Mittwoch 23. April 2014, 19:32

Banken & Finanzen

Generationenwechsel an der Spitze der Eurogruppe

Der abgeklärte Routinier ging, der Neuling kam. Der Wechsel an der Spitze der Eurogruppe vom 58jährigen Jean-Claude Juncker zum 46jährigen Jeroen Dijsselbloem verlief am Montag abend erstaunlich unfeierlich. Juncker, nunmehr nur noch Premierminister und Schatzminister Luxemburg, zelebrierte sich ein wenig selbst.

Wechsel an der Spitze der Eurogruppe von Jean-Claude Juncker zu Jeroen Dijsselbloem
Wechsel an der Spitze der Eurogruppe von Jean-Claude Juncker zu Jeroen Dijsselbloem
Bild: Eu Council Eurozone/flickr.com
EU-Währungskommissar Olli Rehn und ESM-Chef Klaus Regling dankten ihm anschließend in wenigen Worten für seine Arbeit. Juncker hatte acht Jahre die Eurogruppe geleitet, zuletzt aber zunehmend unter Amtsmüdigkeit gelitten.
„Unsere Stile unterscheiden sich“, sagte Juncker über seinen Nachfolger Dijsselbloem, und dessen erster Auftritt in neuer Funktion untermauerte dies. Nüchtern gab sich der niederländische Finanzminister, gekonnt umschiffte er schwierige Fragen.

Ausschweifende Worte wie von Juncker, der mitunter die Märkte verwirrte, sind von Dijsselbloem nicht zu erwarten. Der Luxemburger hatte erst kürzlich den Eurokurs beeinflusst mit seiner Aussage, die Gemeinschaftswährung sei überbewertet.
Dijsselbloem war kein Wunschkandidat, sondern eine Notlösung. Deutschland suchte einen Eurogruppenvorsitzenden aus einem Land mit Triple-A-Rating. Österreichs Finanzministerin Maria Fekter galt als nicht diplomatisch genug, ein Kandidat aus Finnland wäre problematisch gewesen, weil mit Olli Rehn schon ein Finne eine wichtige Funktion im Euro-Gefüge inne hält.

Also einigten sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel im Dezember auf den Sozialdemokraten Dijsselbloem, gerade einmal seit Anfang November Minister. In Brüssel hatte ihn manch einer nicht auf dem Radar, weil man sich schwer vorstellen könnte, dass ein Unerfahrener auf einen derart wichtigen Posten gehoben werden konnte.

Kommunikation spielt entscheidende Rolle

hatte Dijsselbloem schon bei seinen ersten Auftritten im Kreis der anderen 16 Finanzminister der Eurozone in Brüssel einen guten Eindruck hinterlassen. Sein wacher Geist fiel auf - und sein makelloses Englisch, das in seiner neuen Aufgabe ein erheblicher Vorteil ist, schließlich spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle.

Bei seiner ersten Pressekonferenz in der neuen Funktion stellte sich Dijsselbloem als Brückenbauer dar. Er betonte die Bedeutung von solider Haushaltspolitik, unterstrich aber auch, dass er als Sozialdemokrat Solidarität ganz oben auf der Prioritätenliste führe. Selbst der spanische Finanzminister Luis de Guindos, der ihm seine Stimme verweigert hatte, geht davon aus, dass Dijsselbloem als Mann des Ausgleichs agieren werde. Der Spanier hatte sich aus Protest gegen die mangelnde Repräsentation seiner Landsleute in Spitzengremien der EU bei der Wahl des Eurogruppenvorsitzenden der Stimme enthalten.

Dijsselbloem wehrt sich gegen eine Aufteilung der Währungsunion in Nord und Süd. Doch in den Köpfen vieler Europäer ist diese Spaltung längst Realität. So beklagen die Südländer, dass mittlerweile alle Spitzenposten in der Eurozone fest in der Hand von Triple-A-Ländern sind. Der Rettungsfonds ESM wird von einem Deutschen geführt, auf der Arbeitsebene lenkt mit dem Beamten Thomas Wieser ein Österreicher die Geschäfte. Der Italiener Mario Draghi bildet an der Spitze der Europäischen Zentralbank die einzige Ausnahme, was auch daran liegt, dass der deutsche Kandidat Axel Weber vorzeitig aus dem Rennen ausstieg.

„Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei“

Dijsselbloem steht von nun an unter besonderer Beobachtung – nicht nur von seinen Kollegen in der Eurogruppe. Die niederländischen Abgeordneten haben bereits angekündigt, dass sie von ihrem Finanzminister nach wie vor erwarten, dass er ihnen in Den Haag Rede und Antwort stehen wird. Und dass er seine Standpunkte nicht von vorneherein mit Blick auf mögliche Kompromisse in der Eurogruppe festlegen soll.

Mit seiner schnörkellosen Art kann Dijsselbloem in der Eurogruppe durchaus auf Sympathie hoffen. Juncker, fachlich firm, hatte sich durch seine selbstgefällige Art Feinde gemacht. Und seine Bonmots fanden nicht immer alle lustig. Am Montag gab er noch einmal eine Kostprobe: „Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei.“




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