Freitag 18. Mai 2012, 20:05

Technologie, Forschung


Förderung der Internationalen Vernetzung und Kooperationen ist Gebot der Stunde

Die österreichische Wissenschaftspolitik und Forschungsförderung ist noch immer weitgehend national ausgerichtet. Wissenschaft ist aber per se international und Teil der Internationalen Zusammenarbeit. Die globalen Muster der Forschungskompetenz und Investitionen haben in den vergangenen Jahren einen Wandel vollzogen. Die rasanten Fortschritte in den internationalen Forschungsaktivitäten können in einer Reihe von neuen wissenschaftlichen "Hotspots" auf der ganzen Welt gesehen werden.

Katharina Cortolezis-Schlager
Katharina Cortolezis-Schlager
Bild: ÖVP
In China und Indien haben sich bedeutende neue Forschungszentren entwickelt, auch bedeutende Schwellenländer und hier im speziellen Brasilien, schreiten zügig voran und sind bereits dabei, sich schnell in Richtung Exzellenz weiter zu entwickeln.

Gastkommentar von Abg.z.NR Mag. Katharina Cortolezis-Schlager, Wissenschaftssprecherin der ÖVP

Für die Zukunftsfähigkeit von Hochschul- und Erwachsenenbildung und der Grundlagenforschung in Österreich wird ihre optimale Einbindung in das weltweite – im Speziellen in das europäische - Wissenssystem entscheidend sein. Mehr als 90 Prozent des weltweiten Wissens entstehen heute außerhalb Österreichs. Um Wissenschaft und Forschung zu betreiben und Innovationen zu ermöglichen, ist Zugang zu diesem Wissen unausweichlich. Große wissenschaftliche Herausforderungen sind zunehmend global, wie zum Beispiel der Kampf gegen den Klimawandel, die Bekämpfung von Infektionskrankheiten, Bekämpfung von Armut und Ungleichheiten, Gefährdungen der Energie oder auch die Finanzkrise – lassen sich nur im internationalen Austausch lösen.

Eine der treibenden Kräfte dabei sind internationale Kooperationen in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, strategische Forschungskooperationen zwischen Unternehmen, F&E-orientierte ausländische Direktinvestitionen, Verlagerung von Forschungsstandorten, Internationalisierung von Finanzierungsströmen und die Mobilität von Humankapital[1].

Durch die gemeinsamen Anstrengungen unserer wissenschaftlichen Einrichtungen und der Wirtschaft hat es Österreich geschafft zu einer international anerkannten und erfolgreichen Innovationsnation zu werden. Nur durch diese Zusammenarbeit konnte Österreich in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufholprozess absolvieren.

Heute zählen wir zu jenen Ländern in der Europäischen Union, die sich im Bereich Wissenschaft, Forschung und Entwicklung am dynamischsten entwickeln. Dies zeigen zahlreiche Studien[2]. Um auch weiterhin im globalen Wettbewerb bestehen zu können und „Frontrunners“ in Wissenschaft und Forschung zu werden, bedarf es einer noch stärkeren Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Forschung als Garant für Wachstum und Arbeitsplätze

Die 27 Mitgliedstaaten der Europäische Union haben sich mit der Strategie EUROPA 2020[3] das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2020 3 Prozent des europäischen Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung zu investieren. Auf nationaler Ebene haben die Bundesregierung und der Nationalrat gemeinsam beschlossen, zwei Prozent für den tertiären Bereich bereit zu stellen. Trotz der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die im Zuge der Wirtschaft- und Finanzkrise entstanden und unter Berücksichtigung der Budgetkonsolidierungen wird die Bundesregierung am Erreichen des 4-Prozent-Zieles festhalten. Nur wenn wir alle – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft – an diesem Ziel arbeiten, kann Österreich im internationalen Standorte-Wettbewerb mithalten. Starke Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind ein Garant dafür, um nachhaltig Wachstum, Aufschwung und Arbeitsplätze zu schaffen.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen österreichische Forscherinnen und Forscher noch enger mit den international anerkannten WissenschafterInnen und Wissenschaftern und der (Export) Wirtschaft zusammenarbeiten. Gleichzeitig soll Österreich zur ersten Adresse für die besten WissenschafterInnen, Studierenden und Unternehmen aus aller Welt werden – siehe das Erfolgsbeispiel IST-Austria in Klosterneuburg, wo in kürzester Zeit ein international sichtbarer Hotspot aufgebaut werden konnte.

In der von der Bundesregierung verabschiedeten (ersten) FTI-Strategie des Bundes wurden die zentrale Rolle der Universitäten, aber auch der Grundlagenforschung für den nationalen Innovationsprozess klar hervorgehoben. Besonders bedeutend sind für mich die Bemühungen um einen Hochschulplan. Wir brauchen ein klares und transparentes Bild, um Lehre (wie z.B. Studienwahlberatung oder der Hochschulzugang etc.) und Forschung (wie z.B. wo liegen unsere Stärkefelder, Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft etc.) zukunftsorientierter auszurichten, um den Wissens- und Technologietransfer aus den Hochschulen heraus nachhaltig zu stärken. Hierbei geht es nicht darum, einen Bereich einzusparen, sondern um die Bündelung von Stärken und Ressourcen. Die Vielfalt unseres Hochschulsystems soll und muss erhalten bleiben. Wir brauchen jedoch eine strukturierte Vielfalt mit klar definierten Schwerpunkten, um Kapazitäten und Ressourcen optimal nutzen zu können.

Österreich muss seinen wissenschaftlichen Fingerabdruck hinterlassen

Durch eine verbesserte Abstimmung und einem verstärkten Informationsaustausch zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft kann Österreich einen noch sichtbareren wissenschaftlichen Fingerabdruck im internationalen Wettbewerb hinterlassen als bisher. Insbesondere in strategisch wichtigen Wachstumsregionen wie Asien, dem Donauraum und der Schwarzmeerregion, Russland und der Ukraine sowie in aufstrebenden Schwellenländern wie Brasilien und Indien bedarf es einer gemeinsamen Wissenschafts- und Forschungsstrategie.

International wird Österreich längerfristig nur dann mithalten können, wenn wir alle an einem gemeinsamen Strang ziehen. Mit diesem ersten Strategiedokument einer österreichischen Bundesregierung zu Wissenschaft, Forschung und Innovation haben wir ein starkes Fundament geschaffen. Nun müssen wir gemeinsam die Maßnahmen konsequent umsetzen. Dazu zählt auch die effiziente und nachhaltige Einsetzung öffentlicher Mittel. So können wir das Potenzial unserer Hochschulen ausschöpfen, die Dynamik in der Wissenschaft steigern und Österreich eine Zukunft im globalen Wettbewerb nachhaltig verschaffen.

Um diesen Prozess zu verstärken habe ich auch das Forum "Austria Goes International - Science, Research and Innovation Hubs" - ins Leben gerufen. Das Forum bietet als Drehscheibe die Möglichkeit, einen Austausch zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft zu unterstützen, um sich gegenseitig über Strategien, Erfahrungen, Prozesse und Entwicklungen im internationalen Umfeld zu informieren.

Österreichische Unternehmen müssen sich die führenden und neu entstehenden Wissenschafts- und Forschungsstandorte sowie die dynamischsten Zentren der Welt als Partner vorzeitig sichern. Verbesserte Bedingungen und die Ausweitung der Möglichkeiten für Wissenschaft, Forschung und Innovation in allen Sektoren der Wirtschaft in Verbindung mit Ressourceneffizienz steigern die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit und fördern die Schaffung von Arbeitsplätzen. Damit stärken wir den Innovations- und Exportstandort Österreich und machen ihn für forschungsintensive Unternehmen aus dem Ausland noch attraktiver.

[1] Martin Berger, Brigitte Nones, Helmut Gassler: Internationalisierung von F&E – Der Forschungsmarkt China, InTeReg Research Report Nr. 59-2007, Joanneum Research S. 10
[2] European Innovation Scoreboard (EIS) 2009
[3] Mitteilung der Kommission: EUROPA 2020 Eine Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum, KOM(2010) 2020, Brüssel 2010


 




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