Gemeinsame EU-Normen für Umgebungslärm
Dank der neuen Lärmbewertungsmethoden wird es künftig wesentlich einfacher, Lärm zahlenmäßig zu erfassen. Vergleichbare Daten zum Umgebungslärm sind eine Voraussetzung dafür, dass die EU Maßnahmen zur Lärmbelästigung treffen kann, die sich überall in Europa zunehmend zu einem gesundheitlichen und wirtschaftlichen Problem entwickelt.

Bild: Le Christophe/flickr.com
Umweltrisiko für die öffentliche Gesundheit
EU-Umweltkommissar Janez Potočnik: „Lärm ist insbesondere in städtischen Gebieten ein ernsthaftes Umweltrisiko für die öffentliche Gesundheit, das auf zunehmenden Verkehr und unsachgemäße Stadtplanung zurückzuführen ist. Das Projekt CNOSSOS-EU wird die Europäische Kommission dabei unterstützen, die Verfahren zur Messung von Umgebungslärm zu bewerten und den Vergleich der Daten untereinander zu ermöglichen. Ich hoffe, dass dies die Grundlage schafft, um geeignetere und effizientere Maßnahmen gegen den zunehmenden Umgebungslärm in Europa zu ergreifen. Dies ist eines der Mittel, mit denen Lärm systematischer bekämpft werden soll."
Die Europäische Kommission wird die von der Gemeinsamen Forschungsstelle entwickelten gemeinsamen Methoden zur Lärmbewertung als Grundlage für die gemeinsame Methodik verwenden, mit der bis Ende 2013 vergleichbare Werte zum Straßen-, Schienen- und Flug- sowie Industrielärm gesammelt werden sollen. Durch einen gemeinsamen Rahmen zur Lärmbewertung können vergleichbare und zuverlässige Informationen über die Lärmpegel und deren gesundheitliche Auswirkungen auf die EU-Bürger zusammengetragen werden. Außerdem wird hierdurch die Erarbeitung detaillierter Aktionspläne zur Vermeidung oder Verringerung von schädlichem Umgebungslärm erleichtert.
Gemäß der 2002 eingeführten Richtlinie über Umgebungslärm müssen die Mitgliedstaaten die Belastung durch Umweltlärm ermitteln, indem sie strategische Lärmkarten ausarbeiten und Aktionspläne zur Lärmminderung erstellen. Bei der ersten EU-weiten Maßnahme zur Lärmkartierung im Jahr 2007 wurden erhebliche Unterschiede bei den Bewertungsverfahren sowie bei der Datensammlung und Datenqualität festgestellt.
Die Gemeinsame Forschungsstelle hat in Zusammenarbeit mit Experten, die von den EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Umweltagentur, der Europäischen Agentur für Flugsicherheit und der Weltgesundheitsorganisation (Regionalbüro für Europa) benannt wurden, Lärmbewertungsmodelle auf neuester wissenschaftlich-technischer Grundlage entwickelt.
Jedes Jahr gehen mehr als eine Million gesunder Lebensjahre verloren
Durch verkehrsbedingten Lärm gehen in Europa vermutlich jedes Jahr mehr als eine Million gesunder Lebensjahre verloren. Hauptgründe für den zunehmenden Umgebungslärm in der EU sind die Verstädterung und der starke Anstieg des Verkehrs. Die gesellschaftlichen Kosten des EU-weiten Straßen-, Schienen- und Fluglärms wurden kürzlich auf 40 Mrd. EUR jährlich veranschlagt, das sind 0,35 % des BIP der EU. Laut dem 2011 von der Kommission herausgegebenen Weißbuch zum Verkehr werden die lärmbedingten externen Kosten im Jahr 2050 um 20 Mrd. EUR jährlich höher sein als 2005, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen getroffen werden.
Strategische Lärmkarten dienen den zuständigen Behörden der EU-Mitgliedstaaten zur Prioritätensetzung bei der Planung von Maßnahmen und der Europäischen Kommission zur Bereitstellung umfassender Bewertungen des Umgebungslärms in der EU. Die Daten werden auch dazu verwendet, die breite Öffentlichkeit darüber zu informieren, welchen Lärmpegeln sie ausgesetzt ist und welche Maßnahmen getroffen werden, um die Lärmbelastung auf ein für die Gesundheit und die Umwelt verträgliches Maß einzudämmen. Das Projekt CNOSSOS-EU wird dazu beitragen, fundierte strategische Lärmkarten zu erstellen, indem einheitliche und vergleichbare Zahlen zu den Lärmpegeln in Europa gesammelt werden, und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass zuverlässige Schätzungen über die hierdurch bedingten Krankheiten angestellt werden können.


















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