Samstag 18. Mai 2013, 13:41

Reportagen

Feinschmecker freut’s: Leader fördert nachhaltige Fischzucht

Hausgebeiztes Saiblingsfilet, Mousse vom Räucherfisch, Mariazeller Sushi, Fischwürstel oder einfach frisch gefangener Fisch aus dem sieben Grad kalten Gebirgswasser des Hochschwab – Fischzüchter Alexander Quester setzt bei seinen bio-zertifizierten Leckerbissen auf Qualität. Um diese in seinem Mariazeller Betrieb weiter zu verbessern nutzte er auch die Brüsseler Leader-Töpfe.

Fischzüchter Alexander Quester setzt bei seinen bio-zertifizierten Leckerbissen auf Qualität
Fischzüchter Alexander Quester setzt bei seinen bio-zertifizierten Leckerbissen auf Qualität
Bild: questers.at
Die Leidenschaft fürs Fischen hegt Alexander Quester schon seit er als Dreijähriger seinen ersten Fisch gefangen hat. Nach dem Verkauf des familieneigenen Baustoffkonzerns, in dem Quester zwölf Jahre tätig war, machte der „Berg- und Wassermensch“ wie er sich im Gespräch mit EU-Infothek selbst bezeichnet, seine Leidenschaft zum Beruf. „Ich habe 2006 mit der Fischzucht begonnen. Davor habe ich mir viele Zuchtbetriebe im In- und Ausland angeschaut. Unsere Anlage ist ein Best of“, erzählt Quester stolz. Vier Kilometer entfernt von steirischen Mariazell tummeln sich Forellen, Saiblinge und Huchen in zwei naturnah angelegten Fließkanälen, die wiederum in mehrere Becken unterteilt sind. Anders als in üblichen Zuchtbecken bleiben die Fische im insgesamt 220 Meter langen, sechs Meter breiten und 1,40 Meter tiefen Kanal wie in ihrem natürlichen Lebensraum bei hoher Strömungsgeschwindigkeit ständig in Bewegung. Flusskiesel und Tannenholz statt Beton lautete die Devise bei der Auswahl der Baumaterialien.

Kaltes Gebirgswasser und händische Fütterung für Fischqualität der Extraklasse

Nach zwei bis drei Jahren werden die Mariazeller Forellen, Saiblinge und Huchen „geerntet“„Das Wasser ist der elementarste Punkt für den Fisch. Die Temperatur von sieben bis acht Grad, eine bestimmte Sauerstoffsättigung und die hohe Fließgeschwindigkeit – Salmoiden brauchen dieses kalte Gebirgswasser“, formuliert Quester das Erfolgsrezept seiner einzigartigen Fischzucht. Ein Paradies, das die Tiere mit jedem Kiemenzug genießen können, denn es ist genug Platz für jedes einzelne. „Die maximale Besatzdichte beträgt 15 Kilo pro m², das ist eine der strengen Auflagen für die Bio-Zertifizierung“, so der Fischliebhaber, der auch beim Futter auf beste Qualität achtet. Gefüttert werden die Tiere ausschließlich mit der Hand. „Bei der Maschinenfütterung wird über einen Zeitcomputer immer die gleiche Menge ins Wasser geworfen. Bei den Fischen stehen die Starken aber immer vorne und die Schwachen immer hinten. Händisch kann man das Futter besser verteilen. Das begünstigt gleichmäßiges Wachstum und bewirkt weniger Emissionen weil weniger Futterrückstände im Wasser bleiben“, erklärt der Züchter. Geerntet werden die Fische je nach Art nach zwei bis drei Jahren.

EU fördert Zukunftsinvestition mit mehr als 80.000 LEADER-Euro

Qualität, die neben dem Feinkosthandel auch in der gehobenen Gastronomie reißenden Absatz findet. 120 Tonnen Mariazeller Fisch verkauft das Unternehmen, in dem aktuell zwölf Mitarbeiter tätig sind, pro Jahr. Zudem bestehe Potenzial für weitere Mitarbeiter, denn es werde aktuell an zwei großen Projekten mit bestehenden Kunden gearbeitet, lässt Alexander Quester anklingen. Auch deshalb wird seit 2010 bereits wieder in die Mariazeller Fischzucht investiert. „Um 172.000 Euro haben wir die Anlage erweitert, einen zweiten kleinen Betrieb etabliert und unsere Verarbeitung komplett neu aufgestellt“, berichtet der findige Fischzüchter, der im September 2012 mit dem Abschluss der Arbeiten rechnet. Die EU unterstützt die Zukunftsinvestition in die naturnahe Bio-Fischzucht. Etwa die Hälfte der Kosten werden mit Mitteln aus dem LEADER-Topf gefördert.

Dass sich das bezahlt macht, schmeckt man mit jedem Bissen der traditionell veredelten Fischspezialitäten. Ob Frischfisch, über Buchholz geräucherte oder gebeizte Saiblinge, das Mariazeller Sushi oder Mousse vom Biosaibling auf Frischkäsebasis, auch bei der schonenden Verarbeitung werden Qualität und Erfahrung groß geschrieben. Obwohl das ebenso für die „Mariazeller“, die Fischwürstel aus dem Hause Quester, gilt, stoßen diese nicht nur auf Begeisterung bei den Konsumenten. „Love it or leave it – kein Produkt polarisiert so stark wie unsere Fischwürstel“, weiß der ehemalige Bauunternehmer, der selbst naturgemäß zu den Fans der Delikatesse zählt, „Sie schmecken sehr gut, sind fettarm, reich an wertvollen Omega-3-Fetsäuren und bestehen aus reiner Filetware.“

„Österreich ist ein Fisch-Entwicklungsland“

Die Skepsis liege laut dem leidenschaftlichen Fischfreund in den Köpfen der Österreicher begründet. „Österreich ist immer noch ein Fisch-Entwicklungsland“, folgert er aus dem Pro-Kopf Verbrauch, der mit acht Kilo pro Jahr hierzulande um vier Kilo hinter dem EU-Schnitt liegt. Das wirtschaftliche Führen des Betriebs stehe zwar an oberster Stelle, Quester arbeite aber auch mit viel Sendungsbewusstsein  daran, mehr Fisch auf die Teller der Österreicher zu bringen und die Wertigkeit von Lebensmitteln wieder zu erhöhen. Beim monatlichen Kinderkochen im Mariazeller Betrieb lernen schon die Kleinen, wie Lebensmittel produziert und verarbeitet werden. „Wir möchten zeigen, dass jedes Produkt am Teller eine Geschichte erzählen kann. Einkaufen am Markt, frisch Zubereiten und gemeinsamer Verzehr – es steckt so viel Freude und so viel Positives im Essen.“

Nähere Infos: Questers feine Fische Mariazell

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