“, 28.5.2010: „Frauenbericht  2010 - Superg'scheit - aber unterbezahlt!“

Die angedeutete Verschwörung verliert an Gewicht, wenn man den Bericht dann selber liest. Da steht zum Beispiel, dass beinahe in der gesamten OECD Burschen bei technischen und mathematischen Fächern signifikant stärker talentiert seien als Mädchen (Frauenbericht 2010, „Sozioökonomische Situation“, S. 3). Und das, obwohl zwei Drittel des (österreichischen) Lehrpersonals Frauen sind. Dass eine weibliche Übermacht im weltweiten Schulsystem ausgerechnet Mädchen die Technik austreibt, glaubt ohnehin bald niemand mehr. Beim Lesen und bei Sprachen sind Mädchen wieder stärker  (Frauenbericht 2010, „Bildung“, S. 21).

„Österreich“, 8.3.2012: „Macho-Falle für Frauen - Sie verdienen 34,4% weniger, kaum Zugang zu Chef-Etage!“

„Österreich ein Land der Machos, auch 2012 keine Spur von Gleichbehandlung“, klagt der linke Boulevard. Dabei wären Frauen sogar noch besser qualifiziert als Männer, hätten bei Uniabsolventen sogar eine Mehrheit von 55%.
Frauenanteil bei Studienrichtungen Doch kann es Gleichbehandlung nur bei Dingen geben, die auch gleich sind. Unglücklicherweise studieren Frauen aber vor allem geisteswissenschaftliche Fächer, Männer hingegen die (aufwendigeren) technischen. 95% der Pferdewissenschaftler sind weiblich, 70% sind es bei den Publizisten, Jobs gibt es dort nur ausnahmsweise. Bei Elektrotechnik werden Frauen auf Händen getragen, denn neun von zehn Studenten sind hier Männer.

Nun werden die Leistungen von Maschinenbauern von einer Gesellschaft aber stärker nachgefragt als die von Philosophinnen − ist doch beinahe jedes Produkt dem Know-how eines (Diplom-)Ingenieurs geschuldet. Die Leistungen von Philolog(inn)en, Soziolog(inn)en oder Politolog(inn)en hingegen werden von der Wirtschaft (und ihren Bürgern) gar nicht nachgefragt. Für diese ist ein regulärer Job ein Zufallstreffer, beziehungsweise erfordert er zusätzliche Bildungsanstrengungen auf anderen (oft kaufmännischen oder technischen) Gebieten.
Frauen wählen ihr Studienfach eher nach Gesichtspunkten „Macht es mir Spaß?“ aus oder „Bin ich damit unter interessanten Menschen?“. So entscheiden sie sich oft für „soziale Jobs“, auch wenn die wenig oder gar kein Geld versprechen. Für Männer steht bei der Berufswahl eher das Verlangen im Vordergrund, einmal gut davon leben oder eine Familie ernähren zu können. Oder sich eine Partnerin „leisten“ zu können, die beruflich weniger Ehrgeiz an den Tag gelegt hatte. Und die von ihrem künftigen Partner erwartet, sie ernähren zu können.

Harald Schmidt Show: Der Markt bestimmt den Lohn

Bei einem Vortrag erläuterte ein Unternehmensberater einmal die Lohnfindung bei neuen Angestellten eines soeben gegründeten Betriebes: Eine alleinerziehende Mutter, die nur an drei bestimmten Vormittagen arbeiten konnte, erhielt den Lohn gemäß Kollektivvertrag. Ein flexibler (weil kinderloser) junger Mann, der für jeden Dienst − auch an Sonn- und Feiertagen und am Abend – eingesetzt werden konnte, bekam um 20% über dem Kollektivvertrag bezahlt. Er hatte für das Unternehmen einen höheren Wert, weil er flexibler einsetzbar war. Dadurch kann die Firma ihre Ressourcen besser auslasten, kann mehr und höherwertiger produzieren, verdient letztendlich mehr und liefert höhere Steuern an den Staat.
Natürlich erklärt die Andeutung, „die Männer würden sich hinter den Kulissen (oder augenzwinkernd) absprechen, um sich auf Kosten der Frauen zu bereichern“ das Problem einfacher. Allerdings nicht wissenschaftlicher. Und so erstaunt der Lösungskanon als Folge solcher oberflächlich „hingetricksten“ Studien in Österreich nur mittelstark: „Staatliche Vorschriften sollen Frauenquoten in Unternehmen vorschreiben“.

Als Harald Schmidt in seiner Show am Weltfrauentag 2011 Helmut Zerlett, den Leiter seiner Big Band, fragte, ob der denn für die Frauenquote wäre, kam es wie aus dem Mund geschossen: „Aber, natürlich!“ Nicht einmal Helmut Schmidt war aber aufgefallen, dass in Zerletts Band keine einzige Frau zu sehen war. Ja, dass man sich nicht einmal erinnern konnte, jemals dort eine Frau gesehen zu haben. Sollte eine Frauenquote in Zerletts Besetzungspolitik eingreifen? Sollte der Staat, falls sich keine Musikerinnen fänden, gar welche zu solchen bestimmen?
Und das ist auch das Problem in den Betrieben. Im Personalmanagement gibt es eine Mehrzahl weiblicher Leiter. Wurden Männer also diskriminiert? Nein, Frauen zieht es magisch in den Personalbereich. Wer einmal als (einziger) Mann in einer Psychologie-Vorlesung gesessen hat, weiß, wovon hier gesprochen wird. Im Gegensatz zum „Human Ressource“-Bereich finden sich in der Produktion (dort, wo die höchsten Löhne sind) bloß Männer. Kein Wunder, zu über 90% zieht es sie in technische Fächer.

Selbst innerhalb desselben Studienfaches gibt es noch Unterschiede: Obwohl VerkäuferInnen genauso erfolgreich sind wie ihre männlichen Pendants, will nur eine Minderheit der Betriebswirtinnen die brutalen Knochenjobs im Verkauf. Die Damen unter den Diplom-Kaufleuten zieht es lieber in die zweite Reihe, ins Controlling oder in das Marketing. Dorthin dringt zwar nicht der Pulverdampf von der Verkaufs-Front, jedoch auch kein dicker Bonus bei Erfolg.

Der öffentliche Dienst zahlt keine Marktgehälter

Im öffentlichen Dienst gibt es bei der Bezahlung zwischen Mann und Frau kaum Unterschiede − kein Wunder, zahlt der Staat doch nicht nach Leistung, sondern nach der Länge der Dienst-Zugehörigkeit. Lehrerinnen, die wegen ihrer Kinder nur halbtags arbeiten, sind meist nur an drei oder vier Vormittagen in der Schule. Kaum ist die letzte Stunde abgehalten, eilt man schon zum Nachwuchs heim.

Damit stehen sie am Nachmittag aber weder für ausführliche Eltern- oder Schülergespräche zur Verfügung noch können sie Aufgaben in der Schule übernehmen, die über die rein gehaltenen Unterrichtsstunden hinausgehen (Projekte, Exkursionen, …). Solche Tätigkeiten verbleiben dann bei den vollbeschäftigten, (oft) männlichen Kollegen. Hält ein Lehrer statt 20 Stunden (=100%) also nur 10 (50%), dann liegt der Marktwert dieser Leistung eigentlich nicht bei 50%, sondern meist darunter. Doch der Staat zahlt starr nach Tarif – und das sind 50%.
In der Marktwirtschaft ist das Entgelt jener Spiegel, der zeigt, in welchem Ausmaß eine Person den Gesamterfolg des Unternehmens beeinflusst hat – Hier würden Lehrer-Halbtagskräfte wahrscheinlich nur 40% bekommen. Also um 20% weniger.

Viele Mütter wollen Halbtagsjobs, die sich mit ihren Mutteraufgaben vereinbaren lassen. Damit sinkt manchmal jedoch der Marktwert ihrer Leistung. Nun aber die Männer so hinzustellen, als hätten die sich gegen Frauen verschworen, ist ungerecht. Immerhin kompensieren zahlreiche Sozialleistungen (wie Kindergeld und Kinderabsetzbetrag) die Differenz. Es passt aber in unsere Zeit, fast jedes gesellschaftliche Problem mit einer angedeuteten Verschwörung aufzulösen.

 


 




Vielen Dank

Eine kleine Anmerkung zum ansonsten schönen Artikel. Das unadjusted Gender Pay Gap, bei dem in Österreich diese 25,5% herauskommen, wird berechnet, indem man den Durchschnitt der Bruttostundenverdienste aller(!) Frauen und Männer miteinander vergleicht – ohne irgendwelche objektiven Unterschiede zu berücksichtigen, also auch nicht Bildungsstufen. Solche Statistiken gibt es auch, aber schon da verringert sich der Lohnabstand gewaltig. Die Berechnung des unadjusted Gender Pay Gaps erfolg nach einer europaweiten Definition, hier nachzulesen: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_OFFPUB/KS-30-09-149/EN/KS-30-...

Und es kommt noch schlimmer: Die verwendeten Bruttolöhne sind nicht die einfachen Bruttostundenlöhne. Diese werden korrigiert um monatliche Einmalzahlungen, wie beispielsweise Zuschläge. Wenn also zwei Mitarbeiter in einer Firma dieselbe Arbeit erledigen und beide bekommen 10 Euro brutto pro Stunde, werden sie eigentlich gleich entlohnt. Wenn jetzt aber der eine in Schichten arbeitet und er dafür im Monat 240 Euro Zuschläge erhält, werden diese anteilig auf den Bruttostundenlohn aufgeschlagen. Bei beispielsweise 160 Stunden monatlicher Arbeitszeit sind das 1,50 Euro pro Stunde. Gemäß der Berechnung verdient dann der eine 10 Euro pro Stunde, der andere 11,50 Euro pro Stunde, also 15% mehr für dieselbe Arbeit. Eine Diskriminierung? Wohl kaum!

Dem Fass den Boden schlagen die 40% aus, denn da werden nicht nur alle Tätigkeiten vermischt, sondern auch noch ale Beschäftigungsverhältnisse. Es werden also nicht mehr Bruttostundenverdienste verglichen (wo die Gesamtarbeitszeit egal ist), sondern Monatsverdienste, so dass auch noch Voll- und Teilzeitstellen in einen Topf geworfen werden.

Feministische Datenmanipulation vom Feinsten mit dem Ziel der Durchsetzung ungerechtfertigter Bevorzugungen auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens.

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