Samstag 25. Mai 2013, 13:51

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Funktionäre-Paradies EU: Gierig, unfähig, korrupt – oder doch nur Spiegel seiner Bürger?

Ein Kontinent verachtet seine Führungsschicht. Ob Politiker, Sekretär, Funktionär oder Manager – an heimischen Stammtischen gelten sie als faul, korrupt und stets nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Dabei sind jene, die am lautesten schimpfen, oft um keinen Deut besser.

Funktionäre-Paradies EU
Funktionäre-Paradies EU
Bild: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de
Und in Amerika ist dies ohnehin ganz anders. Drei „andere“ Sichtweisen zu diesem Thema.

Erstens: Die Scheinheiligkeit (Morbus magna europeensis)

Ein Angestellter liebt das Zocken in der Arbeitspause via Internet. Die Banken hält er für gierig und fordert schärfere Spekulationsfristen. Für „große“ Banken, wohlgemerkt - nicht für „kleine“ so wie ihn.

Steuerhinterziehung: "Kleine" vs. "Große"Ein Doktor der Germanistik ist stolz, für sein Studiums über 70.000 Euro an Sozialleistungen kassiert zu haben. Seit vielen Jahren fährt er Taxi ohne Steuern zu bezahlen – Stichwort „Tacho - Akkuschrauber“. Politiker und Konzerne würden unser Land ausplündern, meint er hitzig. Die AUA hätte durch eine Gesellschaft auf den Kanalinseln beim Leasen ihrer Flugzeuge 50 Millionen Steuern gespart. Allerdings spart der „Taxi-Moralist“ pro Woche auch 300 Euro Steuern, macht pro Jahr schon nicht mehr kleine 15.000. Auf den einzelnen der 8000 AUA-Mitarbeiter heruntergebrochen hatte die AUA übrigens nur 6.250 Euro Steuern „optimiert“ - die Hälfte des „Germanisten-Moralisten“.

Ein Bekannter freut sich in einer Runde, 100 Euro gefunden zu haben – alle freuen sich mit ihm. Auf die Idee, es zur Polizei zu bringen, kommt niemand. Dass Heinz Jungwirth, Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees, persönlich in die Kasse griff, empört nur eine Stunde später ausnahmslos alle.
Laut einer Umfrage des Market-Instituts sprachen sich 78 Prozent der Österreicher für eine Steuererhöhung bei Stiftungen und 77 Prozent für eine Erhöhung der Vermögenssteuern ab Beträgen von 500.000 Euro aus. Bei Steuern, die auch sie persönlich treffen könnten, sind sie weniger großzügig. Nur mehr 30 Prozent sind für eine höhere KESt. und noch ganze 16 Prozent für eine Anhebung der Grundsteuer.
Besonders leidenschaftlich sollen Italiener und Griechen über ihre Führungsschichten schimpfen.

Zweitens: US-Fleiß vs. Bequemlichkeit a la EU

Wer in beiden Kulturen gelebt (und gearbeitet) hat, der weiß: Amerikaner sind „Kümmerer“ – und sie sind fleißig. Europäer nicht. Nirgendwo ist die reguläre Jahresarbeitszeit geringer als in Deutschland, Frankreich oder Österreich. Nirgendwo sind (gemeinsam mit den Holländern) die Menschen sparsamer – manche sagen „geizig“[1]. Amerikas und Englands Bürger hingegen sind die großzügigsten der Welt, für ihr Einkommen haben sie rekordhaft viel gearbeitet.
Der Grund liegt in den über die Jahrhunderte lang währenden Dauer-Diktaturen Europas. Da hat es eine Gesellschaft irgendwann verinnerlicht, dass sich das „Eine Prozent da oben“ auf Kosten aller anderen bereichern würde. Und dass man als „Kleiner“ niemals eine Chance hätte, weil ein Komplott aus Reichen, Konzernen und Politikern sich schon alles ausgemacht hätte. Darum engagiert sich der „Mann von der Straße“ in Europa aus Prinzip schon nicht – weder in der Wirtschaft, noch im Staat oder in „leitungsbetonten“ Organisationen aus Kultur und Sport. Bemerkt man aber, dass es dort - wider Erwarten – doch Viele von ganz unten nach ganz oben schafften, ist man irritiert. Und man fühlt sich umso mehr bestätigt, wenn (von 100 guten Führungskräften) einer auffliegt, der nur nach oben wollte, um die eigenen Taschen anzufüllen.

„Außerdem soll das doch der Staat besorgen“, meint der Europäer dann, „er nimmt mir ja auch reichlich Steuergeld!“ Damit wird der Unterschied zu „good old Europe“ offensichtlich: Im Gegensatz zu Europa wählen Amerikaner nicht jene Politiker, die ihnen vor der Wahl das meiste Geld versprechen (Stichwort „Anti-Teuerungspaket“), um dann nach der Wahl im Sparpaket die Steuern anzuheben. Nein, sie wählen den, der ihnen am wenigsten verspricht, damit man nach der Wahl die Steuern senken kann. Amerikaner glauben an die Kraft des Individuums. Weniger Steuern bedeutet ein höheres Realeinkommen und damit mehr eigene Entscheidungsmöglichkeit. Europäer halten das für „ungerecht“ – ein starker Staat soll mit ihrem Steuergeld an ihrer Stelle walten. Die Verteilung der üppigen Steuermittel besorgt in Österreich ein Dickicht aus 500.000 öffentlich Bediensteten[2] in Gebietskörperschaften, Kammern, Sozialversicherungen und Gemeindefirmen. Angeführt von einer entsprechend groß dimensionierten „Politiker- und Funktionärskaste“.

Schon in der Schule lernt der Amerikaner, dass ein Einzelner die Welt verändern kann. Viele engagieren sich neben ihrer Arbeit noch für ihre Nachbarschaft - mit einer Leidenschaft, die hierzulande ihres Gleichen sucht. Bei Wahlen geht man unbezahlt von Tür zu Tür und verwickelt seine Nachbarn in politische Gespräche. Und wer unschuldig in Armut fiel, kann auf die Großzügigkeit von Gläubigen und Nachbarn zählen. 40 Euro spendet der Österreicher jährlich, 600 sind es beim Amerikaner.

Drittens: Kampfschauplatz der Ideologien

Amerikaner wundern sich, wie stark Europa – und besonders Österreich – durch-politisiert sind. Für Amerikaner ist die Marktwirtschaft als leitende Gesellschaftsform längst unbestritten. Für Europäer nach 150 Jahren noch nicht. So glaubt jeder zweite Deutsche, dass die Ideen des Kommunisten Marx von großer Bedeutung wären und der Mann (immer wieder) nur falsch verstanden wurde.

Wer aber überzeugt ist, dass ein Komplott von Reichen, Kapital und Politik hinter den Kulissen werkt, und dass Konzerne an die Weltherrschaft streben, um die Welt auszubeuten, der ist richtig wütend. Und der will in Staat und Medien gegen „die da oben“ kämpfen. Deshalb  müssen an allen möglichen (und unmöglichen) Stellen Gesinnungsfreunde sitzen – egal ob sie dazu befähigt sind oder nicht. Und gibt es nicht genügend Stellen, die man besetzen kann, dann schafft man welche.

Die Minderheit von Europäern, die der Kraft der Märkte (als Summe aller Individuen) vertraut, - die glaubt, dass jeder Kleine seine Chance hat - , und dass es den Komplott der Reichen und der Mächtigen nicht gibt, ist immer in der Defensive. Denn sie hat zu wenig Wut im Bauch. Um nicht gänzlich in der politischen Bedeutungslosigkeit zu versinken, ist auch sie gezwungen, ihre Leute in den wuchernden Schwamm von Behörden und Vereinen einzuspeisen. Hier ist das Scheitern an der Spitze vorprogrammiert.

Europa muss sich entscheiden

Seit den 1880ern tobt der Kampf der Ideologien. Bis in die 1920er verdeckt, dann offen. Durch den Krieg geläutert, wird der Schlagabtausch heute aber nicht mehr offen ausgetragen, sondern auf Nebenschauplätzen - in Vereinen, Behörden und ausgegliederten Gesellschaften.

Wenn die ÖVP schon nicht in Boulevard und ORF vertreten ist, dann ist sie es im ÖAMTC. Und verdächtigt man die „Sport Union“, die Jugend zu leistungsorientiert zu (v)erziehen, dann setzt man ihm den ASKÖ entgegen.
Österreich und Europa werden noch lange mit einer aufgeblasenen Staat- und Funktionärsschicht leben müssen – samt ihren Skandalen. Denn man wählt sie seit den 1970ern regelmäßig herbei. Erst wenn der Kontinent sich entschieden hat, ober er sozialistisch, konservativ oder gar liberal sein will, wird der Grund für den europäischen Beamtenapparat samt seiner Skandalträchtigkeit weggefallen sein.

 

[1] Preisstudie OC&C, 2009, 60.000 internationale Verbraucherinterviews

[2] nach OECD-Definition


 




Ja, aber ........

Meiner Ansicht nach grundsätzlich alles richtig. Aber schimpfen wird man dann aber doch noch dürfen. Besonders, wenn man an unseren "besten Mann" in Brüssel zum Thema Korruption denkt. Das ist ja nicht auszuhalten, was der so alles abgesondert hat. Bei http://kurier.at/nachrichten/4506841-bitterer-ernst.php und http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1275850/Laden-Sie-Verantw... kann man nachlesen, was der so von sich gibt, wenn er beginnt, aus dem Nähkästchen zu plaudern......

Der Fisch beginnt beim Kopf zu stinken, Herr Hörl

denn Ihr Vergleich hinkt: Taxifahrer fliegt auf, bekommt eine saftige Steuernachzahlung und eine ebensolche Strafe aufgebrummt, das betrifft ihn als Person. Im Gegensatz zu den Austrian Airlines: da wird das Unternehmen verurteilt, da im Besitz der öffentlichen Hand zahlen wir alle mit, das betrifft eben nicht nur den Verursacher (der vielleicht auch noch weggelobt wird).
Was ich damit zum Ausdruck bringen will ist, dass es scheinbar ohne persönliche finanzielle Konsequenzen möglich ist Betrügereien abzuwickeln. Solange man den Schutz einer parteipolitisch beeinflussten Organisation geniesst.

Armer taxifahrender Germanistikdoktor...

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