Sonntag 19. Mai 2013, 11:54

Bildung & Kultur

Förderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln

Die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln wird in den meisten europäischen Ländern zunehmend gefördert - so ein kürzlich von der Europäischen Kommission veröffentlichter Bericht. In acht Ländern (Dänemark, Estland, Litauen, Niederlande, Schweden, Norwegen, Wales und Flämische Gemeinschaft Belgiens) wurden spezielle Strategien zur Förderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln entwickelt.

Förderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln
Förderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln
Bild: Dieter Schütz/pixelio.de
In dreizehn weiteren (Österreich, Bulgarien, Tschechische Republik, Finnland, Griechenland, Ungarn, Island, Liechtenstein, Polen, Slowakei, Slowenien, Spanien und Türkei) ist sie Teil der nationalen Strategien für lebenslanges Lernen, Jugend oder Wachstum. In der Hälfte der europäischen Staaten werden Bildungsreformen durchgeführt, die auch eine verbesserte Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln umfassen. Für den Bericht mit dem Titel „Entrepreneurship Education at School in Europe” wurden Untersuchungen in insgesamt 31 europäischen Staaten und fünf Regionen durchgeführt.

Unternehmerisches Denken und Handeln

Androulla Vassiliou, Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, erklärte: “Die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln ist ein Motor für künftiges Wachstum und trägt dazu bei, dass wir die Unternehmer von morgen inspirieren. Zur Wahrung seiner Wettbewerbsfähigkeit muss Europa in seine Menschen, in ihre Kompetenzen, ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Innovationsfähigkeit investieren. Das heißt, wir müssen ein echtes Umdenken in Europa anstoßen, hin zu unternehmerischem Denken und Handeln; das beginnt damit, den Unternehmergeist bereits im frühen Alter zu wecken.“

Aus dem Bericht geht hervor, dass in zwei Dritteln der untersuchten Länder die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln in den Lehrplänen der Primarstufe ausdrücklich berücksichtigt wird. Zwar wird die unternehmerische Kompetenz nicht als Lehrfach in den Grundschulen angeboten, die Hälfte der Länder haben jedoch Lernziele definiert, die in Verbindung mit unternehmerischem Denken und unternehmerischer Kompetenz stehen, wie z. B. Eigeninitiative, Risikobereitschaft und Kreativität.

Unternehmerische Kompetenzen

In der Sekundarstufe werden in der Hälfte der Länder unternehmerische Kompetenzen im Rahmen von Pflichtlehrfächern wie Wirtschaft und Sozialwissenschaften vermittelt. In zwei Ländern (Litauen, Rumänien) werden unternehmerische Kompetenzen als eigenes Pflichtlehrfach unterrichtet. Praktische unternehmerische Fähigkeiten sind in vier Ländern definiert (Litauen, Rumänien, Liechtenstein und Norwegen).

Der Bericht zeigt, dass ein Dutzend Länder Initiativen im Zusammenhang mit der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln fördern, beispielsweise Projekte für eine engere Zusammenarbeit zwischen Bildung und Wirtschaft oder die Einrichtung kleiner, von Studierenden geführter Unternehmen. Eine entsprechende Lehrkräfteausbildung in diesem Bereich existiert jedoch nur in der Flämischen Gemeinschaft Belgiens, in Bulgarien und in den Niederlanden. Nur in einem Drittel der europäischen Staaten gibt es allgemeine Leitfäden und Lehrmaterialien für die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln.

Hintergrund

Die Europäische Union fördert das Unternehmertum als einen Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit und betont, wie wichtig die Entwicklung einer europäischen unternehmerischen Kultur durch die Förderung einer entsprechenden Denkweise und unternehmensrelevanter Fähigkeiten ist.

In der Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates von 2006 zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen wird die unternehmerische Kompetenz als eine von acht Schlüsselkompetenzen aufgeführt.

Die Notwendigkeit, die Unternehmer- und Innovationsfähigkeiten der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern, wird auch in den Leitinitiativen „Innovationsunion”, „Jugend in Bewegung” und „Eine Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten” der Strategie Europa 2020 für Beschäftigung und nachhaltiges Wachstum hervorgehoben.

Die Kommission hat im November 2011 eine Arbeitsgruppe zur Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln ins Leben gerufen. Diese Arbeitsgruppe besteht aus Sachverständigen aus 24 Ländern sowie Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern. Ihr Ziel es, die Bemühungen der Mitgliedstaaten zur Einführung von Bildungsmaßnahmen zum Thema unternehmerische Kompetenz zu unterstützen und die Arbeiten der Kommission zur Förderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln zu leiten. Die Gruppe soll bis Ende 2013 ein Strategiehandbuch zur Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln vorlegen.

 


 




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