Samstag 25. Mai 2013, 03:23

Umwelt & Agrar


GAP – Reform bindet Subventionen an Vorgaben!

Geld gegen nachweisbaren Erfolg: So einfach ist das neue Konzept der Kommission für die Gemeinsame Agrarwirtschaft zu beschreiben. Ökologie und Umweltbewusstsein stehen im Mittelpunkt der Überlegungen. Förderungen sollen fortan einer Basisprämienregelung unterliegen, dazu kommt der an Erfolg gebundener Ökologisierungszuschlag. Die Zeit der Blankoschecks für die Landwirtschaft scheint fürs erste vorbei zu sein.

Dr. Borchardt
Dr. Borchardt
Bild: T. Winkler
Die neue, gemeinsame Agrarpolitik ( GAP ) lässt aufhorchen: Ein an sich aus dem Unternehmertum stammender Begriff, nämlich „Erfolg“, findet Einzug in den sonst so trockenen Sprachschatz der Kommissäre. Das kontinuierliche mediale Gezeter in Sachen fehlgeleiteter Kreuz- und Quersubventionen scheint auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Förderungen sind, so schwebt es der Kommission vor, bereits in naher Zukunft an den eindeutigen Nachweis von kontinuierlichen landwirtschaftlichen Aktivitäten gebunden. Für 2017 und 2019 ist eine Zwischenbilanz vorgesehen. Diese Benchmarks sollen dazu dienen, das neue Konzept auf seine Praxistauglichkeit zu überprüfen und zugleich den Steuerzahler über den Verbleib seines sauer verdienten Geldes informieren.

Schwere Zeiten für Förderungsempfänger

Die Prioritätenliste der Kommission klingt im Grunde genommen vielversprechend. Innovation, Umweltschutz und Klimawandel sind die dominierenden, übergreifenden Themen der Reformpläne. Wissenstransfer und Innovation in der Land- und Forstwirtschaft sollen gezielt forciert werden, zugleich wird eine Förderung der Wettbewerbsfähigkeit angestrebt sowie die Lebensfähigkeit der Betriebe gestärkt werden. Ressorceneffizienz und der Wandel zu CO 2 – armen, klimaresistenten Wirtschaften machen Sinn, doch der Preis ist hoch: Den Betrieben werden, wollen diese in den Genuss von Förderungen kommen, geradezu rigorose Forderungen auferlegt, welche unter anderem an strikte Vorgaben bezüglich Biodiversität, Bodennutzung sowie der umfassenden Erhaltung von Grünland gebunden sind. Schluss mit lustig, wer nicht umsetzt, was aus Brüssel kommt, geht leer aus.  

Quantitative Ansätze im Sinne der Harmonisierung: Ob das gut geht?

Das Konzept sieht EU-weit ziemlich einheitliche Rahmenbedingungen vor, die Programmgestaltung auf regionaler und nationaler Ebene mit quantitativen Zielen und der Nutzung eines rationalisierten Instrumentariums soll der Harmonisierung dienen. Doch hochrangige Vertreter der Standesverbände  äussern bereits im Vorfeld ihre Bedenken. Sie befürchten, dass diese Massnahmen einen  spürbaren Mehraufwand auf Verwaltungsebene mit sich bringen, sobald das angestrebte Kontrollsystem für die Umwetzung des Regelwerks implementiert wird. Weiters scheint es, dass  regionale Voraussetzungen einmal mehr nur sehr bedingt berücksichtigt werden, obwohl die Verantwortlichen auf die allgemeine Flexibilität, speziell was gemeinsame Aktionen betrifft, verweisen. Den Mitgliedstaaten bleibt jedenfalls nur wenig Spielraum bei der Umsetzung der Vorgaben.

Die topographischen sowie klimatischen Voraussetzungen in Europa sind nun einmal unterschiedlich ausgeprägt, von der jeweiligen Bodenbeschaffenheit einmal abgesehen. Die geplante Subventionierung für Gebieten mit naturbedingten Benachteiligungen fällt mit bis zu 5% des Finanzrahmens für Direktzahlungen mehr als nur mickrig aus, hier wird der Rotstift an der falschen Stelle angesetzt. Und so löblich die angestrebte Diversifizierung von Anbaufrüchten auf dem Papier erscheinen mag, so komplex sieht es in der Praxis, speziell bei kleineren Betrieben mit geringen Ressourcen, aus.   

Pferd mit Fohlen
Pferd mit Fohlen
Bild: Maurachgut
Da die regionalen Eigenheiten und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nur bedingt Einzug in das neue Konzept finden, liegt es auf der Hand, dass angesichts der beabsichtigten Harmonisierung eine überproportionale Vereinheitlichung die unbeabsichtigte, aber unausweichliche Konsequenz ist.  Speziell kleine Betriebe könnten durch die geplanten Auflagen mächtig ins Schwitzen kommen, während produktionsstarke Betriebe mit ausreichend Produktionsfläche bzw. – Kapazität erneut gestärkt werden.

Kooperationsmassnahmen, Pilotprojekte und lokales Marketing: Pflanz` aus Brüssel?

Hier meinen es die Experten sichtlich gut, diese Idee hat was. Doch wer sich umsieht im Land erkennt, dass wir der langatmigen Bürokratie in Brüssel dank einigen initiativen Köpfen in den heimischen Gefilden zumindest diesbezüglich ein paar wenn auch kleine Schritte voraus sind, zumal ein einige ganz Umtriebige ihren Ideen bereits einen Gütesiegel verliehen haben. Nichtsdestotrotz sind uns Ideen aus Brüssel stets willkommen, die heimischen Experten am Agrarsektor sind schliesslich lernbereit und kooperativ. Welche Komponenten die Kommission für die neuen Benchmarks im Konkreten setzt, ist zur Zeit nicht eindeutig geklärt, da heisst es vorerst abwarten.  

Immerhin: Die Regelung für Junglandwirte gilt als hoffnungsvoller Lichtblick im komplexen Agrarkonzept, um die nächste Generation für eine existenztragende Karriere im Agrarbereich zu begeistern, speziell in Verbindung mit den umfangreichen Beratungsmassnahmen und der in Aussicht gestellten Kooperation zwischen Forschung und Landwirtschaft, durch welche Innovationen schneller als bisher in die Praxis Einzug finden können.

Harmonisierung: Schädlich für den Wettbewerb?

Die angestrebte Harmonisierung des Regelwerks bringt definitiv administrative Erleichterungen für Brüssel, wirft jedoch die Frage auf, ob hier nicht unbewusst übers Ziel geschossen wird. Interessanterweise wird die bis vor Kurzem noch gerne als Entschuldigung vorgebrachte Argumentation, es liegen zu wenig aussagekräftige Daten und Aufzeichnungen für weitere Schritte vor, gegenwärtig nicht strapaziert. So positiv die GAP im Ansatz auch zu werten ist, wartet noch ein Berg Arbeit auf die Kommissäre, um die gegenwärtigen Schwachstellen im System nachhaltig auszubügeln und aus einem gut gemeinten Konzept einen praxistauglichen Schlachtplan zu machen.

Die versprochene Verbesserung in der Wettbewerbsfähigkeit ist in den Grundzügen bereits deutlich auszumachen. Doch, so lispeln böse Zungen in der Branche, wird durch die gezielte, kontinuierliche Angleichung der Agrarbetriebe jedes mögliche Aufkommen von Konkurrenzdenken bereits im Ansatz erstickt, was zu einer bedenklichen Förderungsabhängigkeit führen kann, da fehlt der unternehmerische Kick. Auch im Agrarbereich belebt Konkurrenz das Geschäft und sichert Standards zuverlässiger denn jegliches Regelwerk. Ausserdem: Die Natur ist weder mit Ökologisierungskomponenten noch mit Basisprämienregeln zu bezwingen. Das sollte auch Brüssel wohlwollend akzeptieren.

 




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